Verbesserung der Beschäftigungschancen in den handwerklichen Berufen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beschäftigungsorientierte Qualifizierung im Handwerk
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien
Politischer Träger: jordanisches Arbeitsministerium
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2024

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Ausgangssituation

Fast 70 Prozent der schnell wachsenden jordanischen Bevölkerung von rund 10,5 Millionen Menschen sind unter 30 Jahre alt. Darüber hinaus hat das Land zahlreiche Geflüchtete aufgenommen, darunter etwa 1,3 Millionen Syrer*innen. Dadurch werden sowohl das Berufsbildungssystem als auch der Arbeitsmarkt massiv belastet.

Infolgedessen arbeiten viele junge Menschen im informellen Sektor, auf den inzwischen 44 Prozent der Beschäftigung entfallen. Andere wiederum sind unterbeschäftigt, und diejenigen, die selbständig sind, erzielen häufig nur mit Mühe ein ausreichendes Einkommen. Die immer offener zu Tage tretenden Verteilungskonflikte führen dazu, dass der Anteil der informellen Beschäftigung steigt, und bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ausgebildete Handwerker finden vergleichsweise leicht einen guten Arbeitsplatz. Gleichzeitig klagen die Arbeitgeber oft darüber, dass solche Fachkräfte schwer zu finden sind. Darüber hinaus gelten die Handwerksberufe in der jüngeren Generation vielfach als unattraktiv oder nicht erstrebenswert.

Ziel

Junge Jordanier*innen sowie syrische Geflüchtete erkennen die Beschäftigungschancen im Handwerk und nutzen die verbesserten Berufsbildungsangebote sowie die zielgruppen- und sektorspezifischen Informations- und Beratungsleistungen.

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Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Förderung von Stabilität und Entwicklung im Nahen Osten und Nordafrika. Durch die Projekte der Sonderinitiative trägt das jordanische Arbeitsministerium dazu bei, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. Der Schwerpunkt liegt auf der Jugend- und Beschäftigungsförderung, der wirtschaftlichen Stabilisierung, der Demokratisierung sowie der Stabilisierung von Nachbarländern, die sich in einer Krise befinden.

Daher verfolgt das Projekt einen dreistufigen Ansatz, um jungen und gefährdeten jordanischen Jugendlichen und syrischen Geflüchteten zu helfen, die Beschäftigungschancen im Handwerk besser zu nutzen.

Zum einen arbeitet das Projekt gemeinsam mit seinen Partnerinstitutionen daran, die Qualität der Berufsausbildung in ausgewählten Handwerksberufen zu verbessern und jungen Menschen den Weg in eine handwerkliche Berufsausbildung zu ebnen.

Zweitens bietet das Projekt jungen Jordanier*innen und syrischen Geflüchteten Berufsorientierungs- und Beratungsleistungen an, um sie beim Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Drittens bemüht sich das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) darum, die Kooperation zwischen privaten und öffentlichen Akteuren im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Handwerk zu stärken.

Wirkungen

Jordanien ist sehr daran interessiert, von den Erfahrungen Deutschlands im Bereich des Handwerks zu lernen. Aufgrund seines weithin anerkannten praktischen und theoretischen Wissens ist die Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ein Kernelement des Projektes.

Mehrere deutsche Handwerksorganisationen unterstützen die Bemühungen der Durchführungspartner durch Capacity- Development-Maßnahmen für die Partnerinstitutionen, bspw. durch die Schulung von Ausbilderinnen und Ausbildern und die Entwicklung von Ausbildungsplänen. Dadurch sollen die Qualität der Berufsbildung verbessert und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen des öffentlichen und des privaten Sektors in diesem Bereich gefördert werden.

Die deutschen Handwerksorganisationen nutzen ihre Kapazitäten, um den weiteren Erfolg des Projekts zu gewährleisten. Die Handwerksorganisationen arbeiten eng mit kleinen und mittelständischen Unternehmen an der Weiterentwicklung der handwerklichen Berufsausbildung und vermitteln den Ausbildungsanbietern Fachwissen über die Gestaltung der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. So wirken die Handwerksorganisationen an der Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen zur Bewertung und Zertifizierung von Kompetenzen mit, die das weithin anerkannte deutsche Zertifizierungssystem widerspiegeln. Und schließlich unterstützen die ZDH-Mitgliedsorganisationen verschiedene Kampagnen zur Verbesserung des Ansehens der handwerklichen Fach- und Berufsbildung in Jordanien.

Durch die gemeinsamen Bemühungen der deutschen Handwerksorganisationen und des Projekts konnte die Qualität der Ausbildung für rund 1200 junge Syrer*innen und Jordanier*innen, die in Handwerksberufen ausgebildet wurden, verbessert werden. Rund 900 von ihnen haben zusätzlich von verbesserten Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlungsleistungen profitiert. Eine 95-prozentige Zufriedenheit der Teilnehmer*innen mit den erbrachten Dienstleistungen unterstreicht, dass das Projekt die Beschäftigungsfähigkeit und die Beschäftigungschancen der jungen Fachkräfte deutlich verbessert hat. Aus diesem Grund hat das Projekt den beschäftigungsbezogenen Indikator, der eine Vermittlung von 25 Prozent der Teilnehmer*innen in ein Beschäftigungsverhältnis vorsah, bereits jetzt übererfüllt.

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