Meeresschutz

Seegras
© GIZ / Marketa Zelenka

Die GIZ unterstützt Partner auf nationaler, regionaler und globaler Ebene bei der Umsetzung dieser Verpflichtungen und helfen ihnen, Küsten- und Meeresökosysteme und ihre Leistungen zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften.

Die Weltmeere bedecken mehr als 70 Prozent unseres Planeten und sind von entscheidender Bedeutung für unser Wohlergehen, ökologisch, wirtschaftlich und kulturell. 

40 Prozent der Weltbevölkerung leben heute weniger als 100 Kilometer vom Meer entfernt und dieser Anteil steigt kontinuierlich, insbesondere in Asien. Über die Hälfte aller Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern liegen am Meer. Die Küstenregionen der Welt produzieren über 60 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts und viele Küstenbewohner sind auf die Ressourcen und Leistungen der marinen Ökosysteme angewiesen. So beherbergen beispielsweise Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen eine enorme biologische Vielfalt, sind hochproduktive Fischereigründe und schützen die Küsten vor extremen Wetterereignissen. Die Ozeane binden etwa ein Viertel der vom Menschen produzierten CO2-Emissionen und wirken als Kohlenstoffspeicher dem Klimawandel entgegen. Insgesamt werden die Ökosystemleistungen von Meeren und Küsten mit etwa 36 Billionen US-Dollar bewertet.

Fischerei, Schifffahrt, Tourismus, Energie (Öl/Gas/Wind) und mariner Bergbau zählen zu den wichtigsten marinen Wirtschaftssektoren. Allein der Fischereisektor – insbesondere die handwerkliche Kleinfischerei – beschäftigt über 200 Millionen Menschen weltweit und sichert direkt oder indirekt die Existenzgrundlage von mehr als 10 Prozent der Weltbevölkerung. Fisch liefert für 3,2 Milliarden Menschen fast 20 Prozent ihres Konsums an tierischem Eiweiß und wichtige Mikronährstoffe. Tourismus an den Küsten ist für viele unserer Partnerländer eine wichtige und schnell wachsende Einnahmequelle, die ebenso wie die Fischerei von intakten Meeresökosystemen abhängig ist.

Viele Meeres- und Küstenökosysteme stehen jedoch zunehmend unter Druck, und ihre Stabilität, Funktionen und Leistungen sind zunehmend gefährdet:

  • Nur noch 3 Prozent der Weltmeere gelten als unberührt;
  • 33 Prozent der Fischbestände sind bereits überfischt, 66 Prozent werden maximal befischt;
  • Über 60 Prozent der Korallenriffe weltweit sind bedroht, 19 Prozent sind bereits zerstört;
  • 20 bis 35 Prozent der globalen Mangrovenbestände und 29 Prozent der Seegraswiesen sind bereits vernichtet;
  • Nur etwa 8 Prozent der Weltmeere sind offiziell als Schutzgebiete ausgewiesen, oft existiert der Schutz aber nur auf dem Papier;
  • Etwa 11 Millionen Tonnen Plastikmüll werden jedes Jahr in die Weltmeere eingetragen, davon stammt der weitaus größte Teil aus landbasierten Quellen. Plastik findet sich bis in die tiefsten und entlegensten Bereiche der Meere;
  • Über 37.400 Arten (marin und terrestrisch) sind weltweit vom Aussterben bedroht, die Aussterberate hat sich seit der Industrialisierung um das bis zu Hundertfache erhöht;
  • durch den Klimawandel steigt die mittlere Oberflächentemperatur der Meere, der erhöhte CO2-Eintrag verursacht Ozeanversauerung.

Die kritische Bedeutung der Meeres- und Küstenbiodiversität für die nachhaltige Entwicklung und das menschliche Wohlergehen spiegelt sich auch in den internationalen Verpflichtungen der Staatengemeinschaft wider, zum Beispiel:

  • im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS);
  • in der Agenda 2030 mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel 14 (Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen);
  • in den Aichi-Zielen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt;
  • im Paris-Abkommen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius;
  • im FAO-Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei.

Wir unterstützen unsere Partner auf nationaler, regionaler und globaler Ebene bei der Umsetzung dieser Verpflichtungen und helfen ihnen, Küsten- und Meeresökosysteme und ihre Leistungen zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften.

Wir fördern Meeres- und Küstenschutzgebiete und andere flächenbezogene Naturschutzmaßnahmen (zum Beispiel selbstverwaltete lokale Schutz- und Nutzungszonen), um dort gemeinsam mit unseren Partnern (staatliche Institutionen, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft und Wissenschaft) Verwaltung, Finanzierung, Monitoring, Überwachung und partizipatives Management zu stärken. Wir nutzen Trainings- und Bildungsmaßnahmen, um die Kapazitäten unserer Partner zu stärken und das Bewusstsein der Bevölkerung für den Wert und die Leistungen der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren. Wir fördern ökologisch nachhaltige Einkommensquellen, um die Lebensbedingungen der Menschen an den Küsten zu verbessern.

Um dies zu erreichen, nutzen wir moderne Konzepte und Herangehensweisen inklusiv und gendergerecht, darunter ökosystembasierte Anpassung, nature-based solutions, Sustainable Blue Economy, Co-Management, lokal gemanagte Meeresgebiete, nachhaltiger Tourismus und marine Raumplanung. Wir arbeiten an wichtigen Schnittstellen zu anderen Bereichen, wie zum Beispiel Kreislaufwirtschaft, Forstwirtschaft (Mangroven), Landwirtschaft, nachhaltige Wertschöpfungsketten, Küstenschutz und Anpassung an den Klimawandel. Eine Sustainable Blue Economy, welche die wirtschaftliche Entwicklung der Meere und Küsten, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung und den Schutz der biologischen Vielfalt fördert, ist unser Ziel.