Programm Migration & Diaspora

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Migration & Diaspora (PMD)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Globalvorhaben, aktuell in 22 Partnerländern aktiv: Albanien, Äthiopien, Ecuador, Georgien, Ghana, Indien, Indonesien, Jordanien, Kamerun, Kenia, Kolumbien, Kosovo, Marokko, Nepal, Nigeria, Palästinensische Gebiete, Peru, Senegal, Serbien, Tunesien, Ukraine, Vietnam.
Partner: Umsetzungspartner ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA), die unter dem Dach des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM) in einer Arbeitsgemeinschaft mit der GIZ zusammenarbeitet.
Politischer Träger: Arbeitsministerien in den Projektländern oder vor Ort zuständige Arbeitsagenturen, wie etwa das Ministerium für Arbeit und Arbeitsbeziehungen (Ministry of Employment and Labour Relations, MELR) in Ghana, die Arbeitsagentur der Republik Kosovo (Employment Agency of The Republic of Kosovo, EARK) und das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (Ministry of Foreign Affairs) in Indonesien.
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

Beim Workshop der Diaspora-Organisation Crossings e.V. zum Thema Umweltschutz in Senegal. © GIZ/ Anja Schäfers

Ausgangssituation

Rund 272 Millionen Menschen waren laut Vereinten Nationen im Jahr 2019 Migrantinnen und Migranten. Als Brückenbauer zwischen den Ländern, aus denen sie kommen und den Ländern, in denen sie leben und arbeiten, leisten sie einen wichtigen Entwicklungsbeitrag: Sie engagieren sich in Vereinen und realisieren vor Ort Projekte und überweisen Geld an Familie und Freunde. Darüber hinaus bringen sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein, indem sie kurz- oder langfristig in ihre Heimat zurückkehren und dort arbeiten oder ein Unternehmen gründen. 
Migration birgt aber auch Risiken für die Menschen und ihre Herkunftsländer, wie etwa die Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften oder die Gefahren bei der irregulären Migration. In Zusammenarbeit mit Arbeitsagenturen und -ministerien kann eine reguläre und geordnete Migration auf sicheren Wegen, fair und sozial gestaltet werden. Davon profitieren die Herkunftsländer und Deutschland.

Ziel

Schlüsselakteure in Partnerländern nutzen die reguläre Migration und das Diaspora-Engagement verstärkt, um ihre Entwicklungsziele zu erreichen.

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Vorgehensweise

Das Programm arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und wird vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) umgesetzt, einer Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV/BA). 
Den Rahmen für die Aktivitäten bilden der Globale Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration und die Agenda 2030 sowie das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz und der Nationale Aktionsplan Integration.
Das Vorhaben besteht aus drei Komponenten, wobei nicht jede Komponente in allen Ländern zur Umsetzung kommen:

Reguläre Arbeitsmigration und Mobilität: 
Viele Migrant*innen, die in Deutschland gelebt und gearbeitet haben, kehren später in ihre Herkunftsländer zurück. Lokale Arbeitgeber*innen können vom Wissen und Erfahrungen dieser sogenannten Rückkehrenden Fachkräfte  profitieren und sich weiterentwickeln. Das Programm unterstützt diesen Know-how-Transfer, zum Beispiel durch Trainings und Gehaltszuschüsse.
Das Programm stellt außerdem potenziellen Migrant*innen Informationen zu regulären und sicheren Migrationswegen bereit und klärt auch über die Risiken einer irregulären Migration auf. Unter anderem fördert das Programm hierfür die Verbesserung der Beratungsangebote von Arbeitsagenturen und Ausbildungseinrichtungen. Bei Rekrutierungen aus dem Ausland überprüft es, ob diese für den Arbeitsmarkt im Herkunftsland vertretbar und für die Migrant*innen fair und sozialverträglich stattfinden. In den Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration in derzeit zehn Partnerländern erhalten Interessierte alle Informationen über die Voraussetzungen für Arbeits- und Bildungsmigration.

Diasporakooperation: 
Migrant*innen in Deutschland setzen sich für die Entwicklung ihrer Herkunftsländer ein. Zum Beispiel durch zeitlich befristete Experteneinsätze: Als sogenannte Diaspora-Fachkräfte unterstützt das Programm Migrant*innen dabei, ihre Expertise bei lokalen Institutionen einzubringen. Es fördert Diaspora-Organisationen, die gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort eigene Projekte durchführen. Über Dialogforen mit der Diaspora stärkt das PMD deren entwicklungspolitisches Engagement in den Herkunftsländern.
Migrant*innen erhalten zudem Unterstützung dabei, ein Unternehmen in ihrem Herkunftsland zu gründen. Dank Know-how aus Deutschland bringen Gründer*innen mit ihren innovativen Ideen ihr Land voran und schaffen Arbeitsplätze. 
Außerdem leisten Migrant*innen einen finanziellen Beitrag für ihr Herkunftsland, indem sie Geld an ihre Familien und Freunde überweisen. Die Gebühren für Geldtransfers sind allerdings häufig sehr hoch, was zur Folge hat, dass weniger Geld vor Ort ankommt. Mit dem Preisvergleichsportal geldtransfair.de erhalten die Nutzer*innen unkompliziert und schnell eine Übersicht über die Transfergebühren der verschiedenen Anbieter.

Migrationsgovernance: 
Das PMD berät Regierungen und internationale Partner bei ihrer Politik-, Organisations- und Strategieentwicklung zum Thema Migration. Durch Trainings und durch den Einsatz von Expert*innen (etwa Integrierte Fachkräfte ) in den Institutionen bildet das Programm das Personal fachlich fort und fördert die Entwicklung und Umsetzung von zukunftsfähiger Migrationspolitik. Den Rahmen dafür bildet der Globale Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration, der 2018 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Begleitend zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Programms stellt der Fachkräftefonds Migration & Diaspora die finanziellen Mittel für Zuschussverträge mit Rückkehrenden und Integrierten Fachkräften bereit.

Wirkungen

  • Das Programm schließt an die Erfahrungen und Wirkungen des Vorgängervorhabens „Migration für Entwicklung (I und II)“ an. Seit dem Start des Programms „Rückkehrende Fachkräfte“ in den 1980ern haben zahlreiche Arbeitgeber*innen vom Fachwissen von über 15.000 Rückkehrenden Fachkräften profitiert. 
  • Diaspora-Fachkräfte haben seit 2016 in 360 ehrenamtlichen Kurzzeiteinsätzen ihr Know-how in Partnerorganisationen eingebracht.
  • Seit 2011 haben bis zu 150 Diaspora-Organisationen eine Förderung für Projekte erhalten, die die Lebenssituation der Menschen in den Partnerländern nachhaltig verbessern.
  • Das privatwirtschaftliche Engagement von Migrant*innen wurde in Bezug auf ausgewählte Herkunftsländer gestärkt: Seit 2009 wurden mehr als 700 Gründungsinteressierte unterstützt und bis zu 100 Unternehmen gegründet, die wiederum zahlreiche Arbeitsplätze und Perspektiven vor Ort geschaffen haben. 
  • Aktuell wird in sieben ausgewählten Ländern mit individuellen Beratungsangeboten und Trainings die Migrationspolitik nachfrageorientiert mitgestaltet. 
  • Seit 2017 wurden in den Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration bereits rund 75.000 Beratungsgespräche geführt.
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