Gute Regierungsführung für Umwelt und Klima

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Umwelt- und Klimagovernance Marokko
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministère délégué chargé de l´Environnement (MdEnv)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2018

Marokko. Frucht eines Arganbaumes © GIZ

Ausgangssituation

Wirtschaft und Gesellschaft Marokkos befinden sich in einem dynamischen Prozess. Um die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung zu sichern, sollen wirtschaftliches Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungsförderung mit Umwelt- und Klimaschutzzielen in Einklang gebracht werden.

Marokko hat bereits große Anstrengungen für den Umwelt- und Klimaschutz unternommen und wichtige umweltpolitische Rahmenbedingungen geschaffen. Die Verfassung unterstreicht die Bedeutung des Umwelt- und Klimaschutzes für die Entwicklung des Landes. Die nationale Umwelt- und Nachhaltigkeitscharta sowie die Nationale Strategie für nachhaltige Entwicklung sind die Grundlage der Umwelt- und Klimapolitik. Die politischen Vorgaben müssen nun praktisch umgesetzt werden. Maßgebliche öffentliche, private und zivile Akteure wenden dazu jedoch noch keine stabilen Verfahren und Instrumente guter Regierungsführung an.

Ziel

Öffentliche, private und zivile Akteure setzen die Nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung mit Verfahren und Instrumenten guter Regierungsführung um.

Marokko. Abfalldeponie © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die marokkanischen Partner dabei, die Nationale Strategie für nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Arme Bevölkerungsgruppen sind von Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen besonders stark betroffen. Gute Regierungsführung schafft qualifizierte Arbeitsplätze und neue Umweltberufe. Maßnahmen, die armutsverstärkende Auswirkungen des Klimawandels verhindern, werden rechtzeitig getroffen.

Das Vorhaben berät die Partnerorganisationen und unterstützt den Aufbau von Kompetenzen, Ressourcen und Leistungsfähigkeit. Dazu arbeitet es in vier Handlungsfeldern:

  1. Green Economy. Die Partner werden befähigt, Umwelt- und Klimaschutz als Beitrag zu einer nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung im Sinne von Green Economy durchzusetzen. Im Vordergrund stehen die Entwicklung von Abfallwertschöpfungsketten und eine nachhaltige, ressourceneffiziente Industrieentwicklung.

  2. Anpassung an den Klimawandel. Die Kompetenzen, um Klimarisiken und den Anpassungsbedarf einzuschätzen, werden gestärkt. Das im Aufbau befindliche Umweltinformationssystem wird um ein Modul zur Anpassung an den Klimawandel ergänzt. Marokko wird damit über ein integriertes Informationssystem verfügen, das Umwelt- und Klimaaspekte umfassend abbildet und Entscheidungshilfen für politisch Verantwortliche und Gremien bietet.

  3. Biodiversität, Umsetzung des Nagoya-Protokolls. Das Nagoya-Protokoll (2010) reguliert international den Zugang zu den genetischen Ressourcen. So soll für die lokale Bevölkerung der gerechte Ausgleich der Vorteile gewährleistet werden, die sich aus der Nutzung der Ressourcen ergeben. Marokko hat das Abkommen ratifiziert. Das Vorhaben unterstützt die Entwicklung strategischer Grundlagen und Instrumente, um erste Elemente des Nagoya-Protokolls umzusetzen.

  4. Marokkos Präsidentschaft bei der 22. UN-Klimakonferenz der Vertragsstaatenpartner (COP 22). Für den Erfolg der COP 22 im November 2016 in Marrakesch ist die effiziente Umsetzung der Agenda des UN-Klimasekretariat (UNFCCC) entscheidend. Das Vorhaben unterstützt das marokkanische Umweltministerium als Anlaufstelle des UNFCCC sowie das Nationale Komitee COP 22 bei ihren Aufgaben.

Wirkung

Eine Strategie zur Entwicklung von Abfallwertschöpfungsketten liegt dem Parlament zur gesetzlichen Verabschiedung vor. Durch das Management von Abfallwertschöpfungsketten können Abfallmengen auf Deponien erheblich verringert und Ressourcen wiederverwendet werden. Die praktische Operationalisierung des Nationalen Programms für Hausabfälle bei der Inwertsetzung von Abfällen wird umgesetzt.

Das Nationale Programm zur Ressourceneffizienz in der Industrie wird in einer Industriezone probeweise umgesetzt. Marokko ist damit eines der ersten Länder in der Region, in dem die Industrie durch die Integration von Prinzipien der Ressourceneffizienz wettbewerbsfähiger wird und mehr Green Jobs geschaffen werden.

Das Monitoringsystem für Klimaanpassung trägt zur besseren Abschätzung und Voraussage von Risiken, zum Beispiel durch Extremklimaereignisse, bei. Längerfristige Klimaveränderungen werden besser nachvollziehbar, sodass nationale und lokale Anpassungsstrategien und Vorsorgemaßnahmen planbar sind. Die Verwundbarkeit der ländlichen Bevölkerung gegenüber dem Klimawandel sinkt: Mehr als 5 Millionen Menschen in den Pilotregionen des Vorhabens werden besser vor dem Klimawandel geschützt.

Eine nationale Plattform koordiniert die Umsetzung der Strategie für die Nutzung genetischer Ressourcen auf der Basis des Nagoya-Protokolls. Dadurch besteht ein erheblicher Anreiz, die Biodiversität zu erhalten. Direkte Wirkungen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, stehen im Mittelpunkt. Vor allem die benachteiligte ländliche Bevölkerung profitiert von der Nutzung der Ressourcen und Naturprodukte und steigert ihre Einkommen. So wird Armut gemindert, ländlichem Exodus und Migration entgegengewirkt. Durch die Fortsetzung vorausgegangener Projekte wurden mehr als 3.000 langfristige Arbeitsplätze in ländlichen Pilotregionen des Vorhabens geschaffen. Von den erhöhten Familieneinkommen profitieren mehr als 25.000 Menschen.

Zur Vorbereitung und Durchführung der 22. UN-Klimakonferenz der Vertragsstaatenpartner (COP 22) in Marrakesch wurde ein nationales Komitee eingerichtet. Bestmögliche Kooperationsprozesse und -routinen der marokkanischen Partner mit den UN-Gremien und den Vertragspartnerstaaten der COP sowie eine professionelle Verhandlungsführung im Vorfeld und während der Konferenz sind entscheidend für die geplanten essenziellen Umsetzungsschritte des in Paris vereinbarten Klimaabkommens (2015).

Marokko. Frauen in einer Argankooperative © GIZ