Arbeitsmarktorientierte Hochschul- und Berufsbildung MOVE-HET

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung jordanischer Bildungsanbieter beim Angebot arbeitsmarktorientierter beruflicher Bildung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2021

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Ausgangssituation

In den letzten Jahren ist die Arbeitslosenquote Jordaniens deutlich gestiegen. Von dieser Entwicklung sind insbesondere Jugendliche, von denen mehr als ein Drittel arbeitslos ist. Viele junge Menschen arbeiten im informellen Sektor und können kein Einkommen erwirtschaften, das ihnen annehmbare Lebensbedingungen ermöglicht. Die Beteiligung junger Frauen an der Wirtschaft ist die mit Abstand niedrigste in der Region. 

Gleichzeitig beklagen sich jordanische Unternehmen über einen Mangel an qualifizierten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Die technische Berufsausbildung und Lehrstellen haben bei Eltern und Schülern keinen hohen Stellenwert als gangbarer Weg in eine Beschäftigung. Die meisten bevorzugen die akademische Bildung an der Universität. So ziehen beispielsweise über 80 Prozent der Schulabgänger in Jordanien ein Hochschulstudium der Berufsausbildung vor. Hinzu kommt, dass sowohl die Berufsausbildung als auch die Hochschulen in Jordanien oft eher theoretisch als praktisch ausgerichtet sind und daher die Bedarfe der Unternehmen nicht berücksichtigen. Darüber hinaus wird die Privatwirtschaft bislang nicht systematisch in die Entwicklung und Umsetzung von Berufsbildungsprogrammen einbezogen.

Die jordanische Regierung stellt sich diesen Herausforderungen mit ihrer nationalen Arbeitskräfteentwicklungsstrategie 2016-2025 und hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH um Unterstützung bei der Verbesserung der Qualität der Berufsausbildung und der Hochschulbildung in Jordanien gebeten.

Ziel

Berufsausbildung und Hochschulbildung entsprechen zunehmend den Bedarfen des jordanischen Arbeitsmarktes.

Vorgehensweise

Das Projekt fußt auf der Annahme, dass ein arbeitsmarktorientiertes Bildungssystem nur aufgebaut werden kann, wenn alle relevanten Akteure eng zusammenarbeiten. Daher unterstützt die GIZ das jordanische Arbeitsministerium bei der Stärkung von Partnerschaften zwischen dem Bildungswesen und der Privatwirtschaft. Um sichtbare Ergebnisse zu erzielen, konzentriert sich das Projekt auf zwei gut entwickelte Sektoren: auf den Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie auf den Logistiksektor. Um die in Hinblick auf diese beiden Felder bestehenden Herausforderungen im Bereich der Berufsausbildung und der Hochschulbildung zu erörtern, müssen Dialogplattformen eingerichtet und unterstützt werden. Darüber hinaus wird technisches Fachwissen zu verschiedenen Themen zugänglich gemacht, insbesondere Strategien zur Verbesserung der Außenwirkung und der Reputation des Berufsbildungsbereichs sowie der Querverbindungen zwischen Berufsausbildung und Hochschulbildung durch die Umsetzung des nationalen Qualifikationsrahmens.

Die German-Jordanian University (GJU) ist ein wichtiger Projektpartner. Die GIZ unterstützt die GJU beim Aufbau eines dualen Studiengangs an den Fakultäten für IKT und Logistik. Informationen über bewährte deutsche Vorgehensweisen bei der Verbindung von praktischen mit theoretischen Elementen, der Gewinnung von Partnerunternehmen und der Ausbildung von Dozenten und Lehrkräften werden ausgetauscht. Auf Grundlage der Erfahrungen der GJU wird das Projekt die gewonnenen Erkenntnisse an andere Universitäten in ganz Jordanien weitergeben.

Außerdem unterstützt die GIZ das Arbeitsministerium bei der Entwicklung und Veröffentlichung eines Konzepts für Kompetenzzentren. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, die an die Bedarfe des Arbeitsmarkts angepasste, bewährte Verfahren und Berufsausbildungsangebote zur Verfügung stellen. In diesem Schritt werden verschiedene Berufsbildungszentren mit den Schwerpunkten Logistik und IKT ausgewählt und anschließend zu Kompetenzzentren ausgebaut.

In Anerkennung der Ziele des GIZ-Projekts wurden zwei Kofinanzierungsabkommen mit externen Gebern unterzeichnet: die Korea International Cooperation Agency (KOICA) stellt Mittel für den Aufbau einer Gewerbefachschule in Zarqa zur Verfügung. Der Kuwait Fund for the Advancement of Sciences (KFAS) macht im Rahmen des Projekts syrischen Flüchtlingen Berufsausbildungsangebote im IKT-Bereich zugänglich.

Wirkungen

Die folgenden Wirkungen wurden bereits erzielt:

  • Es wurden verschiedene Dialogplattformen zwischen dem Bildungsbereich und den Unternehmen, sogenannte National Sector Skills Councils, eingerichtet.
  • Für die Fakultät für Logistik der GJU wurden Lehr- und Schulungspläne für die betriebliche Ausbildung entwickelt. 
  • Der erste duale Studiengang beginnt im Juni 2019 mit zehn Ausbildungsplätzen in elf Partnerunternehmen.
  • Der erste Entwurf der nationalen Kommunikationsstrategie für die berufliche Bildung wurde fertiggestellt.
  • Es wurden neue Kooperationsverträge mit der HTU, der Princess Sumaia University und der Al Balqa Applied University for Dual Studies geschlossen.

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