Die Ernährung für Frauen und Kleinkinder im ländlichen Raum Tadschikistans verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung der Ernährung für Frauen und Kleinkinder im ländlichen Raum Tadschikistans
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tadschikistan
Politischer Träger: Gesundheitsministerium der Republik Tadschikistan
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

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Ausgangssituation

Fast ein Drittel der Bevölkerung in Tadschikistan leidet an Unter- und Mangelernährung. Nur 12 Prozent der ländlichen Bevölkerung wurde 2017 als ernährungssicher eingestuft. Tadschikistan ist damit das am wenigsten ernährungssichere Land in Zentralasien und belegt im Welthunger-Index 2017 Rang 96 von 119 Ländern. Die Grundvoraussetzungen für Ernährungssicherheit wie der Zugang zu quantitativ und qualitativ angemessener Nahrung, sauberem Trinkwasser, ausreichender Gesundheitsversorgung und Bildung sind nicht sichergestellt. Damit sind die Menschenrechte auf eine adäquate Ernährung und auf das höchste erreichbare Niveau an Gesundheit in Tadschikistan für einen großen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet.

Insbesondere Frauen im reproduktiven Alter, Säuglinge und Kleinkinder sind stark von Unter- und Mangelernährung betroffen. Die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren ist mit 43 von 1000 Lebendgeburten weiterhin hoch, etwa ein Drittel der Todesfälle sind auf Unter- und Mangelernährung zurückzuführen. Mehr als 20 Prozent der Kinder unter 5 Jahren leiden an chronischer Mangelernährung und weisen physische und kognitive Wachstumsstörungen auf.

Ziel

Die Ernährungssituation von Frauen im reproduktiven Alter, Säuglingen und Kleinkindern in der Region Khatlon ist verbessert.

stillende Frau

Vorgehensweise

Qualifizierte Freiwillige und Gesundheitspersonal der primären Gesundheitsversorgung (PHC)[SS(1]  beraten insbesondere Frauen im reproduktiven Alter, sodass diese ihr Ernährungsverhalten verändern und damit die Ernährungssituation für sich und ihre Kinder verbessern. Das Vorhaben bezieht die Schwiegermütter und Haushaltsvorstände mit ein, um die angestrebten Verhaltensänderungen in den Familien zu verankern. Durch die Qualifizierung von Trainer*innen für die Aus- und Weiterbildung, wird Ernährung ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal.

Das Vorhaben vermittelt mithilfe einer zielgruppenspezifischen Kommunikationsstrategie wie beispielweise Broschüren und Radiosendungen, Frauen im reproduktiven Alter und anderen Betreuungspersonen von Säuglingen und Kleinkindern, wie die wichtig eine gesunde Ernährung ist.

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Im Projektgebiet wird das Wasser, Hygiene und Sanitärversorgungkonzept für Babys (Baby-WASH-Konzept) eingeführt. Das Konzept, das eine Schnittstelle zwischen Hygiene und Ernährung darstellt, zielt besonders auf die ersten 1000 Tage im Leben eines Kindes ab, da diese besonders entscheidend für dessen Entwicklung sind. Indem eine saubere Umgebung und eine hygienische Zubereitung von Nahrung für Säuglinge und Kleinkinder geschaffen wird, sorgt Baby-WASH dafür, dass Durchfallerkrankungen möglichst vermieden und die aufgenommene Nahrung besser verwertet wird.

Außerdem unterstützt das Projekt die tadschikische Scaling Up Nutrition-Initiative. Hierdurch entwickeln staatliche und privatwirtschaftliche Akteure gemeinsam realistischere und zusammenhängende Ansätze, die die Ernährungssicherung verbessern und koordiniert implementiert werden. 

Wirkungen

  • Ein zehnteiliges Ernährungsmodul ist entwickelt und in die Lehrpläne für die Ausbildung von Ärzten und Krankenschwestern (Curricula) integriert worden.
  • Die Curricula für das Medizinstudium und die Weiterbildung von Medizinern sind um das Thema Ernährung ergänzt worden.
  • 150 Krankenschwestern der primären Gesundheitsversorgung sind in der fachgerechten Messung von Hämoglobin im Blut und auf die entsprechende Verschreibung, Dosierung und Verabreichung von Eisenpräparaten geschult worden.
  • 110 Community Nutrition Volunteers (freiwillige Ernährungsberater, CNV) wurden in der Ernährungsberatung ausgebildet und beraten gemeinsam 5.500 Haushalte zu Ernährungs- und Hygienethemen.
  • 2.600 Schulungen werden von den CNV’s durchgeführt, um alte Verhaltensmuster hin zu einer ausgewogeneren Ernährung zu verändern.
  • 140 Krankenschwestern, die an den PHCs arbeiten, haben in ausgewählten Dörfern des Projektgebietes Schulungen hinsichtlich einer ausgewogeneren Ernährung durchgeführt.
  • Kommunikationsstrategien zur Änderung des Ernährungsverhaltens von Frauen im reproduktiven Alter wurden für das Projekt erstellt.
  • 30 PHC’s wurden mit Computern ausgestattet. Außerdem haben 20 Mitarbeiter*innen in den PHC’s an einem Computerkurs teilgenommen, um das neu erworbene Wissen als Multiplikator*innen weiterzugeben.
  • Ein Handbuch wurde für das medizinische Personal zum Thema Ernährung entwickelt, das durch ein zehnteiliges E-Learning Modul ergänzt wird. Dieses steht sowohl online als auch offline zum Selbststudium zur Verfügung.

Stand: Februar 2021