Bekämpfung der „dreifachen Bedrohung“ durch HIV, Teenagerschwangerschaften und geschlechtsspezifische Gewalt

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Mädchenrechte stärken! Reproduktive Gesundheit, Familienplanung und HIV-Prävention für Schülerinnen in Sambia
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Sambia
Politischer Träger: National HIV/AIDS/STI/TB Council
Gesamtlaufzeit: 2020 bis 2022

Ausgangssituation

Sambia hat eine sehr junge Bevölkerung; mehr als ein Drittel der Bürger*innen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Junge Menschen können einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung leisten, doch ist das Risiko für eine HIV-Infektion, eine Teenagerschwangerschaft sowie das Risiko, Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) zu werden, hoch. Junge Frauen und Mädchen sind von dieser „dreifachen Bedrohung“ unverhältnismäßig stark betroffen. Sie sind doppelt so häufig HIV-positiv wie ihre männlichen Altersgenossen, und mehr als jede Dritte hat seit dem Alter von 15 Jahren körperliche Gewalt erlebt. Darüber hinaus steigt die Zahl der Teenagerschwangerschaften.

Die sambische Regierung hat sich dazu verpflichtet, die Sexualerziehung auszubauen und den Jugendlichen umfassende Vorsorgeleistungen auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Gesundheit anzubieten, und dies unter anderem in der ESA-Verpflichtungserklärung niedergelegt. Eltern, Lehrende, Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens sowie religiöse oder traditionelle Anführer*innen haben jedoch aufgrund sozialer Tabus und diskriminierender Geschlechternormen oft Vorbehalte gegenüber dem Zugang junger Menschen zu Informationen und Dienstleistungen in den Bereichen HIV-Prävention, Familienplanung und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Hinzu kommt, dass geeignete Instrumente und Methoden für die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Dienstleistungen auf diesen Gebieten fehlen.

Ziel

Junge Menschen, insbesondere junge Frauen und Mädchen, sind besser in der Lage, ihre Rechte wahrzunehmen, Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen und Maßnahmen für ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit, zur HIV-Prävention sowie für gewaltfreie Geschlechterbeziehungen zu treffen.

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Vorgehensweise

Das Programm zur Stärkung der Rechte von Mädchen setzt an zahlreichen Stellen an, um dafür zu sorgen, dass junge Menschen Zugang zu hochwertigen und jugendfreundlichen Informationen und Dienstleistungen zum Schutz vor HIV, Teenagerschwangerschaften und geschlechtsspezifischer Gewalt haben. Ein wichtiger Aspekt dieses Ansatzes ist die weitere Verbesserung der politischen, institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, damit junge Menschen besser in der Lage sind, ihre Rechte wahrzunehmen.

Auf politischer Ebene unterstützt das Programm den National HIV/AIDS/STI/TB Council (NAC) bei sektorübergreifenden politischen Dialogen. Diese zielen darauf ab, politische Hürden zu beseitigen, beispielsweise die Tatsache, dass Jungen und Mädchen im Alter von bis zu 16 Jahren die elterliche Erlaubnis benötigen, um sich auf HIV testen zu lassen. Außerdem unterstützt das Projekt den NAC dabei, seiner Rechenschaftspflicht in Bezug auf die Fortschritte des Landes bei der Erfüllung der ESA-Verpflichtung umfassender nachzukommen.

Auf institutioneller Ebene fördert das Vorhaben die Integration des Mitmachparcours in den Bildungs- und Gesundheitssektor. Beim Mitmachparcours handelt es sich um eine interaktive Methode, mit der junge Menschen in einer offenen Atmosphäre über AIDS, Liebe und Sexualität sprechen und Neues über diese Themen lernen können. Der Mitmachparcours hat sich als wirksames Instrument erwiesen, um junge Menschen mit dem Wissen und Können auszustatten, dass sie benötigen, um sich selbst zu schützen. Damit mehr junge Menschen den Mitmachparcours nutzen können, soll das Konzept in die Schulungen für Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens integriert werden. Darüber hinaus wird eine internationale Beratungsfirma damit beauftragt, den Inhalt des Mitmachparcours zu erweitern und ihn so zu gestalten, dass er sowohl schulisch als auch außerschulisch und sowohl mit Jugendlichen als auch mit ihren Eltern eingesetzt werden kann.

Auf Gemeindeebene leistet das Projekt Capacity Building für die AIDS-Koordinatorinnen und-koordinatoren auf Provinz- und Distriktebene (Provincial and District AIDS Coordinator Advisors; PACAs und DACAs). Diese Berater*innen tragen entscheidend dazu bei, dass vor Ort sektorübergreifend und unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Jugendlichen mit den Themen HIV, Teenagerschwangerschaften und geschlechtsspezifische Gewalt umgegangen wird. Zu diesem Zweck plant das nationale Ausbildungsinstitut für die Kommunalverwaltungen die Entwicklung eines Intensivkurses für PACAs und DACAs. Ergänzt wird der Kurs durch eine webbasierte Austauschplattform, die kontinuierliches Peer-Learning ermöglicht und den Teilnehmenden Unterstützung bietet. Außerdem werden die PACAs und DACAs mit Toolkits für den Mitmachparcours ausgestattet, um die Umsetzung in ihren Gemeinden zu koordinieren. Ferner haben sie die Aufgabe, in einen Dialog mit religiösen und traditionellen Anführerinnen und Anführern einzutreten, um den Rechten junger Menschen Geltung zu verschaffen.

Wirkungen

Mehrere Vorgängerprogramme haben bereits wichtige Vorarbeiten für die laufenden Maßnahmen geleistet. So konnten im Rahmen des Multisektoralen HIV-Programms mit dem Mitmachparcours 20.000 junge Menschen in der Südprovinz des Landes erreicht werden. Außerdem hat das Multisektorale HIV-Programm den Mitmachparcours gründlich evaluiert und nachgewiesen, dass dieses Instrument wirksam und kostengünstig ist. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse ist es im laufenden Projekt bereits gelungen, die wichtigsten Akteure für die systematische Einführung des Mitmachparcours zu gewinnen.