Beschäftigungsförderung durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der MENA-Region (RE-ACTIVATE)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beschäftigungsförderung durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der MENA Region (RE-ACTIVATE)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: MENA-Region; Fokusländer: Marokko, Tunesien, Ägypten
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

MENA-Region (RE-ACTIVATE). Eine Arbeiterin beschichtet ein Photovoltaik-Modul. (Foto: C. Weinkopf) © GIZ

Ausgangssituation

Die Länder der MENA-Region verfolgen zunehmend ambitionierte Pläne für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Verbesserung ihrer Energiebilanz. Neben geringerer Umweltbelastung und besserer Versorgungssicherheit sollen nachhaltige Energien auch zu erhöhter lokaler Wertschöpfung und zu neuen Arbeitsplätzen beitragen. Da im Zentrum bisher meist Großprojekte stehen, sind die Hürden für lokale Anbieter hoch. Die großen Chancen, die sich aus der Entwicklung neuer lokaler Märkte für dezentrale und beschäftigungsintensive Technologien ergeben, werden daher nur unzureichend genutzt.

Ziel

In der MENA-Region, vor allem in Marokko, Tunesien und Ägypten, wird durch nachhaltige Energien die Umweltbelastung reduziert und die Versorgungssicherheit verbessert. Zudem wird die lokale Wertschöpfung gesteigert und zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen.

Vorgehensweise

RE-ACTIVATE unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Partnerländer der MENA-Region, vor allem Marokko, Tunesien und Ägypten, bei der gezielten Nutzung der sozioökonomischen Effekte nachhaltiger Energien. Im Mittelpunkt stehen überdurchschnittlich beschäftigungsintensive Anwendungen, vor allem Energieeffizienz in Gebäuden, Industrie und Landwirtschaft, sowie dezentrale Erzeugung, insbesondere durch Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie.

Das Vorhaben unterstützt die Partner bei der Erfassung der Beschäftigungswirkungen unterschiedlicher Anwendungen sowie bei der Weiterentwicklung ihrer Politikansätze. Es begleitet die Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen und angepasster Förderinstrumente und unterstützt den Auf- und Ausbau von Kompetenzen vor Ort. Erfolgreiche Beispiele werden dokumentiert und gezielt in den nationalen und regionalen Austausch eingespeist. Maßnahmen vor Ort und Pilotprojekte runden das Vorgehen ab.

Wichtige nationale Partner von RE-ACTIVATE sind die zuständigen staatlichen Institutionen, Wirtschafts- und Verbandsvertreter, Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen sowie Akteure der internationalen Zusammenarbeit. Internationale Partner sind beispielsweise das Regionale Zentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (RCREEE) in Kairo und die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) in Abu Dhabi und Bonn.

RE-ACTIVATE-Projektteams in den Fokusländern und in Deutschland halten Kontakt mit den Partnern, führen Maßnahmen vor Ort durch und speisen die Ergebnisse in den nationalen, regionalen und internationalen Politikdialog ein. Durch die Netzwerkarbeit ist es möglich, die Besonderheiten der Partnerländer zu berücksichtigen und zugleich Erfahrungen über Länder- und Sektorgrenzen hinweg auszutauschen.

MENA-Region (RE-ACTIVATE). Ein Mann stellt einen Solarkollektor zur Warmwasserherstellung vor. (Foto: C. Weinkopf) © GIZ

Wirkungen

RE-ACTIVATE organisiert nationale und regionale Dialoge mit den maßgeblichen Beteiligten über Methoden zur Bewertung und besseren Nutzung der beschäftigungs- und einkommensfördernden Effekte von nachhaltigen Energien. Die Ergebnisse tragen zur Verbesserung der Diskussions- und Entscheidungsprozesse vor Ort bei.

Sustainable Energy for Jobs (SE4JOBS), eine von mehreren Projekten der GIZ getragene und von RE-ACTIVATE koordinierte Maßnahme, erfasst und bewertet erfolgreiche Ansätze und Erfahrungen in Entwicklungs- und Schwellenländern mit der Optimierung sozioökonomischer Wirkungen von nachhaltigen Energien. Ergebnisse und Empfehlungen werden mittels einer sogenannten SE4JOBS-Toolbox einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt.

Des Weiteren führt RE-ACTIVATE für ausgewählte Fokusländer und -sektoren „tiefe“ Marktanalysen durch, mit deren Hilfe Beschäftigungspotenziale und Qualifizierungsbedarfe präzise erfasst werden. Dabei wird auch gezielt der beschäftigungsintensive und meist vernachlässigte Dienstleistungssektor berücksichtigt.

In den Fokusländern fördert das Vorhaben beschäftigungsintensive Marktsegmente für nachhaltige Energien, zum Beispiel im Bereich Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung, Textil- und Lederindustrie sowie Baustoffherstellung. Es profitieren Betriebe, die einen hohen Energieverbrauch haben und dem internationalen Wettbewerb direkt ausgesetzt sind. Durch die Maßnahmen sinken Umweltbelastung und Energieverbrauch der Beteiligten. Zugleich entsteht eine lokale Nachfrage nach neuen, nachhaltigen Energieprodukten und -dienstleistungen.

Um diese Nachfrage zu befriedigen, hilft RE-ACTIVATE, das lokale Anbieterspektrum für Produkte und Dienstleistungen zu erweitern und die Ausbildung von Fach- und Führungskräften zu stärken.

  • Es arbeitet gezielt mit Wirtschaftsverbänden und Clusterinitiativen für nachhaltige Energien zusammen. Ein transnationales Netzwerk, das Länder nördlich und südlich des Mittelmeerraums umfasst, ist entstanden und gibt wertvolle Impulse bei der Strukturierung und Umsetzung länderübergreifender Kooperationen und Investitionen.
  • Es führt mit seinen Partnern anwendungsbezogene Trainingsmaßnahmen für lokale Arbeitskräfte durch. Gleichzeitig arbeitet es auf die Entwicklung und Verbreitung international kompatibler Qualitätsstandards und Qualitätssicherungssysteme für praxisorientierte Aus- und Fortbildungen hin.
  • In Zusammenarbeit mit RCREEE wird eine regionale Online-Datenbank zu bildungsbezogenen Standards, Verfahren und Akteuren aufgebaut. Sie unterstützt Ausbau und Verbesserung der Aus- und Fortbildungssysteme im Energiebereich.

MENA-Region (RE-ACTIVATE). Zwei Arbeiter bauen ein energieeffizientes, klimagerechtes Haus. (Foto: M. Seyppel) © GIZ