Beschäftigungsförderung von jungen Frauen durch angewandtes Gender Diversity Management in Unternehmen in der MENA-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beschäftigungsförderung von jungen Frauen durch angewandtes Gender Diversity Management in Unternehmen in der MENA-Region 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien
Projektlaufzeit: 2015 bis 2021

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Ausgangssituation

Die Länder im Nahen Osten und in Nordafrika (MENA Region) weisen die weltweit geringste Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben auf – nur etwa ein Fünftel aller Erwerbstätigen sind Frauen, und durchschnittlich sind bis zu 50 Prozent der jungen Akademikerinnen arbeitslos. Frauen ohne höhere Schulbildung arbeiten zwar häufiger, aber in der Regel in schlecht bezahlten und sozial unsicheren Positionen. Durch alle gesellschaftlichen Schichten hinweg erschweren traditionelle Rollenvorstellungen die Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Die Wirtschaftskrise infolge des Arabischen Frühlings hat diese Situation seit 2011 zusätzlich verschärft.

In der Privatwirtschaft werden Frauen trotz passender Qualifikation bei der Bewerberauswahl seltener berücksichtigt. Die Arbeitgeber fürchten häufige Ausfallzeiten und einen frühen Abbruch des Arbeitsverhältnisses aufgrund von familiären Verpflichtungen. Auf der anderen Seite haben viele Firmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Die Sozialverträglichkeit vieler Arbeitsplätze ist mangelhaft; die Stellen sind für Frauen nicht sehr attraktiv. Vor diesem Hintergrund wird das Potenzial weiblicher Arbeitskräfte für die Privatwirtschaft nur wenig genutzt.

Ziel

Die Beschäftigungschancen von Frauen in privatwirtschaftlichen Unternehmen in Ägypten, Jordanien, Marokko und Tunesien sind verbessert.

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Vorgehensweise

Das Projekt fördert Gender Diversity Management (GDM), d. h. eine Personalpolitik zur Förderung der wirtschaftlichen Integration von Frauen in und Bindung an die Unternehmen. Ein professionelles Management der Chancengleichheit, das die bessere Integration von Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter in der Belegschaft umsetzt, wird zunehmend als Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens wahrgenommen.

Beispiele dafür sind die Einführung flexibler Arbeitszeiten, die Nutzung von Frauenquoten im Einstellungsverfahren, die Entwicklung von Karrierewegen und die konsequente Umsetzung von Gender-Richtlinien auf der Führungsebene. Ein sozialverträgliches und familienfreundliches Arbeitsumfeld ermöglicht eine breitere Personalauswahl, verringert Arbeitsausfälle und Personalrotation und stärkt damit letztlich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Die aktive Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen hat unmittelbare Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

Ein zentraler Punkt des Vorhabens ist die globale Plattform für den Wissensaustausch, der so genannte „Gender Diversity Circulator“. Diese Plattform ermöglicht den direkten Austausch zwischen Unternehmen aus der MENA-Region und Unternehmen aus Deutschland und Europa. 

Das Projekt arbeitet eng mit Wirtschaftsverbänden zusammen. Künftig unterstützen diese Verbände ihre Mitgliedsunternehmen bei der Integration von GDM in ihre Geschäftsabläufe.

Zur Förderung leistungsfähiger weiblicher Nachwuchskräfte in der Privatwirtschaft hilft EconoWin außerdem in Zusammenarbeit mit über 100 privatwirtschaftlichen Unternehmen in der MENA-Region Schülerinnen und Studentinnen beim Einstieg in MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften) und Führungspositionen.

Ferner werden in Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen in Jordanien, Ägypten, Tunesien und Marokko digitale Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Frauen oder zur Erschließung von Beschäftigungsmöglichkeiten gefördert.

Wirkungen

Seit Januar 2015 haben über 100 Unternehmen an GDM-Veranstaltungen von Partnerverbänden teilgenommen. Mehr als 100 Unternehmen haben sich für die Berufsorientierung von Schülerinnen und Studentinnen eingesetzt. 30 Unternehmen haben Kooperationsverträge mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH abgeschlossen und setzen derzeit GDM-Projekte um. So wurden beispielsweise die Arbeitsbedingungen in der Telekommunikations- und IT-Branche bei Vodafone Ägypten, Umniah in Jordanien und Vermeg in Tunesien so verändert und gestaltet, dass Frauen jetzt besser integriert werden. Im Bankensektor haben sowohl die Amen Bank in Tunesien als auch die BMCI in Marokko eine frauenfreundliche Einstellungs- und Beförderungspolitik eingeführt. Über 14.000 Mitarbeiter (davon 5.000 Frauen) haben bereits von GDM-Projekten in den vier Ländern profitiert. Durch Schulungen wurden 150 Personalverantwortlichen aus mehr als 40 Unternehmen die für die Einführung von GDM notwendigen Fähigkeiten vermittelt. Insgesamt haben sich bislang die Arbeitsbedingungen von fast 35.000 Mitarbeitern - darunter über 12.000 Frauen - verbessert. Über 138.000 Angehörige haben von der wirtschaftlichen Integration von Frauen profitiert. In Zusammenarbeit mit der GIZ hat die Commerzbank 2017 in Berlin die erste internationale GDM-Konferenz ausgerichtet, an der 100 Vertreter von 60 Unternehmen und mehr als 10 Organisationen teilnahmen.

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