Kleidung sozial und ökologisch produzieren

Das Gesetz in Bangladesch verlangt von Textilbetrieben die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards. Doch die Realität sieht oft noch anders aus. Über 2.000 Betriebe haben mit Unterstützung der GIZ begonnen, faire Löhne zu zahlen, Mitbestimmung zu erlauben oder Arbeits- und Umweltschutzregeln einzuhalten – zum Vorteil aller Beteiligten.

Die Textilindustrie in Bangladesch wächst rasant. Das Land ist bereits zweitgrößter Produzent nach China. Das Geschäft mit der Kleidung macht 80 Prozent des Exports aus. 3,8 Millionen Menschen arbeiten in der Branche, überwiegend Frauen.

Wissen – der Schlüssel zu besseren Standards

Die Löhne in den Textilfabriken Bangladeschs halten nicht Schritt mit den Lebenshaltungskosten. Die Arbeitsbedingungen entsprechen nicht den von der internationalen Arbeitsorganisation ILO vorgegebenen Standards.

2006 vollzog die Regierung Bangladeschs die Kehrtwende. Soziale Mindeststandards für Löhne, Arbeitszeiten oder Arbeits- und Mutterschutz sind nun im nationalen Arbeitsgesetz festgehalten. Doch um die Einhaltung zu überwachen, benötigen Fabrikeigentümer, Manager, Arbeitskräfte sowie Verbände, Nichtregierungsorganisationen und Regierungsstellen entsprechend Wissen und Qualifikationen.

Im Auftrag des BMZ und unter finanzieller Beteiligung der Europäischen Union hat die GIZ seit 2005 über 2.000 Betriebe mit insgesamt 1,5 Millionen Beschäftigten unterstützt. Allein in den letzten vier Jahren haben über 650 Textilfabriken ihre Sozial- und Umweltstandards deutlich verbessert, 230 Fabriken ließen sich nach mindestens einem internationalen Arbeitsstandard zertifizieren.

Verbände und Dienstleister für Unternehmen erhalten über die GIZ Schulungen zur Umsetzung besserer Arbeitsbedingungen – neben fairer Bezahlung gehören dazu auch Feuerschutz und der sichere Umgang mit Chemikalien.

Anleitungen zum Energiesparen und zur Verringerung von Nähfehlern ergänzen die Schulungen. Die GIZ informiert die produzierenden Betriebe über in Fallstudien evaluierte Ergebnisse, die die Verbesserung der Sozial- und Umweltstandards und ihre Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Beschäftigten sowie die Produktivität des Unternehmens darlegen.

Das Wissen um und das Bewusstsein für Sozialstandards ist inzwischen in vielen Betrieben verbreitet: 1.000 Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter verfügen über eine ausgewiesene Expertise über die Sozialstandards nach dem nationalen Arbeitsgesetz. Etwa 500 Fabrikmanager sind für die Umsetzung besserer Arbeitsbedingungen geschult.

Frauencafés stärken die Arbeiterinnen

100.000 Arbeiterinnen besuchen regelmäßig Frauencafés, in denen sie mit Schulungen, Theater, Spielen, Postern und Filmen über ihre Arbeitsrechte aufgeklärt werden. 10.000 von ihnen sind in einem der 45 mit Unterstützung der GIZ aufgebauten Frauencafés in Gesprächsführung ausgebildet worden. Sie kennen die gesetzlichen Sozialstandards und führen Verhandlungen mit dem Fabrikmanagement. Auch Rechtsberatung und ärztliche Behandlung gehören zum Angebot der Frauencafés.

Diese Frauencafés haben inzwischen viele Arbeiterinnen in ihrer Rolle gestärkt – etliche von ihnen sind in Führungspositionen aufgerückt, zu Haupternährern ihrer Familien geworden und so auch gesellschaftlich stärker anerkannt.