Klimainformation für die Infrastrukturplanung nutzbar machen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserte Climate Services für Infrastrukturinvestitionen (CSI)
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Länder: Brasilien, Costa Rica, die Nilbeckeninitiative, Vietnam
Politischer Träger: Brasilien: Ministério do Meio Ambiente (MMA, Ministry for the Environment); Costa Rica: Ministerio Ambiente y Energía (MINAE, Ministry for the Environment and Energy): Nilbeckeninitiative (NBI)Vietnam: Ministry of Planning and Investment (MPI)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Ausgangssituation

Jährlich investieren Schwellen- und Entwicklungsländer Milliarden in langlebige Infrastruktur. Oft berücksichtigen sie dabei in ihrer Planung die zukünftige Klimaentwicklung nicht. Die Folge ist, dass neue Infrastrukturprojekte ohne das Wissen über ihre Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel umgesetzt werden. Das führt zu hohen Risiken für Schäden, Verluste und Fehlinvestitionen, mit potenziell schwerwiegenden volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.

Aus diesem Grund gehört die an die Folgen des Klimawandels angepasste Infrastruktur zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Zahlreiche Länder haben bereits mit Anstrengungen begonnen, die Widerstandsfähigkeit ihrer Infrastruktur zu erhöhen und dies als Ziel in ihren „Klimaschutzzusagen“ festgehalten; unter ihnen Brasilien, Costa Rica und Vietnam.

Um ihre Zusagen erfüllen zu können, müssen die Partnerländer ihre Kompetenzen auf individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene bedeutend steigern. Dazu gehört, dass sie institutionelle Arrangements und technische Verfahren etablieren und anwenden können, um auf Entscheidungsprozesse und Planungsverfahren zugeschnittene Klimainformationen, Beratungsleistungen und Produkte – sogenannte Climate Services – eigenverantwortlich zu entwickeln. Sie müssen auf sie zugreifen und sie effektiv in der Planung von Infrastruktur anwenden können. Jedoch auch dort wo bedarfsgerechte Climate Services verfügbar sind, werden sie häufig nicht oder nur unzureichend in den relevanten Entscheidungs- und Planungsprozessen genutzt. Die Ursache: in den Planungsvorgaben sind klimarelevante Fragestellungen nicht berücksichtigt. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Infrastrukturplanung.

Erste internationale Initiativen haben sich dieser Herausforderung angenommen, unter ihnen das Globale Rahmenwerk für Climate Services (Global Framework for Climate Services - GFCS). Ihr Ziel ist, den Ländern einen Orientierungsrahmen zur institutionellen Verankerung und praktischen Ausgestaltung der Wertschöpfung von Klimadaten hin zu bedarfsfokussierten Klimaprodukten anzubieten. Das Projekt bricht den Internationalen Handlungsrahmen des GFCS auf die nationale Ebene in seinen Partnerländern herunter. Es unterstützt die länderspezifische institutionelle und technische Ausgestaltung von Strukturen, so dass Länder Climate Services besser nutzen und sie in ihre Infrastrukturplanung einbeziehen können.

Ziel

Entscheidungsträger in den drei Partnerländern und der Nilbeckeninitiative nutzen vermehrt Climate Services bei der Planung von Infrastrukturinvestitionen.

Vorgehensweise

Das Projekt, unter Beteiligung des Deutschen Wetterdienstes als Kooperationspartner, berät die nationalen Partner bei dem Aufbau personeller, technischer und institutioneller Kompetenzen und Netzwerke zur Verbesserung der Klimadatenwertschöpfung; angefangen von der Verarbeitung von Klimadaten hin zur Entwicklung von nutzerfokussierten Klimaprodukten und Beratungsdienstleistungen für die Infrastrukturplanung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der nachhaltigen Etablierung von Kooperationsstrukturen zwischen den relevanten Akteuren der Wertschöpfungskette, wie Anbieter und Veredler von Klimadaten, Entscheidungsträger, Planer und Ingenieure. Das Projekt vernetzt sie und initiiert hierfür in jedem Land pilothaft ein Kooperationsnetzwerk. Für dessen Erprobung und institutionelle Festigung durchlaufen die Akteure über die projektbasierte Einrichtung einer sogenannten Climate Service Anbieter-Nutzer-Schnittstelle einen iterativen Prozess. Während dieses Prozesses entwickeln sie passgenaue Klimaprodukte für die technische Risikoanalyse einer ausgewählten Infrastruktur. Diese Analyse fußt methodisch auf dem von den Engineers Canada - einem weiteren Kooperationspartner - bereitgestellten PIEVC Protokoll. Dieses gibt vor, wie Objekte, ihre Teilkomponenten und operative Verfahren einer Infrastruktur von verschiedenen Klimaeinflüssen betroffen sind und wie Anpassungsmaßnahmen ausgewählt werden. Die Erfahrungen mit dem Prozess der Risikoanalyse werden für die Erarbeitung von Empfehlungen zur Berücksichtigung des Klimawandels in die bestehenden länderspezifischen Infrastrukturplanungsverfahren und –vorgaben genutzt.

Während der pilothaften Erprobung der Climate Services lernen die beteiligten Akteure unmittelbar und handlungsorientiert – so erwerben sie fundiertes Know-how zu dem Thema. Maßgeschneiderte Trainings und die Fortbildung von Trainern ergänzen diese Lernerfahrung.

Um erprobte Ansätze in die Breite zu tragen, werden nationale Dialogforen zum Thema Climate Services und klimaangepasster Infrastruktur ausgerichtet. Die Ergebnisse fließen zudem in die nationalen klimapolitischen Planungsprozesse ein, die in den nationalen Beiträgen zu dem internationalen Klimaabkommen UNFCCC festgeschrieben sind. Das Projekt teilt die Erfahrungen aus seiner Arbeit unter anderem über die Internetseite AdaptationCommunity.net.

Wirkungen

Das CSI-Projekt fördert die Schnittstelle zwischen den Anbietern von Klimainformationen und Entscheidungsträgern. Durch Pilotstudien unterstützt das Vorhaben die Entwicklung von Klimaprodukten, die auf die Bedürfnisse der Betreiber von Infrastrukturen zugeschnitten sind. Gleichzeitig werden die Stakeholder durch Schulungen für die Bedeutung von Klimainformationen auf den verschiedenen Ebenen des Planungsprozesses sensibilisiert. Alle Maßnahmen sind in den nationalen Anpassungsplan (NAP) und die national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDC) integriert, um deren Entwicklung und Umsetzung zu fördern.

Die Vorgehensweise des CSI-Projekts sieht vier Komponenten vor:

  • Verbesserung der Bereitstellung und Nutzung von Klimadienstleistungen. Der erste Schritt besteht darin, eine nationale Bestandaufnahme durchzuführen, um im Hinblick auf die Klimadienstleistungen in Brasilien zu beurteilen, „wer was, wo und für wen tut“. Anhand einer solchen Aufstellung lässt sich ermitteln, welche Möglichkeiten bestehen, um die Bereitstellung und Nutzung von Klimadienstleistungen auf nationaler Ebene auszuweiten. Ein Web-Tool soll es den Anbietern und Nutzern ermöglichen, die Institutionen auszumachen, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Das Nationale Institut für Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais - INPE) ist der Hauptpartner des Projekts und hat die Führungsrolle bei der Entwicklung entsprechend gestalteter Produkte inne.
  • Integration der Nutzung von Klimadienstleistungen bei der Infrastrukturplanung. Im Rahmen von spezifischen Studien für die brasilianische Energieforschungsgesellschaft (Empresa de Pesquisa Energética  EPE) und mit Unterstützung des Ministeriums für Bergbau und Energie (Ministério de Minas e Energia  MME) untersucht das Projekt, wie sich die Veränderung von Windverhältnissen und Bewölkung auf die Erzeugung von Wind- und Solarenergie des Landes auswirken können. Diese Informationen helfen dabei, die Gefahren durch den Klimawandel in den nationalen und 10-Jahres-Energieplänen zu berücksichtigen. Darüber hinaus hat das Projekt durch Capacity Building und über die Nationale Agentur für Schifffahrt (Agência Nacional de Transporte Aquaviário - ANTAQ) eine Partnerschaft mit dem Ministerium für Verkehr, Häfen und Zivilluftfahrt (Ministério dos Transportes, Portos e Aviação Civil - MTPA) aufgebaut.
  • Pilotstudie zur Bewertung von Klimarisiken für Infrastrukturen. Das Projekt umfasst zwei Pilotstudien, die beide im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina durchgeführt wurden: die Hochspannungsleitungen von Eletrosul Centrais Elétricas S.A. und den Hafen von Itajaí. Als Anbieter von Klimadienstleistungen nehmen die Agricultural Research and Rural Extension Company of Santa Catarina (Empresa de Pesquisa Agropecuária e Extensão Rural - EPAGRI) und das INPE an der Studie teil. Durch die Partnerschaft mit Engineers Canada konnten die brasilianischen Ingenieure ein Protokoll anwenden, das klimatische Extreme bei der Analyse von Infrastrukturrisiken berücksichtigt. Das Public Infrastructure Engineering Vulnerability Committee (PIEVC) wird den Infrastrukturbetreibern bei der Festlegung von Maßnahmen unterstützen, die dazu beitragen, Schäden und Verluste durch Extremwetterereignisse zu minimieren. Gleichzeitig entwickelt das Projekt Schulungsmaterialien, um diese Herangehensweise zu verbreiten und dadurch Planungsverfahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu operationalisieren.
  • Internationaler Wissenstransfer und -austausch. Das CSI-Projekt gibt seine Erfahrungen und Best Practices in nationalen und internationalen Foren weiter. Diese Veranstaltungen ermöglichen den Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren, die in jedem Land durchgeführt werden. Die Initiative bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich den globalen Herausforderungen des Klimawandels zu stellen.

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