Energieeffizienz in der urbanen Mobilität

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energieeffizienz in der urbanen Mobilität
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Ministério das Cidades
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Brasilien. Leihfahrräder an einer Metrostation in Rio de Janeiro. (Foto: Manfred Breithaupt) © GIZ

Ausgangssituation

Auf Brasiliens Straßen fahren insgesamt etwa 55 Millionen Pkw, Motorräder, leichte Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse. Die Folgen: Staus, ein erhöhter Treibhausgas- und Schafstoffausstoß, eine erhebliche Lärmbelastung sowie zahlreiche Unfälle. Dadurch ist der Energieverbrauch pro Personenkilometer hoch, was die Mobilität ineffizient macht. Gleichzeitig stoßen die städtischen Transportsysteme an ihre Grenzen. Wenn nicht möglichst bald neue Mobilitätskonzepte entwickelt und umgesetzt werden, könnte sich die Situation weiter verschärfen – zu Lasten der Lebensqualität.

Laut dem brasilianischen Sektorplan für urbanen Transport und Mobilität zur Minderung und Anpassung an den Klimawandel (2013) werden die CO2-Emissionen im Personentransport 2020 die Marke von 135 Millionen Tonnen überschreiten. Dies entspräche einem Anstieg um 52 Prozent im Vergleich zu 2010. In diesem Szenario würden auf den Individualverkehr 64 Prozent und auf den öffentlichen Nahverkehr 36 Prozent der durch den Personentransport verursachten CO2-Emissionen entfallen.

Das Programm zur Wachstumsbeschleunigung (PAC) der brasilianischen Regierung hat bereits rund 25 Milliarden Euro zur Verbesserung der urbanen Mobilität zur Verfügung gestellt. 2012 wurde die Strategie für urbane Mobilität mit nationalen Richtlinien verabschiedet. Die Strategie sieht vor, als emissionsfreie Alternativen nichtmotorisierte Verkehrsmittel sowie den öffentlichen Personenverkehr zu fördern. Außerdem ist in der Strategie festgelegt, dass Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern gesetzlich dazu verpflichtet sind, einen Mobilitätsplan zu entwickeln.

Die Umsetzung dieser Richtlinien stellt die brasilianischen Städte vor große Herausforderungen. So müssen jetzt Planern und Verkehrsingenieure ausgebildet und multidisziplinäre Teams aufgebaut werden. Dennoch haben sich bereits viele Städte verpflichtet, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, und sind dabei, ihre Verkehrssysteme effizienter zu gestalten.

Ziel

Die Voraussetzungen für die Erschließung von Energiesparpotenzialen im Mobilitätssektor brasilianischer Städte sind verbessert.

Vorgehensweise

Für lebenswerte Städte mit einer nachhaltigen Mobilität, die sich am Menschen und nicht am Auto orientiert, ist ein neuer, besserer Ansatz erforderlich, nämlich A-S-I (Avoid/reduce-Shift-Improve). Dieser Ansatz orientiert sich nicht am Angebot, sondern an der Nachfrage. A-S-I fördert alternative Fortbewegungsmittel und nachhaltige, energieeffiziente Transportsysteme, die zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes und zur Verkürzung der Fahrzeigen beitragen.

Für die Steigerung der Energieeffizienz der urbanen Mobilität sind drei Faktoren entscheidend: das Transportwesen als Ganzes (Systemeffizienz), individuelle Fahrten (Fahrteffizienz) sowie die Fahrzeugtechnik (Fahrzeugeffizienz). Hinzu kommen drei grundlegende Strategien:

  1. Verhinderung einer weiteren Verkehrszunahme und Verringerung der bestehenden Nachfrage
  2. Verschiebung der Nachfrage auf effizientere Verkehrsmittel und Verbesserung des Streckennetzes
  3. Verbesserung der Effizienz von Verkehrsmitteln und Kraftstoffen

Das Projekt setzt Maßnahmen auf nationaler Ebene und in Pilotstädten um. Es orientiert sich an den Richtlinien des Gesetzes zur urbanen Mobilität und unterstützt die brasilianischen Anstrengungen zur Verminderung des Treibhausgasausstoßes.

Zur Bewertung der Energieeinsparpotenziale und zur anschließenden Entwicklung geeigneter Maßnahmen stellt das Projekt methodische Instrumente zur Verfügung. Außerdem werden verschiedene Werkzeuge erarbeitet, darunter wie Handbücher mit technischen Empfehlungen und Anleitungen für die Planung, Finanzierung und Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung eines energieeffizienten Verkehrs.

Darüber hinaus hat das Projekt verschiedene Experten dazu eingeladen, sich in ein internationales und intersektorales Kompetenznetzwerk einzubringen und durch Wissenstransfer das technische Know-how in Bezug auf Energieeffizienz in der urbanen Mobilität zu erweitern.

Das Vorhaben sorgt dafür, dass das Städteministerium, andere relevante Institutionen und die Pilotstädte die notwendigen technischen Fähigkeiten aufbauen, um die Mobilität künftig nachhaltig und energieeffizient zu gestalten.