© GIZ Moldau

04.03.2022

Eine Heldin aus Moldau: „Mich inspirieren alle starken Frauen meiner Gemeinschaft“

Silvia Feraru setzt sich für Roma und Romnja ein und räumt mit Vorurteilen auf. Im Interview erzählt sie wie das geht.

Die Arbeitslosigkeit in der Republik Moldau ist hoch, viele Menschen haben Mühe, an bezahlte Jobs zu kommen. Für Minderheiten wie Rom*nja ist das besonders schwer, vielen droht dadurch Armut. Mediator*innen helfen ihnen dabei, sich auf Jobs zu bewerben oder sich selbstständig zu machen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt sie dabei. Silvia Feraru ist Mediatorin für Roma und Romnja – die Eigenbezeichnung für Männer und Frauen, die dieser Minderheit angehören – in Moldau. Im Interview zum Weltfrauentag spricht sie über Herausforderungen und Erfolge.

Warum sind Sie Mediatorin geworden?

Der Hauptgrund waren Ungerechtigkeiten, die ich als Kind erlebt habe. In meiner Kindheit hat niemand mit uns über Diskriminierung gesprochen, aber alle in meinem Umfeld hatten Vorurteile uns gegenüber. Das hat mich nur stärker und entschlossener gemacht. Außerdem wollte ich etwas verändern, damit meine Kinder nicht die gleichen Diskriminierungen erleiden müssen.

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Welchen Formen von Diskriminierung sind Rom*nja ausgesetzt und wie gehen Sie diese als Mediatorin an?

Die Menschen haben in vielen Bereichen mit Diskriminierung zu kämpfen, am stärksten vielleicht in der Arbeitswelt. Das Problem hat zwei Seiten: Einerseits haben Betriebe Vorbehalte uns gegenüber. Andererseits haben die Menschen selbst oft nur ein niedriges Bildungsniveau und kommen nicht an gut bezahlte Jobs. Wir sehen auch, dass sie oft nicht wissen, was bei der Arbeitssuche gefragt ist und dass die Menschen ungeduldig sind, wenn es um die eigene berufliche Entwicklung geht.

Mit Hilfe der GIZ lerne ich als Mediatorin, wie ich diese Probleme angehen kann. Wir haben zum Beispiel gelernt, wie man sich auf Stellen bewirbt. Dieses Wissen habe dann ich in die entlegensten Dörfer und Gemeinden getragen. Durch das Projekt haben wir auch Kontakte zu mehreren staatlichen Institutionen geknüpft, die uns weiter unterstützen.

Sehen Sie Erfolge in Ihrer Arbeit?

In meinem Dorf Carpineni reparieren Rom*nja traditionell Dächer und arbeiten auf dem Bau. Wir haben ihnen gezeigt, wie sie ihr Gewerbe anmelden und sie bekamen finanzielle Unterstützung. Jetzt wollen sich viele mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen. Sie haben von uns dazugelernt.

Sie sind ein Vorbild für Ihre Gemeinschaft. Wer ist Ihre Inspiration?

Mich inspirieren Frauen in meiner Gemeinschaft, die stark sind und mit Vorurteilen aufräumen. Ich denke da nicht an eine bestimmte Frau oder Berühmtheit.

Welche Bedeutung hat der 8. März für Sie? 

Ich widme diesen Tag meiner Mutter, einer ganz besonderen und starken Frau. An diesem Tag bringe ich ihr zum Gedenken Blumen ans Grab. Es macht mich traurig, dass meine Mutter mich heute nicht sehen kann, wie stark ich geworden bin und wie stark Romnja sein können. Ich denke bei jedem beruflichen und privaten Erfolg in meinem Leben an sie.