Wirtschaft und Beschäftigung

Bangladesch: Bekleidung sozial und ökologisch produzieren

Bangladeschs Textil- und Bekleidungsindustrie wächst rasant. Die Beschäftigten sollen davon mehr profitieren.

Bangladesch: Bekleidung sozial und ökologisch produzieren

Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Exporteur von Bekleidung und Textilien und damit einer der wichtigsten Akteure in der globalen Textilindustrie. Von dem rasanten Wachstum der Branche profitieren die Arbeiter bislang allerdings kaum. Das soll sich ändern.

Mehr als viereinhalb Millionen Menschen in Bangladesch arbeiten in der Textilbranche, der überwiegende Teil davon sind Frauen. Bis 2021, das ist das erklärte Ziel der Regierung, soll die Branche weiter wachsen und der jährliche Export von Textilien und Bekleidung auf einen Wert von 50 Milliarden Dollar gesteigert werden.

Obwohl seit 2006 soziale Mindeststandards für Löhne, Arbeitszeiten sowie Arbeits- und Mutterschutz in Bangladesch gelten, haben noch längst nicht alle Textilfabriken die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erreicht. Das Wachstum der Branche hat zudem Auswirkungen auf die Umwelt: Es werden immer mehr Rohstoffe benötigt - und die Chemikalien, die zum Beispiel in den Gerbereien und Färbereien eingesetzt werden, verschmutzen zunehmend die kostbaren Wasserressourcen.

Textilarbeiter in Bangladesh mit Stoffbahn

Wissen – der Schlüssel zu besseren Standards

Seit 2005 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dabei, die Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie in Bangladesch zu verbessern. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unter finanzieller Beteiligung der Europäischen Union (EU) hat das Bundesunternehmen bisher rund 17.000 Führungskräfte und Arbeiterinnen zu fairer Bezahlung, Feuerschutz und dem sicheren Umgang mit Chemikalien geschult. Dadurch konnten mehr als 800 Betriebe ihre Arbeitsbedingungen deutlich verbessern. Darüber hinaus wurden in Zusammenarbeit mit der ILO bereits 310 Kontrolleure ausgebildet und über 2.000 Inspektionen durchgeführt, die die Einhaltung der Arbeitsstandards in den Betrieben überprüfen.

Die GIZ hat auch 70 Experten fortgebildet, die Fabriken und Mitarbeiter in Sachen Umweltschutz beraten. 200 Betriebe, darunter 20 Gerbereien, konnten nach dieser Beratung ihre Umweltstandards deutlich verbessern – beispielsweise durch ein funktionierendes Abwassermanagement oder einen geringeren Energieverbrauch. Weil die Textilbranche in Bangladesch auch Arbeit für Menschen mit Behinderungen bietet, hat die GIZ für diese ein eigenes Beratungszentrum aufgebaut. Mehr als 270 Menschen haben bereits von dem Angebot profitiert; 110 Fabriken arbeiten inzwischen daran, ihr Werksgelände behindertengerecht zu gestalten.

Textilarbeiter in Bangladesh bei der Arbeit

Frauencafés stärken die Arbeiterinnen

Da acht von zehn Beschäftigten der Textilbranche in Bangladesch Frauen sind, hat die GIZ rund 20 Frauencafés ins Leben gerufen, in denen die Arbeiterinnen zusammenkommen und sich austauschen können. Mehr als 200.000 Frauen sind in Schulungen und Theateraufführungen mit Spielen, Postern und Filmen über ihre Arbeitsrechte aufgeklärt worden.

Auch Rechtsberatung gehört zum Angebot der Frauencafés. Die Näherin Noor Nahar zum Beispiel hat erst in einem Frauencafé erfahren, welcher Mindestlohn ihr eigentlich zusteht – und erhielt eine Kündigung, als sie diesen Lohn einforderte. Unterstützt von der Rechtsberatung im Frauencafé kämpfte Nahar erfolgreich um ihren Job: Sie wurde nicht nur mit einem besseren Lohn wieder eingestellt, der Mindestlohn wurde auch für alle anderen Arbeiterinnen eingeführt. Inzwischen berät Noor Nahar als eine von mehr als 20.000 Frauen ihre Kolleginnen zu ihren Rechten oder den geltenden Mindestlöhnen.

Texttilarbeiterin in Bangladesh bei der Arbeit

Von Afrika bis Asien – Standards sollen für alle gelten

Um erfolgreich Standards in der gesamten Lieferkette der Bekleidungsproduktion umzusetzen, braucht es viele Beteiligte. In Bangladesch arbeitet die GIZ mit Vertretern des Staates, des Privatsektors und der Zivilgesellschaft daran, das angestrebte Wirtschaftswachstum in gemeinsamer Verantwortung nachhaltig zu gestalten.

Aufbauend auf den Erfahrungen in Bangladesch ist die GIZ darüber hinaus auch in Äthiopien, Kambodscha, Myanmar und Pakistan aktiv. Dabei wird China als strategischer Partner eingebunden – als Investor spielt das Land gerade in Kambodscha und Myanmar mit ihren aufstrebenden Bekleidungsindustrien für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards eine entscheidende Rolle.

 

Stand: Juni 2017