WIRTSCHAFT UND BESCHÄFTIGUNG

Made in Ghana: Textilproduktion sozial und verantwortungsvoll gestalten

Ghanas Textilfabriken produzieren durch die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen sozialer und effizienter.

Made in Ghana: Textilproduktion sozial und verantwortungsvoll gestalten

Die Textilindustrie wird für einige afrikanische Länder ein immer wichtigerer Wirtschaftszweig. Aber wie können die Fabriken dort produktiver werden und gleichzeitig soziale Arbeitsplätze bieten? Ein Ansatz in Ghana soll zeigen: Besser ausgebildete Arbeiter*innen und humane Bedingungen müssen sich nicht ausschließen.

Made in Morocco, Made in Ethiopia, Made in Kenya. Ein Blick auf das Etikett verrät die Herkunft eines Kleidungsstücks. Niedrige Löhne verschaffen afrikanischen Ländern gegenüber der asiatischen Konkurrenz wichtige Standortvorteile. Ghana hat zwar Erfahrung in der Textil- und Bekleidungsproduktion für den regionalen Markt, aber es fehlt an Exportwissen. Ziel ist es, den Textilsektor auszubauen. Zugleich sollen als Lehre aus den in Asien gemachten Fehlern geschäftstaugliche Sozialstandards umgesetzt werden.

Produktionsbedingungen verbessern

Seit Januar 2019 unterstützt eine sogenannte Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft die wachsende Textilbranche Ghanas dabei, Geschäftsmodelle sozialverträglich und wirtschaftlich zu gestalten. Binnen drei Jahren sollen so 1.200 neue Jobs entstehen. Dafür kooperiert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit Unternehmen. Darunter: der niederländisch-ghanaische Bekleidungshersteller DTRT Apparel, das britische Sozial Unternehmen Ethical Apparel Africa (EAA), der deutsche Zulieferer von Nadeln und Teilen für Maschinen zur Textilherstellung Groz-Beckert und der US-amerikanische Anbieter für Mustertechnologie, Gerber Technology. Das Projekt ist Teil des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragten develoPPP.de-Programms, das unternehmerische Initiativen mit entwicklungspolitischem Nutzen fördert. Im Rahmen der Sonderinitiative „Ausbildung und Beschäftigung“ des BMZ fördert develoPPP.de Initiativen von Unternehmen, die in eine bessere Qualifizierung von Fachkräften investieren und mehr Arbeitsplätze in ausgewählten Ländern Afrikas schaffen.

Fit für den Export

Die Mitarbeiterqualifizierung ist für die beteiligten lokalen Textilbetriebe besonders wichtig. In Ghana gibt es kaum Schulen, die auf eine qualifizierte Tätigkeit in der Textilindustrie vorbereiten.

Die GIZ unterstützt den Aufbau eines neuen Schulungs- und Entwicklungsbereichs zur industriellen Textilfertigung in einer der größten Berufsschulen von Accra (Accra Technical Training Centre, ATTC). Ziel ist, Arbeitskräfte und Auszubildende für die Exportproduktion fit zu machen. Die Teilnehmenden werden an verschiedenen Kursen teilnehmen, die digitale Mustererstellung und -bewertung, Wirtschaftsingenieurwesen und Qualitäts- und Aufsichtskompetenz umfassen. Die moderne Lernausstattung stammt von Gerber und Groz-Beckert. Die Firmen stellen auch das Ausbildungspersonal. Zudem bietet das ATTC mit Unterstützung der GIZ und ihrer Partner Fortbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte auf der mittleren Managementebene an.

Schülerin mit arabischem Comicheft in der Hand

Produktivität und Compliance bedingen sich

Die Kurse am ATTC werden nicht nur die Arbeiter*innen der beteiligten Unternehmen qualifizieren. Auch der Nachwuchs verbessert so seine Jobchancen. Die höhere Produktivität und die bessere Qualifizierung der Facharbeiter*innen ermöglicht den Unternehmen mehr Spielraum, die Löhne ihrer Angestellten zu erhöhen. Um rund 20 Prozent sollen so die Einkommen der Mitarbeiter*innen der lokalen Firmen steigen.

Textilfabriken investieren in soziale Verbesserungen und Wohlbefinden: "KAD Manufacturing" aus Accra beschäftigt 130 Mitarbeiter und engagiert sich auch im Bereich Sozialstandards. Das Mittagessen wird vom Unternehmen gestellt, der Dialog zwischen Arbeiter*innen und Management wird intensiviert und es werden Schulungen angeboten. Linda Ampah, Geschäftsführerin, sagt über den betrieblichen Arbeitsschutz: "Vieles haben wir schon erreicht, um die Sicherheit und Gesundheit unser Mitarbeiter*innen zu gewährleisten. Damit wir die internationalen Standards weiterhin erfüllen, wollen wir noch besser werden."

Hier setzen die GIZ und ihre Kooperationspartner im Auftrag des BMZ ebenfalls an: Um mehr Bewusstsein für Sozialstandards zu schaffen, bringt sie Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Textilfabriken zusammen. Gemischte Teams aus Management und Belegschaft stärken die Teilhabe bei betrieblichen Entscheidungsprozessen. So lassen sich Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsschutz weiter verbessern. In den kommenden drei Jahren sollen rund 2.100 Beschäftigte von den neuen Arbeitsbedingungen des ghanaischen Textilmarktes profitieren.

 

(Stand: November 2019)

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