Chance für den Klimaschutz
Kohlenstoffmärkte mobilisieren Geld für Klimaschutzprojekte. Sven Egbers leitet bei der GIZ mehrere Vorhaben dazu und erklärt, wie das funktioniert.
Kenia hat seit Februar 2026 ein nationales Kohlenstoffregister, eines der ersten in Afrika. Es ist mit Unterstützung der GIZ entstanden und zeigt, welche Klimaschutzprojekte es im Land gibt und wo Emissionen eingespart werden. Auch andere afrikanische Länder wie Ghana haben bereits solche Register oder bauen sie gerade auf.
Dadurch schaffen sie eine wichtige Voraussetzung für den internationalen Handel mit Emissionsminderungen. Das Pariser Klimaabkommen erlaubt es Staaten, eingesparte Emissionen an andere Länder zu verkaufen. Jedes Land entscheidet selbst, was es abgibt. Für das eigene Klimaziel darf es diese Einsparungen dann aber nicht mehr zählen. Das Register zeigt, wo Emissionen vermieden werden und welche ins Ausland gehen.
Großes Potenzial in Entwicklungsländern
Dieser Handel ist attraktiv für viele Länder im Globalen Süden, weil sie oft große Potenziale für Klimaschutz haben, aber nicht die Mittel, um sie zu erschließen. Die Idee: Über den Verkauf von Emissionsminderungen nehmen die Länder Geld ein und gestalten zugleich ihre Volkswirtschaften in Richtung Nachhaltigkeit um.
Dabei geht es zunehmend nicht um einfache und günstige Maßnahmen. Sonnen- und Windkraft rechnen sich vielerorts inzwischen auch ohne zusätzliche Einnahmen, und diese Minderungen brauchen die Länder meist, um eigene Klimaziele zu erreichen. Für den internationalen Handel kommen Vorhaben in Frage, die ohne die Einnahmen aus dem Verkauf von Emissionsminderungen nicht zustande kämen, etwa die Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre, weniger Methan aus Landwirtschaft und Abfall oder klimafreundliche Kühlung.
Industrieländer wiederum kaufen solche Minderungen, weil sie ihnen helfen, ihre Klimaziele kosteneffizient zu erreichen. Das entbindet sie allerdings nicht davon, die Emissionen im eigenen Land deutlich zu senken.
Wie Kohlenstoffmärkte wirken
Beim Handel mit Klimaschutzgutschriften bekommen nachgewiesene Emissionsminderungen oder CO₂-Entnahmen einen finanziellen Wert. Die Aussicht auf Erlöse hilft, klimafreundliche Projekte zu finanzieren. In beiden Fällen wird Klimaschutz zu einem wirtschaftlichen Faktor und es fließt mehr Geld, auch privates, in den Klimaschutz.
Unternehmen kaufen schon seit vielen Jahren freiwillig Gutschriften, etwa um Klimaschutz in anderen Ländern mitzufinanzieren. Der Handel zwischen Staaten entsprechend dem Pariser Klimaabkommen steht dagegen noch am Anfang. Die Schweiz hat als eines der ersten Länder bilaterale Abkommen geschlossen, etwa mit Thailand und Ghana. Die Abkommen legen den Rahmen fest; Mengen und Preise werden in Kaufverträgen für einzelne Vorhaben vereinbart.
Auch Japan, Singapur, Schweden, Norwegen und andere haben solche Abkommen geschlossen oder verhandeln sie. Wichtig ist immer, dass sie mit den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens übereinstimmen: Die Minderungen müssen real, zusätzlich und unabhängig überprüft sein. Im Frühjahr 2026 hat auch die EU beschlossen, ab 2036 in begrenztem Umfang hochwertige internationale Gutschriften auf ihr Klimaziel für 2040 anzurechnen.
Schritt für Schritt weiter
Davon zu unterscheiden ist die CO₂-Bepreisung in einem Land oder einer Ländergruppe. Dafür gibt es zwei Instrumente: die CO₂-Steuer, bei welcher der Staat einen festen Preis pro Tonne festlegt, sowie den Emissionshandel. Die Weltbank zählt weltweit 87 solcher Instrumente, darunter 40 Emissionshandelssysteme. Zusammen erfassen sie knapp 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. So existieren zum Beispiel in der EU, in China, Südkorea, Japan und Neuseeland Emissionshandelssysteme. Auch Schwellenländer wie Brasilien und Indien bauen eigene Systeme auf.
Ein Handelssystem legt eine Obergrenze für den Ausstoß fest, die mit der Zeit sinkt. In diesem Umfang werden Emissionsberechtigungen ausgegeben, kostenlos oder per Versteigerung. Ein Unternehmen, das weniger ausstößt, als es Berechtigungen hat, kann den Überschuss verkaufen. Wer mehr emittiert, muss zukaufen. So entsteht ein Preis für CO₂ und ein Anreiz, Emissionen dort zu senken, wo es am günstigsten ist.
Langfristig, so die Vision, könnten die verschiedenen Instrumente stärker zusammenwachsen bis hin zu einem möglichst einheitlichen CO₂-Preis. Einstweilen entwickeln sich die Kohlenstoffmärkte Schritt für Schritt weiter: Hier führt ein Land einen Emissionshandel ein, dort vereinbaren Staaten eine Zusammenarbeit. Entscheidend ist, dass daraus zusätzlicher Klimaschutz entsteht. Dafür braucht es verlässliche Regeln, nachvollziehbare Ergebnisse und Institutionen, die deren Einhaltung überprüfen.
Was die GIZ beiträgt
Als GIZ unterstützen wir Partner in 36 Ländern beim Aufbau von Kohlenstoffmärkten, teils über regionale Allianzen. Wir begleiten sie auf dem ganzen Weg: von der Ausbildung von Fachleuten in Behörden und Unternehmen über Regeln und Institutionen bis hin zu konkreten Projekten. In Äthiopien haben wir die Regierung bei einem Gesetz zu Kohlenstoffmärkten beraten, das 2026 verabschiedet wurde. Im südlichen Afrika helfen wir Ländern, staatliche Programme für sparsame Klimaanlagen aufzusetzen, die sich über Kohlenstoffmärkte finanzieren lassen.
Gute Regeln allein bringen aber noch keine Investitionen ins Land. Deshalb helfen wir auch, Projekte umzusetzen. In Thailand zum Beispiel sollen 30.000 Reisbäuerinnen und -bauern Anbaumethoden erlernen, die Methan und Wasser einsparen. Dafür erhalten sie Geld aus dem Verkauf von Minderungen.
Wir engagieren uns hier, weil hochwertige Kohlenstoffmärkte eine echte Chance für mehr Klimaschutz sind. Sie können neue, auch private Mittel mobilisieren und öffentliche Klimafinanzierung ergänzen, aber nicht ersetzen. Entscheidend ist die Qualität: Minderungen müssen real und zusätzlich sein und den Menschen vor Ort nutzen, damit die Märkte glaubwürdig bleiben. Dann wird aus Klimaschutz ein Geschäft, von dem alle Seiten profitieren.