Eine Person, die ein Stück Stoff annäht.

Wirtschaft und Beschäftigung: Bangladesch: Bekleidung sozial und ökologisch produzieren

Bangladeschs Textil- und Bekleidungsindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur rasant gewachsen, sondern hat sich auch bei der Einhaltung von Sozial und Umweltstandards weiterentwickelt.

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Bangladesch: Bekleidung sozial und ökologisch produzieren

Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Exporteur von Bekleidung und Textilien und damit einer der wichtigsten Akteure in der globalen Textilindustrie. Obwohl sich die Situation der Arbeiter*innen in den letzten Jahren zunehmend verbessert hat, liegt noch ein weiter Weg vor der Branche.

Mehr als viereinhalb Millionen Menschen in Bangladesch arbeiten in der Textilbranche, der überwiegende Teil davon sind Frauen. Bis 2021, das ist das erklärte Ziel der Regierung, soll die Branche weiterwachsen und der jährliche Export von Textilien und Bekleidung auf einen Wert von 50 Milliarden Dollar gesteigert und damit im Vergleich zu 2016 fast verdoppelt werden. Die Gesetzgebung und -durchsetzung hat sich seit dem Unglück von Rana Plaza in vielen Bereichen wesentlich weiterentwickelt. Dazu gehören etwa gewerkschaftliche Vertretung, Mindestlohn oder Arbeitsplatzsicherheit. Dennoch werden einige der Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in vielen Fabriken nach wie vor nicht erreicht. So ist die unzureichende Absicherung der Arbeitnehmer*innen bei berufsbedingten Erkrankungen oder Arbeitsunfällen eine wesentliche Herausforderung. Das anhaltende Wachstum der Branche hat zudem Auswirkungen auf die Umwelt: Insbesondere die Herstellung von Textilien (z.B. Färben, Drucken) ist mit sehr hohem Verbrauch von Wasser, Chemikalien und Energie verbunden. Außerdem werden Flüsse, Gewässer und Böden durch die unsachgemäße Entsorgung unbehandelter Abwässer und Rückstände verschmutzt. Diese Schadstoffe haben erheblichen Folgen für die umliegende Bevölkerung und die unmittelbaren Ökosysteme.

Eine Gruppe von Menschen, die in einer Fabrik arbeiten.

Wissen – der Schlüssel zu besseren Standards

Seit 2005 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dabei, die Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie in Bangladesch zu verbessern. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unter finanzieller Beteiligung der Europäischen Union (EU) hat das Bundesunternehmen Führungskräfte und Arbeiter*innen zu fairer Bezahlung, Feuerschutz und dem sicheren Umgang mit Chemikalien geschult. Im Rahmen eines Verbesserungsprogramms für Fabriken wurden die Unternehmensverbände dabei unterstützt insgesamt über 5.000 Inspektionen in über 1.800 Fabriken durchzuführen. 1.600 der inspizierten Fabriken konnten die Einhaltung von Sozialstandards nachweislich verbessern. Zusätzlich kooperiert die GIZ eng mit der ILO sowie der niederländischen Botschaft bei der Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung. Auch auf Fabrikebene wird das Thema Sicherheit beleuchtet:  Beispielsweise erfolgten in 80 Fabriken mit insgesamt mehr als 180.000 Arbeitnehmer*innen Gefährdungsbeurteilungen inklusive Schulungen zur Verbesserung der Arbeitsplatzsicherheit. Weil die Textilbranche in Bangladesch auch Arbeit für Menschen mit Behinderungen bietet, wurde für diese ein eigenes Beratungszentrum aufgebaut. Mehr als 1.000 Menschen haben bereits von dem Angebot profitiert.

Die GIZ hat zudem 70 Expert*innen fortgebildet, die Fabriken und Beschäftigte in Sachen Umweltschutz beraten. 300 Betriebe konnten nach dieser Beratung ihre Umweltstandards deutlich verbessern – beispielsweise durch ein funktionierendes Abwassermanagement oder einen geringeren Energieverbrauch. Auch für giftige Klärschlämme gibt es mit Unterstützung der GIZ neue Lösungen: Sie werden auf Basis einer neuen Richtlinie des Umweltamts sauber entsorgt und in einem neuen Geschäftsmodell für die Herstellung von Zement weiterverarbeitet. Um langfristig zu einem Umdenken in der Industrie beizutragen und faire und nachhaltige Produktionsmuster in der Industrie zu verankern prüfen deutsche und bangladeschische Hochschulen außerdem gemeinsam die Lehrpläne für Ausbildungsprogramme im Textilsektor.

Eine Person, die auf eine weiße Tafel schreibt.

Frauencafés stärken die Arbeiterinnen

Da die Mehrzahl der Beschäftigten der Textilbranche in Bangladesch Frauen sind, hat das Projekt rund 20 Frauencafés ins Leben gerufen, in denen die Arbeiterinnen zusammenkommen und sich austauschen können. Mehr als 270.000 Frauen sind in Schulungen und Theateraufführungen mit Spielen, Postern und Filmen über ihre Arbeitsrechte aufgeklärt worden.

Auch Rechtsberatung gehört zum Angebot der Frauencafés. Die Näherin Noor Nahar zum Beispiel hat erst in einem Frauencafé erfahren, welcher Mindestlohn ihr eigentlich zusteht – und erhielt eine Kündigung, als sie diesen Lohn einforderte. Unterstützt von der Rechtsberatung im Frauencafé kämpfte Nahar erfolgreich um ihren Job: Sie wurde nicht nur mit einem besseren Lohn wieder eingestellt, der Mindestlohn wurde auch für alle anderen Arbeiterinnen eingeführt. Inzwischen berät Noor Nahar als eine von mehr als 20.000 Frauen ihre Kolleginnen zu ihren Rechten oder den geltenden Mindestlöhnen.

Von Afrika bis Asien – Standards sollen für alle gelten

Um erfolgreich Standards in der gesamten Lieferkette der Bekleidungsproduktion umzusetzen, braucht es viele Beteiligte. In Bangladesch wird gemeinsam mit Vertretern des Staates, des Privatsektors und der Zivilgesellschaft daran gearbeitet, das angestrebte Wirtschaftswachstum in gemeinsamer Verantwortung nachhaltig zu gestalten.

Aufbauend auf den Erfahrungen in Bangladesch ist die GIZ darüber hinaus auch in Äthiopien, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und Vietnam aktiv. Dabei wird China als strategischer Partner eingebunden – als Investor spielt das Land gerade in Kambodscha und Myanmar mit ihren aufstrebenden Bekleidungsindustrien für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards eine entscheidende Rolle.

 

Stand: März 2020

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