Management der Sundarbans

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des Managements der Sundarbans-Mangrovenwälder (SMP-II)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger: Ministry of Environment, Forest and Climate Change (MoEFCC), Bangladesh Forest Department (BFD)
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

Ausgangssituation

Die weitgehend unbeeinträchtigten Mangrovenwälder in den Sundarbans in Bangladesch gehören zu den letzten Lebensräumen einer gesunden Population des bedrohten Bengalischen Tigers und bieten darüber hinaus 315 verschiedenen Vogelarten sowie den gefährdeten Flussdelfinen ein Zuhause. Das Gebiet umfasst etwa 6.000 Quadratkilometer Primärwald, der zusammen mit dem kleineren indischen Teil der Sundarbans den größten geschlossenen Mangrovenwald der Welt bildet. Ein großer Teil des „Sundarbans Reserved Forest“ ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes und hat den Status eines RAMSAR-Feuchtgebiets.

Die Sundarbans erbringen wesentliche Ökosystemdienstleistungen. 4,5 Millionen Menschen leben in Dörfern an der Grenze zu den Sundarbans. Die Fischerei, das Sammeln von Honig und der Holzeinschlag bilden die wichtigsten Lebensgrundlagen. Damit ist die Bevölkerung in hohem Maße vom Wald abhängig. Die Sundarbans sind zudem Laich- und Aufzuchtgebiet für verschiedene Fischarten, Garnelen und andere Wassertiere und leisten dadurch einen großen Beitrag zum Fischreichtums des Golfs von Bengalen. Vor diesem Hintergrund ist der Schutz der Sundarbans nicht zuletzt eine Frage der regionalen und internationalen Ernährungssicherheit.

Die direkten Ressourcennutzer sind an der Bewirtschaftung der Wälder bislang kaum beteiligt. Zwar bestehen keine dauerhaften Siedlungen im eigentlichen Waldgebiet, doch werden die Sundarbans durch menschliche Aktivitäten durchaus beeinträchtigt. So wird das Ökosystem durch nicht nachhaltige Formen der Fischerei sowie durch Wilderei bedroht. Außerdem ist das Waldreservat durch umweltschädliche Methoden in der Landwirtschaft und die zunehmende Industrialisierung des nahen Hinterlands weiter unter Druck geraten.

Für Weltnaturerbestätten fordert die UNESCO ein systematisches ökologisches Monitoring, um zu ermitteln, wie sich menschliche Aktivitäten und natürliche Veränderungen auf den Wald auswirken. Zu diesem Zweck muss ein aktuelles Monitoring-System eingeführt werden. Das Projekt hat die Absicht, die örtliche Bevölkerung in die Maßnahmen zum Schutz des riesigen Mangrovenwaldgebiets einzubinden.

Ziel

Das Bangladesh Forest Department (BFD, Waldbehörde von Bangladesch), das dem Ministry for Environment, Forest and Climate Change (MoEFCC, Ministerium für Umwelt, Wald und Klimawandel) angegliedert ist, wird durch die Beteiligung der örtlichen Ressourcennutzer*innen dazu befähigt, die Mangrovenwälder nachhaltig zu bewirtschaften. Dazu werden effiziente und standardisierte Prozesse für Patrouillenfahrten eingeführt und ein fachgerechtes ökologisches Monitoring realisiert.

Vorgehensweise

Auf der Grundlage der bewährten Praktiken und Lernerfahrungen aus dem Vorgängerprojekt verfolgt das Projekt „Förderung des Managements der Sundarbans-Mangrovenwälder“ (SMP II) einen mehrstufigen Ansatz:

Die Hauptzielgruppen sind arme Gemeinden und direkte Ressourcennutzer*innen, darunter auch Landlose. Durch die Stärkung der Strukturen für eine gemeinsame Bewirtschaftung der Sundarbans sollen der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Waldes verbessert werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Rolle, die Frauen dabei spielen. Gut organisierte Nutzergruppen werden dazu befähigt, ihre Rechte geltend zu machen, und erkennen die Vorteile des Naturschutzes. Sie werden dazu ermutigt, mit Waldbehörden, Dienstleistern und Fördereinrichtungen zusammenzuarbeiten. Frauen spielen in diesem Prozess eine entscheidende Rolle.

Eine solide Kenntnis der in den Sundarbans geltenden Vorschriften und Regeln ist nicht nur für die Ranger, sondern auch für die Ressourcennutzer unerlässlich. Beide Gruppen beteiligen sich an Veranstaltungen wie den „Fish for Future Fairs“. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen und Beiträge aller Beteiligten arbeitet das Projekt an einer aktualisierten Fassung des offiziellen Integrated Resource Management Plan (IRMP 2030, integrierter Ressourcenmanagementplan 2030), der den Schutz und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Sundarbans gewährleisten soll.

 

Der so genannte Frontline Ranger und verschiedene Ausbilder der Waldbehörde werden in der Anwendung des Spatial Monitoring and Reporting Tool (SMART) geschult, das in der vorangegangenen Projektphase erfolgreich getestet wurde. Mit dem Tool können Daten über rechtswidrige Aktivitäten, Biodiversität, Patrouillenrouten und Fischfanggeräte erhoben, gespeichert und ausgewertet werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine nationale SMART-Strategie einfließen.

Die Einführung eines systematischen ökologischen Monitorings in den Sundarbans ist ein neuer Ansatz, der im Wesentlichen dazu beitragen soll, mögliche Auswirkungen auf das Ökosystem zu bewerten und vorherzusagen und angemessene Abhilfemaßnahmen zu entwickeln. Darüber hinaus bildet das ökologische Monitoring eine Voraussetzung für die Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbestätte. Das Projekt beabsichtigt, ein Modell für ein ökologisches Monitoring zu entwickeln, das sich für eine flächendeckende Einführung in den gesamten Sundarbans eignet (Up-Scaling). Eine kompetente technische Arbeitsgruppe in der Waldbehörde wird die Qualität und Weiterentwicklung des ökologischen Monitorings überwachen.

Künftig können die Waldmanager*innen und andere Entscheider*innen ihre Entscheidungen anhand der erhobenen Daten treffen und begründen. Die Datenbank wird in der Waldbehörde von einer eigens dafür eingerichteten Abteilung (RIMS) verwaltet.

 

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