Klima, Umwelt, Management natürlicher Ressourcen

Vielfalt, die Leben rettet

Der Erhalt der Biodiversität ist existenziell für Mensch, Tier und Umwelt. Dafür arbeitet die GIZ weltweit.

© WCS BD_Zahangir Alam

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat offenbart, welche Gefahren von fehlendem Naturschutz ausgehen. Auch wirtschaftliches Wachstum und nachhaltige Entwicklung sind abhängig von der Natur. Daher arbeitet die GIZ weltweit in rund 100 Projekten für den Erhalt der Biodiversität – und zeigt: Der Einklang von Mensch und Natur ist machbar.

Eine Million der geschätzten acht Millionen Arten auf der Erde sind vom Aussterben bedroht. Diese Entwicklung hat gravierende Folgen, auch für die Menschen: „Der Erhalt der Biodiversität ist existenziell für die Menschheit. Es geht um unsere Lebensgrundlagen“, sagt Ingrid-Gabriela Hoven, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. „Der Verlust von Biodiversität bedroht auch wirtschaftliches Wachstum und nachhaltige Entwicklung – gerade in unseren Kooperationsländern. Das Überleben von über 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung in Afrika hängt direkt von der Natur ab“, sagt Hoven. 
Auch die aktuelle Corona-Pandemie hat ihren Ursprung in fehlendem Naturschutz und in schrumpfendem Lebensraum für Wildtiere. So entsteht eine kritische Nähe zwischen Mensch und Wildtier. Dadurch steigt die Gefahr sogenannter zoonotischer Infektionskrankheiten. Studien zeigen, dass mehr als drei Viertel aller neu auftretenden menschlichen Infektionskrankheiten ihren Ursprung in der Tierwelt haben.

„Die gegenwärtige Pandemie hat uns wachgerüttelt und gezeigt, wie verheerend die Auswirkungen der Zerstörung der Biodiversität sein können“, sagt Hoven. „Deshalb unterstützt die GIZ unter anderem den Aufbau der Internationalen Allianz gegen Gesundheitsrisiken im Wildtierhandel.“ Dieses Bündnis wurde von Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und Bundesumweltministerium (BMU) initiiert und will konsequent gegen unregulierten Wildtierhandel und Wildtiermärkte vorgehen. „Gesundheitsrisiken werden durch Aufklärung und durch alternative Einkommensquellen reduziert“, erklärt Hoven weiter. Damit werde die Grundidee des One Health-Ansatzes umgesetzt: „Denn die Gesundheit von Menschen, Tier und Umwelt sind eng miteinander verwoben.“

Seit Jahren ist die GIZ eine Vorreiterin beim Erhalt der Biodiversität. Rund 100 Projekte weltweit tragen hauptsächlich zu den Zielen der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen bei. Das bedeutet etwa für das Jahr 2019: 775.000 km² Natur wurden besser geschützt. Das entspricht ungefähr der doppelten Fläche Deutschlands. 219.000 km² Wald wurden durch nachhaltige Bewirtschaftung erhalten – und zwölf Millionen Menschen profitierten vom Erhalt der Natur. 

© GIZ/Shabnam Khanam

Mangroven schützen Mensch und Klima

Zum Beispiel in den Mangrovenwäldern: Sie beheimaten unzählige Pflanzen- und Tierarten. Für die Menschen sind die Küstenwälder Lebensretter und liefern Nahrung. Sie dienen etwa als Barriere gegen Sturmfluten: Ein Mangrovengürtel von 100 Metern Breite kann die Kraft von Sturmwellen um zwei Drittel verringern. Im Vergleich zu künstlichen Wellenbrechern ist die Wiederherstellung von Mangroven bis zu fünfmal kosteneffizienter. Gleichzeitig speichern sie große Mengen an Kohlenstoff und schützen so das Klima.

Die größten zusammenhängenden Mangrovenwälder der Erde sind mit über 10.000 km² die Sundarbans in Bangladesch und Indien. Viele Tier- und Pflanzenarten haben hier ihren Lebensraum, darunter 355 verschiedene Vogelarten, Delfine und der bengalische Tiger. Doch weite Teile dieses Lebensraums sind akut bedroht. 4,5 Millionen Menschen leben in Dörfern an der Grenze zu den Sundarbans. Sie fischen, sammeln Honig und schlagen Holz. Damit ist die Bevölkerung in hohem Maße vom Wald abhängig. Mit rascher Zunahme der Bevölkerung und Wachstum der Wirtschaft steigt auch der Bedarf an natürlichen Ressourcen. Zusätzlich setzen der steigende Meeresspiegel und zunehmend starke Stürme in Folge des Klimawandels den Mangrovenwäldern zu.

Das hat weltweit Auswirkungen auf die Mangrovenwälder. „Derzeit verlieren wir Mangrovenwälder schneller als tropische Regenwälder“, sagt Jochen Renger, Leiter der Abteilung Klima, ländliche Entwicklung und Infrastruktur bei der GIZ. Jedes Jahr gehen rund 20.000 Hektar verloren. Ungefähr 40 Prozent des Bestandes von 2019 sind heute zerstört.

© GIZ/Fahad Kaizer

Mit der richtigen Balance zum Einklang von Mensch und Natur 

Die GIZ stärkt die Küstenbevölkerung in den Sundarbans und weltweit in der nachhaltigen Bewirtschaftung der Mangrovenwälder und erwirkt so einen Dreiklang: Ernährungssicherung und Einkommen für die lokale Küstenbevölkerung, Lebensraum für die Arten und Reduzierung der Emissionen für das Weltklima. Wie in den Sundarbans bezieht sie in vielen Projekten zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung der Mangrovenwälder die lokale Bevölkerung direkt mit ein. Wildranger werden ausgebildet und kontrollieren den Schutz vor Ort, Partner beobachten und dokumentieren die ökologische Entwicklung der Mangrovenwälder. 

„Projekte wie die Sundarbans zeigen, dass der Einklang von Natur und Mensch machbar und zum Erhalt der Lebensgrundlagen notwendig ist“, sagt Klimaexperte Renger. Dabei sind die Mangrovenwälder nur ein Beispiel für zahlreiche Ökosysteme, die den Menschen wichtige Ökosystemleistungen liefern – dazu zählen fruchtbare Böden, sauberes Wasser, die Regulierung des Klimas, Schutz vor Extremwetterereignissen und Rohstoffe für Medizin. „Eine nachhaltige Entwicklung ist ohne den Erhalt dieser wichtigen Lebensgrundlagen undenkbar“, so Renger.

Stand: Mai 2021

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