Interview mit Stefanie Simon (Wirtschaftsförderung, Ghana)

Was sind Sie von Beruf?

Consultant, momentan bin ich als Entwicklungshelferin für eine Wirtschaftsorganisation in der Western Region in Ghana tätig.

Was ist Ihre Aufgabe als EH?

Ich unterstütze meine Partnerorganisation bei allem, was ansteht – von einfachen Prozessen im Büro über Termine mit anderen Organisation und Delegationen bis hin zu großen Projekten wie internationale Konferenzen oder neue Services für Mitgliedsunternehmen. Daher finde ich den Begriff „Entwicklungshelfer“ auch nicht wirklich passend. Ich berate.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, für die GIZ als Entwicklungshelferin zu arbeiten?

Der Projektplatz klang spannend, das Land klang spannend und ich wollte etwas Neues ausprobieren. Nach einigen Jahren in der freien Wirtschaft in Deutschland wollte ich meinen Horizont erweitern und mich noch einmal sehr weit aus meiner eigenen Komfortzone herausbewegen.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Den gibt es nicht. Mein Tag ist abhängig von meinem „Kunden“ (meiner Partnerorganisation) und deren Tag ist abhängig von deren Kunden (den Mitgliedsunternehmen). Ich bin aber auch in viele alltägliche Prozesse eingebunden, wie in die wöchentliche Absprache der ToDo’s, kleinere Tutorials, die ich für alle halte, Projektbesprechungen etc. Diese werden aber selten vorher geplant, sondern finden spontan statt. Auch Auswärtstermine werden in sehr seltenen Fällen geplant. Insgesamt ist mein Arbeitstag somit ziemlich unvorhersehbar. Wenn plötzlich Strom und Internet ausfallen, kann ich meistens nicht mehr sehr viel tun. Es hilft, auf alles vorbereitet zu sein und manche Dinge einfach etwas lockerer zu sehen.

Wie ist es, als Entwicklungshelferin für den Entwicklungsdienst der GIZ zu arbeiten?

Die GIZ bietet ein gutes Paket, das einen Entwicklungshelfer gut absichert. Im Land werden viele Vorkehrungen getroffen und Maßnahmen durchgeführt, damit alles reibungslos läuft. Trotzdem sind Entwicklungshelfer im Partnerland auf sich alleine gestellt. Das hat Vorteile, Selbständigkeit und Eigenverantwortung ist nicht nur ein Schlagwort, aber es hat auch Nachteile. Vor allem hinsichtlich eines Feedbacks, denn es muss jedem klar sein, dass niemand hinter einem steht und sagt, was richtig oder falsch ist, dies kann nur aus Reaktionen des Gegenübers abgeleitet werden.

Was ist Ihre wichtigste Erfahrung, seit Sie als Entwicklungshelferin arbeiten?

Jemandem etwas zeigen, bringt wenig, jemanden etwas selbst herausfinden lassen, dagegen sehr viel. Das bedeutet aber manchmal auch, dass man Dinge scheitern lassen muss. Und es gibt kulturelle Werte, die tief verwurzelt sind. Bei mir ist dies Pünktlichkeit. Dafür bin ich leider im völlig falschen Land, lerne aber so etwas über Geduld.

Ihr Rat für jemanden, der als Entwicklungshelfer/in für den Entwicklungsdienst der GIZ tätig werden will?

Diese Entscheidung, als Entwicklungshelferin zu arbeiten, ist nicht leicht getroffen und nicht leicht gelebt, jeder muss seine eigenen Grenzen kennen und bereit sein, sie permanent zu überschreiten. Aber wenn ich dazu bereit bin, kann ich eine wunderbare Zeit haben und selbst viel lernen.