Frauen als Unternehmerinnen fördern

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Unternehmerinnen und Unternehmensgründung von Frauen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministerium für berufliche Qualifizierung und Unternehmertum (Ministry of Skill Development and Entrepreneurship) Indien
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

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Ausgangssituation

Um in Indien ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu erzielen und Arbeitsplätze zu schaffen, müssen Frauen stärker als Arbeitnehmerinnen und Unternehmerinnen an der Wirtschaft beteiligt werden. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) liegt die Erwerbsquote von indischen Frauen derzeit bei lediglich 27 Prozent. Gerade einmal 14 Prozent aller indischen Unternehmen sind von Frauen geführt. Die meisten davon befinden sich im informellen Bereich, sind also beispielsweise nicht staatlich registriert. Laut den Vereinten Nationen tragen Frauen damit nur zu 17 Prozent zu Indiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.

Verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren führen dazu, dass Frauen in Indien selten erwerbstätig sind. Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren von der Landwirtschaft hin zu vorrangig männerdominierten Bereichen entwickelt. Weitere Herausforderungen ergeben sich aus sozialen Normen und traditionellen Rollenbildern bezüglich Ehe, Arbeit und häuslichen Pflichten. Diese Hindernisse betreffen Arbeitsort, Mobilität, Zeit, Sicherheit, unbezahlte Pflegearbeit, familiäre Unterstützung und soziale Haltung gegenüber der wirtschaftlichen Beteiligung von Frauen.

Geschlechtsspezifische Herausforderungen erschweren es indischen Unternehmerinnen, eigene Unternehmen zu gründen oder auszubauen. Für sie ist es schwierig eine Finanzierung zu erhalten: Banken und Investoren stufen frauengeführte Unternehmen oft als stärker risikobehaftet ein. Im Vergleich zu Männern haben Frauen weniger Kontakt zu wirtschaftlichen Netzwerken. Das schränkt ihren Zugang zu Märkten stark ein.

Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass sich das indische BIP durch eine gleichberechtigte Teilhabe der Frauen am Arbeitsmarkt um 27 Prozent erhöhen würde. Unternehmertum bietet eine bedeutende Möglichkeit, um die Teilnahme von Frauen an der Wirtschaft zu steigern und Indiens Wachstumspotenzial auszuschöpfen. 

Ziel

Die Rahmenbedingungen für frauengeführte Unternehmen in Indien sind verbessert.

Vorgehensweise

Um dies zu erreichen, ist das Vorhaben in drei Bereichen aktiv.

  • Inkubator- und Acceleratorprogramme für Gründerinnen: Gemeinsam mit fünf regionalen Partnern wurde ein Unterstützungsprogramm entwickelt und pilotiert, das speziell auf den Bedarf von Frauen ausgerichtet ist. Die Partner sind Dhriiti im Nordosten, Empower Foundation in Uttar Pradesh, Mann Deshi Foundation in Maharashtra, Startup Oasis in Rajasthan und WE Hub in Telangana. Ein siebenmonatiges Inkubatorprogramm fördert indische Frauen bei der Unternehmensgründung. Ein sechsmonatiges Acceleratorprogramm unterstützt bestehende frauengeführte Unternehmen bei dessen Weiterentwicklung. Die Programme wenden sich gezielt an Frauen in kleineren Städten. 
  • Politikvorschläge für die indische Regierung: Das Vorhaben berät das Partnerministerium Indian Ministry of Skill Development and Entrepreneurship (MoSDE) sowie andere staatliche Institutionen dabei, wichtige staatliche Förderprogramme für Unternehmen gendersensibel zu gestalten. Es nutzt die Piloterfahrungen aus dem Unterstützungsprogramm, um diese Förderprogramme mehr auf Gründerinnen auszurichten.
  • Film- und Medienkampagne: Unter dem Namen „Her&Now“ regt eine Film- und Medienkampagne gesellschaftliche Diskussionen über das große Potenzial von frauengeführten Unternehmen an. Dies soll zu einem Wandel traditioneller Normen und Denkweisen beitragen. Das Projekt hat vier Kurzfilme produziert, die indienweit im Zusammenspiel mit moderierten Diskussionen ausgestrahlt werden. In den sozialen Medien werden erfolgreiche Gründerinnen porträtiert, um Vorbilder für Frauen sichtbar zu machen und zu fördern.

Wirkung

  • Bis August 2020 wurden 141 Gründerinnen im Rahmen der ersten Runde der Inkubator- und Acceleratorprogramme unterstützt. Trotz der COVID-19-Pandemie gründeten 37 Prozent der Teilnehmerinnen des Inkubatorprogramms ein eigenes Unternehmen. 94 Prozent der Teilnehmerinnen des Acceleratorprogramms konnten ihre Unternehmen ausbauen.
  • Bis zu 6.000 Gründer*innen und Interessenvertreter*innen aus dem indischen Wirtschaftsumfeld nahmen an Veranstaltungen teil, die ihre Kompetenzen stärken oder einen ersten Zugang zu Förderprogrammen ermöglichen.
  • Bisher erreichte die Medienkampagne fast 300.000 Menschen und machte damit auf das wirtschaftliche und soziale Potenzial von Gründerinnen in Indien aufmerksam. Mehr als 4.700 Menschen haben sich die Her&Now-Kurzfilme angesehen.

Stand: März 2021