WIRTSCHAFT UND BESCHÄFTIGUNG

Namibia: Buschabfälle kurbeln die Wirtschaft an

Rohstoff mit Potenzial: Die Verwertung von Buschholz-Abfällen kurbelt die namibische Wirtschaft an.

© GIZ

Namibia: Buschabfälle kurbeln die Wirtschaft an

Namibia hat buchstäblich ein wachsendes Problem: die „Verbuschung“ der Landschaft. Das Land hat diese Herausforderung jedoch als Chance erkannt und wertet die geernteten Buschholz-Abfälle als Wirtschaftsfaktor. Die GIZ berät, wie sich Busch-Biomasse nutzen lässt, und fördert so neue Arbeitsplätze.

Etwa die Hälfte des Landes Namibia ist mit dichtem Busch zugewuchert: Das Gebiet, das der Größe von Deutschland und Österreich zusammen entspricht, ist somit „verbuscht“. Die Folge ist neben einem sinkenden Grundwasserspiegel ein gravierender Platzmangel für die Landwirtschaft. Es gibt zu wenig nutzbare Fläche, auf der zum Beispiel Gras wächst. Und somit fehlt Futter für Nutztiere. Die Landwirtschaft ist bedroht. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Farmer*innen handeln, denn sie benötigen die verbuschte Fläche dringend. Es gilt, das Buschwachstum in den Griff zu bekommen und zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt in Namibia seit 2014 mit entsprechenden Maßnahmen. Ein Ziel ist, die geschädigten Landflächen wieder nutzbar zu machen. Dafür wird Buschbestand kontrolliert ausgedünnt. Zunehmend geht es auch darum, das bei der Ernte anfallende Holz, sogenannte Busch-Biomasse, wirtschaftlich zu nutzen. 
Für die Landwirte ist das bedeutend, denn die Landwirtschaft ist bereits stark beeinträchtigt: Namibia ist eines der trockensten und am dünnsten besiedelten Länder in Subsahara-Afrika mit gerade mal zweieinhalb Millionen Einwohnern. Mindestens 70 Prozent der Bevölkerung sind für ihren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft abhängig. In den letzten Jahren erlebte das Land Dürreperioden mit verheerenden Auswirkungen, wie Ernteausfälle und große Verluste in der Viehwirtschaft.

Trainings zu nachhaltiger Buschernte und Energieerzeugung 

Tatsächlich sind die Büsche für Namibia Freud und Leid zugleich. Sie chemisch zu bekämpfen, zieht vor allem die Natur in Mitleidenschaft. Die Buschernte dagegen ist arbeitsintensiv, sie bietet den Farmen aber auch Möglichkeiten, um zusätzlich Geld zu verdienen. Die Büsche lassen sich zu Viehfutter, Holzkohle oder Holzschnitzel für industrielle Wärmeerzeugung weiterverarbeiten. Dazu berät die GIZ das namibische Umweltministerium im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Weiterhin organisiert sie Trainings zur nachhaltigen Buschernte. Landwirt*innen und meist kleine Unternehmen lernen dort den Umgang mit speziellen Maschinen, die den Boden schonen. Außerdem erfahren sie, wo und wie viel sie ernten dürfen. 

Allerdings ist der Markt in Namibia nicht groß genug, um den Buschzuwachs zu verwerten. Mehr als 80 Prozent des jährlichen Zuwachses finden im Land keine Abnehmer. Daher unterstützt die GIZ auch dabei, die Produkte wie Holzschnitzel oder Holzkohle außerhalb Namibias zu vermarkten. Der Ansatz ist vielversprechend: „Wenn ein Rohstoff das Potenzial hat, den gegenwärtigen Abschwung des landwirtschaftlichen Sektors in Namibia umzukehren – dann ist es Busch-Biomasse“, sagt Junius Vetumbuavi Mungunda, Geschäftsführer der Standard Bank Namibia und Mitglied im Expertengremium zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes (High-Level Panel on the Namibian Economy, HLPNE).


 

Mehr als 5.000 Arbeitsplätze und höheres Einkommen 

Dass sich die Verbuschung von einer Bedrohung zu einer Chance für Namibia entwickelt hat, machen auch die Erwerbstätigenzahlen deutlich. Seit 2015 ist die ländliche Beschäftigung im Biomasse-Sektor von 6.000 auf mehr als 11.000 Arbeitskräfte gestiegen. Jobs entstehen vor allem in der Produktion von Export-Holzkohle, zunehmend auch in der Produktion von Tierfutter. Während der Dürreperiode 2019 profitierten mehr als 800 Landwirt*innen davon, dass sie ihre Viehherden mit Tierfutter aus Buschmasse ernähren konnten. Außerdem verbesserten sich die Arbeitsbedingungen unter anderem durch Mindestlöhne, optimierte Unterbringung und Schutzkleidung. 

Zukunftsfähige Standards für Mensch und Umwelt

Einen nachhaltigen Beitrag für die Branche leisten auch Standards, die in Kooperation mit dem Forest Stewardship Council (FSC), der GIZ und nationalen Akteuren entwickelt wurden. Diese sorgen dafür, dass Ernte und Verarbeitung von Buschmasse internationalen Kriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit entsprechen. 
Ob es das richtige Ernten, eine umweltschonende Verarbeitung oder nationale Standards sind: Am Ende lohnt es sich für alle: für die Landwirte, die ihre Weidenflächen erhalten und sich mit den gerodeten Büschen eine weitere Einnahmequelle erschließen. Für die Betriebe, die die Rohstoffe verarbeiten und weiterverkaufen. Und für den Staat, der nicht nur seine Landwirtschaft erhalten kann, sondern auch für wirtschaftliche Entwicklung sorgt. Und das wiederum ist zuträglich für Mensch und Umwelt.

Stand: November 2020

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