Bildungsprogramm für syrische Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden in Gaziantep und Sanliurfa

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Bildungsprogramm für syrische Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Türkei
Politischer Träger: Prime Ministers Office
Gesamtlaufzeit: Juni 2016 bis Oktober 2019

Ausgangssituation

Mehr als 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge leben derzeit in der Türkei, überwiegend in aufnehmenden Gemeinden außerhalb der offiziellen Flüchtlingslager. Zu den am stärksten betroffen Gemeinden zählen Gaziantep und Sanliurfa, wo jeder fünfte Einwohner ein syrischer Flüchtling ist. Die hohen Flüchtlingszahlen stellen öffentliche Institutionen vor große Aufgaben, insbesondere bei Bildung, Gesundheit und Sozialversorgung.

Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge in der Türkei sind Kinder und Jugendliche. Die meisten können bisher nicht an einem geregelten Schulunterricht teilzunehmen. Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen, ist für die türkischen Behörden eine große Herausforderung.

Die vorhandenen Ressourcen der Schulen können den Bedarf an Unterrichtsräumen und Lehrpersonal aktuell nicht decken. Mithilfe eines Zwei-Schichten-Systems werden syrische Kinder und Jugendliche nachmittags an ausgewählten Grund- und Sekundarschulen nach einem angepassten syrischen Curriculum in arabischer Sprache unterrichtet. Das Nebeneinander statt Miteinander syrischer und türkischer Kinder und Jugendlicher hat auch Konfliktpotenzial.

Ziel

Syrische und türkische Kinder und Jugendliche nutzen den verbesserten Zugang zu formaler Bildung und zu gemeinsinnstiftenden Angeboten in Gaziantep und Sanliurfa.

Vorgehensweise

Das Projektziel wird durch Aktivitäten in drei Handlungsfeldern erreicht:

  1. Förderung formaler Bildung. Die Gestaltungs- und Leistungsfähigkeit der Bildungsinstitutionen wird zusammen mit dem türkischen Bildungsministerium gestärkt, um zeitnah möglichst vielen Kindern und Jugendlichen in den Provinzen Gaziantep und Sanliurfa Zugang zu formaler Bildung zu ermöglichen. Dazu werden an sogenannten Temporary Education Centers bauliche Maßnahmen durchgeführt. Eingerichtete Schul- und Gemeindefonds sollen unter anderem Mittel bereitstellen, mit denen etwa der Transport syrischer Schulkinder von und zur Schule subventioniert werden kann. Zusätzlich unterstützt das Vorhaben die Bereitstellung von Lehrmaterialien für Lehrpersonal sowie Schüler.
  2. Verbesserung der Qualität formaler und non-formaler Bildungsangebote. Syrische Flüchtlingskinder werden schrittweise in das türkische Schulsystem integriert. Syrische Lehrerinnen und Lehrer werden dafür qualifiziert, das türkische Curriculum in arabischer Sprache zu vermitteln. Sie erwerben adäquate türkische Sprachkenntnisse (B1-Level) zur Kommunikation mit türkischen Kollegen und Schülern. Zur Vermittlung von Hauptfächern des türkischen Curriculums auf Arabisch werden zudem Lehrmodule entwickelt, um die fachlich-didaktische Beratung des syrischen Lehrpersonals zu stärken. Die Lehrmodule werden eingesetzt, um Flüchtlingskinder, die weiterhin keinen Zugang zu Bildungsangeboten haben, schneller in die Primarstufe integrieren zu können.
  3. Förderung von Aktivitäten, die soziale Kohäsion stärken. Durch die Maßnahmen des Projektes wird ein nachbarschaftliches, vertrauensvolles Zusammenleben zwischen syrischen Flüchtlingen und Mitgliedern der aufnehmenden Gemeinden unterstützt. Türkische und syrische Jugendliche werden als Multiplikatoren ausgebildet, um interkulturelle Bildungsaktivitäten für syrische und türkische Kinder und Jugendliche zu initiieren. In enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund werden Sportaktivitäten durchgeführt. Das Projekt trägt zudem dazu bei, dass syrische und türkische Kinder und Jugendliche lernen, sich in das kommunale Geschehen einzubringen und kommunale Prozesse mitzugestalten. Orientiert an den lokalen Bedarfen werden Jugendliche für Einsätze als Freiwillige in den Gemeinden ausgebildet und begleitet.