Beteiligungsorientierte Ansätze für die Planung und den Aufbau von Infrastruktur in Ägypten fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beteiligungsorientiertes Infrastrukturvorhaben
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Kofinanziert von: Europäische Union (EU)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Ministerium für Wohnungswesen, Versorgung und städtische Gemeinschaften
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2022

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Ausgangssituation

Ägyptens Städte wachsen in rasantem Tempo. Zwar kann das Land bei der Durchführung städtischer Aufwertungsmaßnahmen beachtliche Erfolge vorweisen, doch der in informellen Gebieten verwendete strategische Ansatz muss noch besser koordiniert werden. Herausforderungen für den Staat sind auch die Kontrolle der informellen städtischen Expansion und das Planungsmanagement. Im Großraum Kairo leben rund 20 Millionen Menschen, davon mehr als 60 Prozent in informellen Stadtgebieten. Diese sind dicht bebaut und haben keinen angemessenen Zugang zu öffentlichen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Instrumente partizipativer Planung werden zu wenig genutzt, um den Stadtplanungsprozess zu verbessern. 

Das Beteiligungsorientierte Infrastrukturvorhaben (PIP), ein deutsch-ägyptisches Entwicklungsvorhaben, wird gemeinsam von dem ägyptischen Ministry of Housing, Utilities and Urban Communities (MoHUUC) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt. Es wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Europäischen Union (EU) und ägyptischen Partnern finanziert und unterstützt. 

Ausgehend von den im Beteiligungsorientierten Entwicklungsprogramm in städtischen Gebieten (PDP) seit 2010 gesammelten Erfahrungen entwickelt das PIP erprobte und bewährte Maßnahmen und Ansätze der integrierten und partizipativen Planung weiter. Mit Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur werden den beteiligten Akteuren praktische Lernerfahrungen vermittelt, damit sie grundlegende Dienstleistungen besser bereitstellen können. Zu den ermittelten Bedarfsfeldern, bei denen das Vorhaben ansetzt, gehört die Infrastruktur für Wasser, Abwasser, Abfall, Bildung, Gesundheit und Erholung.

Das geografische Zielgebiet umfasst neun informelle Siedlungen im Großraum Kairo mit einer geschätzten Gesamtbevölkerung von etwa zwei Millionen Menschen.

Ziel

In neun informellen Siedlungen im Großraum Kairo sind die Entwicklung und Funktionalität der grundlegenden Infrastrukturen sowie der zugehörigen Verwaltung verbessert. Das zuständige Ministerium verwendet integrative und partizipative Herangehensweisen der Entwicklungszusammenarbeit. Die Einbindung erfolgt über die Richtlinien zur Stadtentwicklungspolitik.

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Vorgehensweise

Die Bauarbeiten zur physischen Verbesserung der lokalen Infrastruktur gehen Hand in Hand mit kompetenzstärkenden Maßnahmen auf Gouvernorats- und Distriktebene. Hier werden beteiligungsorientierte Planungsinstrumente eingeführt und die bestehenden Planungsverfahren weiterentwickelt. Erreicht werden soll dies durch die Erstellung örtlicher Gebietsentwicklungspläne (local area development plans, LADPs). Das Vorhaben stellt sicher, dass lokale Gemeinschaften durch Beteiligung an den LADPs direkt in die Maßnahmen einbezogen werden. Besonderes Gewicht liegt auf einem hohen Maß an Eigenverantwortung für die verbesserte Infrastruktur sowie positiven Wirkungen für Frauen und Jugendliche. Zudem fördert das Vorhaben die Arbeit örtlicher Initiativen durch die Einrichtung eines lokalen Impulsfonds (local initative fund, LIF). Damit werden Anreize für die Durchführung sozioökonomischer Aktivitäten durch zivilgesellschaftliche Organisationen geschaffen. 

Handlungsfelder

  1. Verbesserte Bereitstellung grundlegender Infrastrukturen und Dienstleistungen in neun informellen Gebieten durch die Umsetzung von etwa 30 Maßnahmen mittleren Umfangs zur Verbesserung der Infrastruktur.
  2. Beteiligung der Zivilgesellschaft an der sozioökonomischen Entwicklung informeller Gebiete.
  3. Verbesserung der Handlungsfähigkeit lokaler Behörden, einschließlich Unterstützung eines besseren nationalen Politikrahmens für die Entwicklung informeller Gebiete.

Wirkung

  • Im August 2018 wurden zwei Pilot-LADPs fertiggestellt, und weitere sieben sollen in naher Zukunft vorliegen.
  • Ein internationales Beratungsbüro wurde beauftragt, die Durchführung von 30 im Rahmen des LADP-Prozesses identifizierten Infrastrukturprojekten mittleren Umfangs zu konzipieren und zu betreuen.
  • Im Juli 2018 wurde mit dem Partnerministerium ein gemeinsamer Lenkungsausschuss eingesetzt. Dank der daraus resultierenden engen Zusammenarbeit zwischen dem politischen Träger und dem Vorhaben konnten die notwendigen Anpassungen vereinbart und weitere LADPs durchgeführt werden.
  • Außerdem wurden mit drei Gouvernoraten Vereinbarungen über die Rahmenbedingungen für die Projektdurchführung getroffen und lokale Lenkungsausschüsse eingesetzt.

Schulungen wurden durchgeführt für:

  • 110 Staatsbedienstete (zu Anwendungen geografischer Informationssysteme (GIS)), 45 Stadtplaner*innen (zum Urban-Nexus-Ansatz für ressourceneffiziente und integrierte Städte) und 90 zivilgesellschaftliche Organisationen (im Bereich Projektplanung).

Letzte Aktualisierung: Mai 2021