Mittelgroße Städte in Ecuador nachhaltiger und klimafreundlicher gestalten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Mittelstädte
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ecuador
Politischer Träger: ecuadorianisches Ministerium für Stadtentwicklung und Wohnungsbau (Ministerio de Desarrollo Urbano y Vivienda – MIDUVI)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2021

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Ausgangssituation

In Ecuador leben bereits heute 74 Prozent der Bevölkerung in urbanen Gebieten, davon über die Hälfte in mittelgroßen Städten. In den kommenden Jahrzehnten werden die Mittelstädte zudem weiter stark wachsen. Die Art und Weise, wie den Herausforderungen und Chancen der städtischen Entwicklung begegnet wird, ist deshalb von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung des Landes.

Das schnelle Wachstum von urbanen Gebieten in Ecuador führt zu Herausforderungen, auf welche insbesondere die Mittelstädte nicht oder nur unzureichend vorbereitet sind. Die Folgen sind eine relativ hohe soziale Ungleichheit und ein überproportional hoher Ressourcenverbrauch sowie CO2-Ausstoß. Hinzu kommt, dass sich die Städte immer weiter in den ländlichen Bereich ausdehnen. Das zerstört landwirtschaftliche Anbauflächen und beeinträchtigt die Umwelt.

Nachhaltige Stadtentwicklung spielt deshalb auch in den internationalen Agenden eine wichtige Rolle. Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft 2015 zur Erreichung von 17 Zielen verpflichtet. Ziel 11 stellt dabei konkret die Nachhaltigkeit, Inklusion und Sicherheit der Städte in den Vordergrund. Weitere Ziele haben die urbane Dimension integriert. Die Agenda 2030 bildet den Rahmen für die nachfolgend beschriebenen Abkommen.

Das im Dezember 2015 verabschiedete Klimaabkommen von Paris stellt einen wichtigen Schritt im gemeinsamen Kampf gegen das globale Problem des Klimawandels dar. Ziel ist Voraussetzungen für eine klimafreundliche und nachhaltige Transformation der Weltwirtschaft zu schaffen. Städte werden hier als zentrale Akteure für die Minderung von Treibhausgasen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel genannt. Zur Erreichung der globalen Ziele verpflichtet sich jedes Land, sogenannte Klimabeiträge (NDC – Nationally Determined Contributions) zu verabschieden und umzusetzen.

Im Oktober 2016 wurde die internationale Konferenz Habitat III in Quito, Ecuador, abgehalten. Ergebnis ist die New Urban Agenda, welche der Staatengemeinschaft als zukunfts- und handlungsorientierendes Instrument dienen soll.

Die konkrete Umsetzung dieser internationalen Agenden stellt die Staaten vor beträchtliche Herausforderungen. Lateinamerika bildet hierbei keine Ausnahme. Die deutsch-ecuadorianische Zusammenarbeit leistet einen entscheidenden Beitrag hierzu, indem nachhaltige Stadtentwicklung und die Umsetzung von klimafreundlichen Umstrukturierungsprozessen in Ecuador gefördert werden.

Ziel

Ecuador setzt eine nachhaltige Stadtentwicklung gemäß der Agenda 2030, der New Urban Agenda und des Klimaabkommens von Paris um.

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Vorgehensweise

Das Programm „Nachhaltige Mittelstädte“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH legt den Fokus auf vier Themen.

Dazu zählt die Entwicklung einer nationalen Stadtentwicklungsagenda. Ecuador wird dabei unterstützt einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030, des Pariser Klimaabkommens und der New Urban Agenda auf lokaler Ebene zu leisten. Dafür soll eine Nationale Stadtentwicklungsagenda gemeinsam mit den verschiedenen Regierungsebenen, den Forschungsinstitutionen, der Zivilbevölkerung und dem Privatsektor entwickelt werden. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung dieser Agenda auf nationaler und lokaler Ebene, soll durch die Erschließung innovativer und klimafreundlicher Finanzierungsmechanismen verbessert werden. Ein Monitoringsystem wird die lokalen und nationalen Beiträge zur Erreichung der internationalen Ziele erfassen.

Das Vorhaben erarbeitet in sogenannten Städtelaboratorien Lösungen für aktuelle Probleme. Dabei kommen verstärkt neue Kommunikationstechnologien im städtischen Management zum Einsatz. In Cuenca geht es thematisch um urbane Mobilität und nachhaltige Energie. Städtische Resilienz, Risikomanagement und Anpassung an den Klimawandel spielen in der Küstenstadt Portoviejo die Hauptrolle. Stadt-Umland-Beziehungen und Ernährungssicherung werden in der im Amazonasbecken liegenden Stadt Lago Agrio thematisiert. In Loja stehen die Themen Wohnviertelverbesserung, Sicherheit und öffentlicher Raum auf der Agenda. Diese vier Pilotstädte, welche durch einen Wettbewerb ausgewählt wurden, sollen ihre Erfahrungen mit anderen Mittelstädten teilen und in die nationale Stadtentwicklungsagenda einbringen. Des Weiteren fördert das Programm den Zugang der Städte zu internationalen (Klima-)Finanzierungen und internationalen Städtepartnerschaften.

Anwendungsorientierte Forschung ist ein weiterer Schwerpunkt des Programms „Nachhaltige Mittelstädte“. Nationale und lokale Regierungsvertreter benötigen für ihre politischen Entscheidungen aktuelle Informationen und Daten. Mit einem Netzwerk von Universitäten und Forschungsinstitutionen soll eine praxisnahe nationale Forschungsagenda entwickelt werden. Sie bildet die Grundlage für die Politikberatung auf nationaler und lokaler Ebene. So soll eine effektive Verknüpfung zwischen Politikgestaltung und Forschung gewährleistet werden. Universitäten werden zudem dabei beraten, Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung und städtisches Management anzubieten.

Für eine effektive und erfolgreiche Umsetzung nationaler und lokaler Stadtentwicklungspolitik ist die Einbeziehung und Mitverantwortung der Bürgerschaft notwendig. Dies wird durch die Entwicklung neuer Technologien zur Förderung von bürgerlichem Engagement unterstützt. Bürgerobservatorien und zivilgesellschaftliche Aktionspläne werden dabei entwickelt.