Beschäftigungschancen in handwerklichen Berufen verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beschäftigungsorientierte Qualifizierung im Handwerk
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien
Politischer Träger: Ministerium für Arbeit
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Ausgangssituation

Jordanien hat rund 9,5 Millionen Einwohner. Zur schnell wachsenden Bevölkerung zählen etwa drei Millionen Flüchtlinge. Insgesamt beträgt der Anteil der Menschen unter 30 Jahren 70 Prozent.

Gleichzeitig sind die Beschäftigungsperspektiven jedoch unbefriedigend. Insbesondere die hohe Zahl an Flüchtlingen setzt das Berufsbildungssystem und den Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck. Viele junge Menschen arbeiten daher im informellen Sektor, der insgesamt 44 Prozent der Beschäftigung bereitstellt. Andere sind unterbeschäftigt oder als Selbständige häufig nicht in der Lage, genügend Einnahmen zu generieren. Außerdem treten vermehrt Verteilungskonflikte zum Vorschein, die zur Verdrängung der einheimischen Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt sowie zu einer Zunahme informeller Beschäftigung führen und den sozialen Zusammenhalt gefährden. Handwerkliche Berufe bieten zwar ein vergleichsweise hohes Beschäftigungspotenzial, jedoch beklagen mögliche Arbeitgeber, dass qualifizierte Arbeitskräfte schwer zu finden sind. Eine Tätigkeit im handwerklichen Bereich wird häufig nicht als attraktive und erstrebenswerte Option wahrgenommen, unter anderem wegen unzureichender Bezahlung. Das bestehende Berufsbildungsangebot in handwerklichen Berufen ist generell wenig praxisorientiert und nicht ausreichend am Bedarf des Arbeitsmarkts ausgerichtet. Speziell Jugendliche aus vulnerablen lokalen Gruppen und aus der Gruppe der Flüchtlinge erfüllen oftmals nicht die Voraussetzungen für die Aufnahme einer formalen Erstausbildung. Für sie gibt es keine adäquaten beruflichen Qualifizierungsangebote. Die Jugendlichen sind zudem unzureichend über Beschäftigungsperspektiven in handwerklichen Berufen sowie über entsprechende Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten informiert. Darüber hinaus gelten Tätigkeiten in privaten Firmen als weniger attraktiv als Stellen im öffentlichen Sektor, die vermeintlich mehr Sicherheit bieten.

Ziel

Junge Jordanier und syrische Flüchtlinge erkennen Beschäftigungschancen in handwerklichen Berufen und profitieren von den verbesserten beruflichen Qualifizierungs- sowie zielgruppen- und sektorspezifischen Informations- und Beratungsangeboten.

Vorgehensweise

Das Vorhaben zielt darauf ab, Jugendliche und junge Erwachsene aus der Gruppe vulnerabler Jordanier und syrischer Flüchtlinge zu befähigen, Beschäftigungschancen in handwerklichen Berufen verstärkt wahrzunehmen. Das Projekt erreicht dies durch Verbesserung des beruflichen Qualifizierungsangebots in ausgewählten Handwerksberufen sowie Verbesserung des zielgruppen- und sektorspezifischen Informations- und Beratungsangebots. Die Entscheidungs- und Beschäftigungsfähigkeit zu steigern, ist eine wesentliche Grundlage dafür, Beschäftigungschancen besser zu erkennen und wahrzunehmen.

Die Durchführung erfolgt in verschiedenen Regionen, die das Projekt zu Beginn der Durchführung in Abstimmung mit den jordanischen Partnern festgelegt hat. Die Auswahl der geförderten Berufe erfolgte auf Grundlage einer Arbeitsmarktanalyse unter Berücksichtigung der bisherigen Umsetzungserfahrungen der deutschen technischen Zusammenarbeit in Jordanien.

Die enge Partnerschaft mit dem deutschen Handwerk ist ein Kernelement des Vorhabens. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bildet die Schnittstelle zwischen dem Projekt und den Handwerksorganisationen in Deutschland. Er unterstützt das Vorhaben beim Aufbau von Kooperationen und berät beispielsweise bei der Entwicklung eines „Qualitätssiegels“ des deutschen Handwerks. Die Entwicklung und Durchführung von Qualifizierungsmodulen an den verschiedenen Pilotstandorten erfolgt in Zusammenarbeit mit ausgewählten Handwerksorganisationen.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.