SICA: Perspektiven für fluchtgefährdete Kinder und Jugendliche schaffen (Alternativas)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: (Re-)lntegration von fluchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen in Zentralamerika (ALTERNATIVAS)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Honduras, Guatemala, El Salvador
Politischer Träger: SG-SICA (Secretaría General del Sistema de la Integración Centroamericana)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

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Ausgangssituation

Jährlich verlassen mindestens 40.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus dem nördlichen Länderdreieck Zentralamerikas (Guatemala, Honduras und El Salvador) ihr Land in Richtung Norden. Sie fliehen vor Jugendbandengewalt, innerfamiliärer, sexueller und genderbasierter Gewalt und/oder prekären Lebensumständen.

Die drei Staaten befinden sich unter den Ländern mit den höchsten Mordraten weltweit (2015 pro 100.000 Einwohner*innen: El Salvador 103, Honduras 57, Guatemala 30, Quelle: FESPAD, El Salvador). Mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine hohe Jugendarbeitslosigkeit führen dazu, dass Jugendliche, meist mit Hilfe von Schleppern, den gefährlichen Weg nach Mexiko oder in die USA antreten, obwohl ihre Chancen auf eine legale Einreise gering sind. Dabei unterschätzen sie häufig Risiken wie Gewalt, Erpressung, Vergewaltigung und Verwicklung in kriminelle Aktivitäten. Nach der erzwungenen Rückkehr in ihr Herkunftsland sind die Umstände für sie häufig noch schwieriger – und es stehen ihnen noch weniger Bildungs- und Arbeitschancen zur Verfügung. 

Psychosoziale Angebote zur Bearbeitung gewaltsamer Erfahrungen bestehen, wenn überhaupt, nur in zentralen Aufnahmestätten und entsprechen meist nicht den Bedarfen der Jugendlichen. Die betroffenen Gemeinden sind derzeit mit der Reintegration der zurückgekehrten und fluchtgefährdeten Menschen überfordert. Gleichzeitig mangelt es an passenden Angeboten zur sozialen, schulischen und beruflichen Integration von gewalt- und fluchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen, sodass sie keine Bleibeperspektiven entwickeln können. 
 

Ziel

Fluchtgefährdete Kinder und Jugendliche in ausgewählten Gemeinden des nördlichen Länderdreiecks Zentralamerikas nutzen die verbesserten Angebote zur sozialen, schulischen und beruflichen Integration und entwickeln so Bleibeperspektiven.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet pilothaft in sieben Gemeinden in El Salvador, Honduras und Guatemala, wo es staatliche und nicht-staatliche Vertreter*innen dabei unterstützt, für Kinder und Jugendliche Alternativen zur irregulären Migration zu schaffen. Dabei werden bewusst auch rückkehrende Jugendliche einbezogen, um deren Reintegration in ihre Herkunftsgemeinden zu fördern, Stigmatisierung zu vermeiden und Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Die Aktivitäten werden in drei Handlungsfeldern umgesetzt:

  • Psychosoziale Unterstützung: Psychosoziale Unterstützungsangebote für fluchtgefährdete und rückkehrende Kinder und Jugendliche sowie deren Familien werden erweitert. Außerdem werden die Jugendlichen für Risiken auf der Migrationsroute sowie nach der irregulären Einreise in das Zielland sensibilisiert. Dafür werden sowohl lokale Partnerorganisationen bei Informationskampagnen unterstützt als auch Fortbildungen für Sozialarbeiter*innen, Präventionsfachkräfte, Lehrer*innen und Dozent*innen durchgeführt, um sie besser für die psychosoziale Beratung der Kinder und Jugendlichen auszubilden.
  • Flexible Angebote schulischer und beruflicher Ausbildung: In den Gemeinden werden gemeinsam mit lokalen Bildungsträgern Bildungs- und Lernangebote an die Bedürfnisse von Schüler*innen und Auszubildenden angepasst oder ausgearbeitet. Hierzu zählen zum Beispiel die Nutzung digitaler und mobiler Formate, die unter anderem die Jobsuche erleichtern sollen, und die Anerkennung von alternativen Leistungen im Rahmen des schulischen Lehrplans. Damit innovative und erfolgsversprechende Praktiken verankert und verbreitet werden können, unterstützt das Vorhaben die Vernetzung der Bildungsträger mit der Privatwirtschaft und der lokalen Verwaltung sowie den Austausch zwischen den Gemeinden und auf regionaler Ebene.
  • Kooperation für Ausbildung und Beschäftigung: Durch Beratung der Gemeinden und lokaler Wirtschaftsvereinigungen wird die Kooperation zwischen Wirtschaft, Schulen und Verwaltung gestärkt, um die Beschäftigung von Jugendlichen in benachteiligten Stadtvierteln zu fördern. Die bestehenden Angebote der Beschäftigungsförderung sollen an die Bedarfe und Möglichkeiten der Jugendlichen angepasst und besser verzahnt werden. Die Angebote sollen dabei allen Jugendlichen in prekärer Lebenssituation zur Verfügung stehen und vor allem der Stigmatisierung der Rückkehrer*innen entgegenwirken.
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