Hintergrund

Weltklimakonferenz 2026: Das Wichtigste zur COP31 in Antalya

Die UN-Klimakonferenz tagt dieses Jahr in der Türkei. Wir beantworten die zentralen Fragen dazu.

Luftaufnahme von Meereswellen, die mit weißer Gischt auf einen goldbraunen Sandstrand auflaufen, mit türkisfarbenem bis dunkelblauem Wasser im Hintergrund.

Wo und wann findet die Weltklimakonferenz 2026 statt?

Die nächste Weltklimakonferenz findet vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya an der Türkischen Riviera statt. Sie gilt ausdrücklich als Umsetzungs-COP, weil die meisten Inhalte des Übereinkommens von Paris aus dem Jahr 2015 mittlerweile ausgehandelt sind – jetzt geht es darum, Taten folgen zu lassen. Die COP31 soll daher das Signal senden: Das Pariser Klimaabkommen funktioniert, die Staaten halten an ihren Zielen fest und wollen sie schneller umsetzen.

Warum heißt es COP31?

Die Abkürzung COP steht für „Conference of the Parties“ und bedeutet: Konferenz der Vertragsparteien. Diese haben das völkerrechtlich bindende Abkommen, die Klimarahmenkonvention, unterzeichnet. Die COPs werden jeweils mit einer Nummer versehen; inzwischen sind wir bei 31 angelangt. Die erste Weltklimakonferenz (COP1) fand 1995 in Berlin statt – kurz nachdem die Klimarahmenkonvention in Kraft getreten war.

Warum wurde die Türkei für die COP31 als Land ausgewählt?

Der Ort der Klimagipfel rotiert zwischen fünf Ländergruppen der Vereinten Nationen: Afrika, Asien-Pazifik, Lateinamerika-Karibik, Westeuropa-Nordamerika-Australien und Osteuropa. Dieses Mal war die Region Westeuropa-Nordamerika-Australien an der Reihe. Beworben hatten sich aus dieser Gruppe die Türkei und Australien. Um beiden Interessenten gerecht zu werden, hat man die Präsidentschaft geteilt: Die Türkei ist physisch der Gastgeber, hat den offiziellen Vorsitz der COP31 inne und ist damit zum Beispiel für die sogenannte Action Agenda verantwortlich. Australien ist für die eigentlichen Verhandlungen zuständig – auf der sogenannten formellen Agenda verhandeln die Regierungen der Staaten völkerrechtlich bindende Verträge und Regeln. Die Action Agenda ergänzt diese Verhandlungen: Sie bringt nichtstaatliche Akteure wie Städte, Unternehmen, Investoren, Indigene Völker und die Zivilgesellschaft zusammen, um praktische Lösungen in der Realität umzusetzen. Auch wenn die Türkei als tatsächlicher Gastgeber stärker wahrgenommen wird als Australien, teilen sich beide Staaten die Präsidentschaft gleichberechtigt auf.

Luftaufnahme einer Küste mit zwei türkisfarbenen Riffen, die durch einen tiefblauen Meereskanal getrennt sind, im Hintergrund bewaldete grüne Berge.
Australien möchte auf die Folgen des Klimawandels für die Inseln im Pazifik wie Vanua Levu in Fidschi aufmerksam machen.

Welche Impulse der beiden Präsidentschaftsländer sind bei der COP31 zu erwarten?

Die Türkei und Australien präsentieren sich beide engagiert. Die Action Agenda des Gastgebers Türkei umfasst zehn Themenfelder, zum Beispiel Abfallvermeidung und Recycling, aber auch Elektromobilität und Städte. Besondere Aufmerksamkeit dürfte das Ziel „35 by 35“ bekommen, ein Vorschlag der türkischen COP31-Präsidentschaft: Der Anteil von Strom am weltweiten Energieverbrauch soll bis 2035 auf 35 Prozent steigen. Im Jahr 2025 lag er nach Angaben der Internationalen Energieagentur bei rund 23 Prozent. Die Türkei ruft mit dem „Global Electrification Pledge“ dazu auf, Geld für sauberen Strom bereitzustellen, und hofft auf breite Unterstützung. Australien macht sich vor allem dafür stark, dass das 1,5-Grad-Ziel erreichbar bleibt. Außerdem rückt es den Pazifik mit seinen kleinen Inselstaaten in den Mittelpunkt, die stark vom Klimawandel bedroht sind. Es tritt offiziell als „Australien-Pazifik“ oder sogar als „Australien-Pazifik-Partnerschaft“ auf. So hatte Australien zusammen mit Fidschi und Tuvalu bei der letzten Vorkonferenz zur COP31 symbolträchtig auch die kleinen Inseln im Pazifik eingeladen, um die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort deutlich zu machen.

Nächtliche Aufnahme einer blau leuchtenden LED-Fassade mit dem Slogan „The Future of the World is in Türkiye!“ und den Logos von UN Climate Change und COP31 Antalya.
Werbung in New York im Vorfeld der COP31.

Wo liegen die größten Konfliktlinien?

In Antalya wird es vor allem darum gehen, wie die Staaten ihre Klimaziele nachschärfen können. Ziel ist, die Erderwärmung nur vorübergehend über 1,5 Grad steigen zu lassen. Bisher genügen die Anstrengungen dafür nicht. Im kommenden Jahr wird im Rahmen des zweiten sogenannten Global Stocktake, einer alle fünf Jahre stattfindenden weltweiten Bestandsaufnahme, Bilanz über das gezogen, was erreicht oder eben nicht erreicht wurde. Deshalb wird auf der COP31 vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen: Wie können die Länder ihre Zusagen ausbauen und verbindlicher machen? Besonders bei der Klimafinanzierung prallen Interessen aufeinander: Entwicklungsländer fordern mehr öffentliche Mittel. Industrieländer wollen hingegen, dass auch die Wirtschaft und die Schwellenländer mehr zahlen.

Wer nimmt an der Konferenz teil?

An der Konferenz nehmen die 198 Vertragsparteien teil, die das Klimaabkommen unterschrieben haben. Dazu kommen Beobachter, überwiegend internationale Organisationen, aber auch die Palästinensischen Gebiete oder der Vatikanstaat. Außerdem sind jeweils einige Tausend Nichtregierungsorganisationen vertreten. Die Konferenzen werden vom UNFCCC-Sekretariat, dem Klimasekretariat der UN, in Zusammenarbeit mit dem Gastgeberland organisiert. Die bisher größte COP fand 2023 in Dubai mit gut 100.000 Teilnehmenden statt. Für Antalya rechnen die Gastgeber mit einer ähnlichen Größenordnung.

Was sind die Ziele der UN-Klimakonferenz?

Bei den Klimakonferenzen treffen sich die Mitglieder der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) einmal im Jahr, um den Wandel hin zu einer klimaneutralen Welt voranzutreiben. Dabei sollen die Beschlüsse aus dem Übereinkommen von Paris weiterverarbeitet und umgesetzt werden. Es sieht vor, klimaschädliche Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf null zu reduzieren („Net Zero“) und das Ziel von 1,5 Grad zu erreichen. Stärker soll sich die Erde nicht erwärmen, weil sonst die Folgen als nicht mehr beherrschbar gelten. Wichtig sind auch Beschlüsse dazu, wie sich Menschen und Gesellschaften an das veränderte Klima anpassen können.

Welchen Beitrag leistet die GIZ zu den Zielen des Übereinkommens von Paris?

Die GIZ trägt dazu bei, die internationalen Klimabeschlüsse umzusetzen. Mit über 100 Projekten in mehr als 40 Ländern berät sie zum Beispiel Staaten dabei, ihre Energiesysteme auf erneuerbare Energien umzustellen. Auch der Aufbau von Kohlenstoffmärkten spielt eine wichtige Rolle: Entwicklungsländer können Projekte zur Senkung des Kohlenstoffausstoßes aufsetzen und die Zertifikate, die daraus entstehen, international verkaufen. Wie sie das organisieren, welche Regeln sie beachten müssen und wie sie Projekt-Pipelines aufbauen können, dabei hilft die GIZ.

Welche Ergebnisse brachte die COP30 in Belém hervor?

Die COP30 in Brasilien fand am Rande des Amazonas-Regenwaldes statt, des größten zusammenhängenden Tropenwaldgebietes der Erde. Entsprechend legte Brasilien einen besonderen Fokus auf Waldschutz und rief die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ins Leben. Das ist ein internationaler Finanzmechanismus, bei dem Länder mit tropischen Wäldern dafür bezahlt werden sollen, dass sie diese Wälder erhalten, statt sie abzuholzen. Der Fonds ist derzeit im Aufbau. Außerdem kündigte Brasilien in Belém einen globalen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien an, den sogenannten TAFF-Prozess (TAFF: „Transitioning Away from Fossil Fuels“). Auf der COP30 gab es dazu keine Einigung, deshalb wurden die Gespräche nach der Konferenz auf Anregung Brasiliens weitergeführt. Mehr als 50 Staaten nehmen daran bereits teil. Ein erstes Treffen in Kolumbien fand schon statt.

Wo stehen wir bei der Erderwärmung?

Nach Erkenntnissen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) steigt die globale Temperatur weiter. 2025 lag die globale Durchschnittstemperatur bei rund 1,4 Grad über dem Niveau vor der Industrialisierung und damit auf einem hohen Stand. Das Wasser der Ozeane war so warm wie nie zuvor. Der Spielraum, um die langfristige Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wird kleiner. Ohne zusätzliche Maßnahmen erreicht die globale Erwärmung bis zur Jahrhundertwende 2,6 Grad. So lautet eine Prognose des Climate Action Trackers. Und das auch nur, wenn alle Länder einhalten, was sie versprochen haben.

Um 2,6°C

wird sich die mittlere Erdtemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts ohne zusätzliche Maßnahmen erhöhen.

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