© GIZ/Nadia Said

17.02.2022

Südafrika: Impfstoff für den ganzen Kontinent

Die Afrikanische Union zieht Lehren aus der Pandemie und baut für die Zukunft auf eigene Impfstoffe. Südafrika stellt nun die Weichen für Forschung und Produktion.

In der Corona-Pandemie mussten besonders afrikanische Länder lange auf Impfstoffe warten. Das lag nicht zuletzt am Produktionsstandort. Denn in Afrika etwa wird nur ein Prozent der eingesetzten Impfstoffe auf dem Kontinent selbst hergestellt. Daher hat die Afrikanische Union (AU) sich Ende 2021 das Ziel gesetzt, bis 2040 60 Prozent des eigenen Bedarfs an Impfstoffen selbst auf dem Kontinent zu produzieren.

Für dieses ambitionierte Ziel arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Südafrika mit zahlreichen Akteuren auf unterschiedlichen Ebenen zusammen: Beauftragt wurde das Projekt durch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und ist Teil einer regionalen Initiative der Europäischen Union (Team Europe) zur Stärkung der Produktionskapazitäten von Impfstoffen und anderen Gesundheitsprodukten in Afrika. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) unterstützen die lokale Impfstoffproduktion. Seit Anfang des Jahres engagieren sich die Partner dafür, Expertise aufzubauen, damit Südafrika eigenen Impfstoff entwickelt und produziert.

Die GIZ arbeitet mit lokalen Vertretern aus Unternehmen, Wissenschaft und Ministerien zusammen, um Südafrika als Zentrum der Impfstoffproduktion für den ganzen Kontinent aufzubauen. Dabei greift sie auf langjährige Erfahrungen im südafrikanischen Gesundheitssektor zurück: Neben der Unterstützung im Kampf gegen HIV hat die GIZ auch die Impfstoffproduktion im Land bereits seit 2008 gefördert und Fachkräfte an den südafrikanischen Impfstoffhersteller Biovac vermittelt.

Schnelle Produktion, eigene Entwicklung

Im neuen Projekt geht der Blick über die aktuelle Pandemie hinaus, wie Projektleiterin Claudia Aguirre berichtet: "Neben Trainings zu Impfstoffentwicklung und -produktion wollen wir auch Unternehmen und Universitäten unterstützen, damit hier in Zukunft neue Impfstoffe entwickelt werden können. Das birgt auch für die südafrikanische Wirtschaft großes Potenzial. Außerdem kooperieren wir im Bereich der Regulierung, damit diese neuen Impfstoffe so schnell wie möglich zugelassen werden."

Doch auch kurzfristige Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19 sind Teil des Projekts. Aktuell ist knapp die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung geimpft, das südafrikanische Gesundheitsministerium will hier eine Impfquote von 70 Prozent erreichen. Dafür setzt die GIZ mit der Universität Pretoria mobile Teams in der Provinz Gauteng ein. Sie erreichen insbesondere Menschen, die nicht im Gesundheitssystem registriert sind und in informellen Siedlungen oder auf der Straße leben.