Unterstützung der Aufnahmegemeinden für geflüchtete Menschen aus Venezuela in den Grenzregionen von Kolumbien und Ecuador

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung der Aufnahmegemeinden für geflüchtete Menschen aus Venezuela in den Grenzregionen von Kolumbien und Ecuador (SI FRONTERA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien, Ecuador 
Politischer Träger: Kolumbien: Kolumbianisches Präsidialamt für Internationale Zusammenarbeit, Ecuador: Ministerium für Internationale Beziehungen und Menschliche Mobilität 
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

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Ausgangssituation

Bis Ende 2019 rechnen die Vereinten Nationen mit etwa 5,4 Millionen venezolanischen Menschen auf der Flucht weltweit. Täglich verlassen Tausende das Land und es ist nicht abzusehen, dass sich daran in nächster Zeit etwas ändern wird. Als erstes suchen die Menschen Zuflucht in der Grenzregion zu Kolumbien und in den großen Städten. Viele reisen jedoch sofort weiter in andere Länder Südamerikas, vor allem nach Ecuador. Kamen zu Beginn der Krise viele gut ausgebildete Fachleute, sind es inzwischen Personen mit geringer Qualifizierung und Ausbildung, aber auch chronisch Kranke und ältere Personen, sowie vermehrt allein reisende Kinder, Jugendliche und Mütter mit ihren Kindern. Öffentliche Stellen und Organisationen, die vor Ort humanitäre Hilfe leisten und Basisdienstleistungen bereitstellen, schaffen es nicht mehr, die ankommenden Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Insbesondere die wirtschaftliche Integration der Migrant*innen ist eine Herausforderung.
Knapp 94 Prozent der Migrant*innen aus Venezuela kommen über das Department Norte de Santander nach Kolumbien. Diese Region ist nach wie vor ein Brennpunkt der bewaffneten Auseinandersetzungen krimineller Gruppierungen, die in Drogenanbau, Schmuggel und andere illegale Aktivitäten verstrickt sind. In den aufnehmenden Gemeinden leben selbst viele schutzbedürftige Familien und Opfer des historischen und aktuellen Gewaltkonflikts. Gleichwohl besteht in den Grenzgebieten eine hohe Pendelmigration. Tausende Venezolaner*innen überqueren täglich zu Fuß die Grenze und suchen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, Nahrungsmitteln, Gelegenheitsarbeiten und Schulbildung. Dies belastet die ohnehin angespannte Versorgung mit Basisdienstleistungen auf der kolumbianischen Seite zusätzlich.

In Ecuador gibt es über 65.000 anerkannte Flüchtlinge, 250.000 Asylsuchende aus Kolumbien und etwa 300.000 venezolanische Menschen auf der Flucht. Jeden Tag kommen aus beiden Ländern mehr dazu, auf der Suche nach Schutz und besseren Lebensbedingungen, vor allem nach Arbeitsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise, begegnet die ecuadorianische Gesellschaft diesen Menschen verstärkt mit wachsender Ablehnung und drängt sie an den sozialen Rand. Auf Grund ihres oft ungeregelten Aufenthaltsstatus werden ihnen häufig Grunddienstleistungen verwehrt, insbesondere Gesundheitsversorgungen, Schulbildung und Zugang zum Arbeitsmarkt. Zugleich haben sie kaum Möglichkeiten, ihre Rechte wirksam einzufordern.

Ziel

Staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure in den Grenzregionen Kolumbiens und Ecuadors sind besser in der Lage, den Zustrom von Geflüchteten aus Venezuela und Kolumbien sozialverträglich und beschäftigungswirksam zu bewältigen.

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Vorgehensweise

Kolumbien: 

Das Vorhaben unterstützt die kolumbianischen Aufnahmegemeinden bei der Integration von geflüchteten Menschen aus Venezuela. Gemäß dem Grundsatz „Do no harm“ („Richte keinen Schaden an“) wird nicht unterschieden, ob es bei den unterstützten Personen um geflüchtete Venezolaner*innen, aus Venezuela rückkehrende Kolumbianer*innen oder schutzbedürftige Menschen aus den Aufnahmegemeinden geht. 

Das vorhandene Angebot an Dienstleistungen für diese Zielgruppen wird erweitert und qualitativ verbessert. Der Fokus liegt hierbei in Absprache mit den staatlichen Partnern auf der Erstaufnahme der Migrant*innen, Beschäftigungs- und Kleinstunternehmensförderung, Bildung, Gesundheitsversorgung, psychosoziale Betreuung sowie auf der Förderung eines friedlichen Zusammenlebens. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kooperiert das Vorhaben mit staatlichen Partnern und erfahrenen nichtstaatlichen Dienstleistern. Erfolgreiche Erfahrungen auf lokaler Ebene werden als Politikempfehlungen an die Behörden auf nationaler Ebene weitergegeben.

Ecuador: 

Das Programm fördert auf lokaler Ebene ausgewählte Gemeinden an der nördlichen Grenze von Ecuador. Der Fokus liegt auf der Umsetzung ihres gesetzlichen Mandats zum Schutz von Rechten der Menschen auf der Flucht und anderen benachteiligten Gruppen, bei der Integration und der Förderung eines friedlichen Zusammenlebens in den aufnehmenden Gemeinden.

Vor allem berät es soziale Dienstleister, Zivilgesellschaft und öffentliche Behörden bei der Verbesserung von Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen, bei psychosozialer Unterstützung, Fortbildungsangeboten und Rechtsberatung für Menschen auf der Flucht und für andere benachteiligte Gruppen. Der Erfahrungsaustausch über Lösungsansätze für gemeinsame Herausforderungen von Kolumbien und Ecuador spielt in der Vorgehensweise eine wichtige Rolle.

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