Erklärt

Die globale Wasserkrise betrifft uns alle

Klimawandel und Übernutzung machen Wasser zu einem knappen Gut. Wie die GIZ daran mitarbeitet, diese Krise zu bewältigen, erklärt unser Kollege Dieter Rothenberger. Er koordiniert die Projekte, mit denen wir die Wasser- und Sanitätsversorgung weltweit verbessern.

Der Wasserstand des Bodensees liegt auf einem Rekordtief; auf dem Rhein können Frachtschiffe nicht mehr voll beladen werden; eingeschränkter Betrieb bei der Weißen Flotte in Dresden. Solche Nachrichten erreichen uns im Sommer 2026 aus ganz Deutschland. Hitze und Trockenheit lassen Pegel sinken und selbst bei uns, in einer eigentlich wasserreichen Gegend, wird die Lage kritischer.

Weltweit ist die Situation noch dramatischer: Am Horn von Afrika leiden die Menschen seit Jahren bittere Not, weil Regenzeiten immer wieder ausfallen und Landwirtschaft kaum noch möglich ist. Dasselbe erleben die Länder in der Sahelzone. Auch in Teilen von Indien und Pakistan sinken die Grundwasserspiegel. Viele Staaten befinden sich mittlerweile in einer historischen Wasserkrise.

Man kann den Blick fast rund um den Globus schweifen lassen und sieht ein deutliches Muster: Wasser wird knapper. So knapp, dass die Vereinten Nationen unlängst den „Wasserbankrott“ ausgerufen haben: Die Welt verbraucht mehr Wasser, als sich auf natürliche Weise erneuert. Auch früher gab es Dürren, aber auf einen Mangel folgte meist eine Phase der Erholung. Heute ist das nicht mehr garantiert – wegen höherer Temperaturen und des Verlustes an Natur.

 

Dieter Rothenberger
Dieter Rothenberger leitet seit 2023 den Globalen Wasser- und Sanitärversorgungs-Cluster der GIZ.

Wasser als Schlüsselfaktor für Wirtschaft und Lieferketten

Dabei ist Wasser für jeden Wirtschaftszweig wichtig: in der Landwirtschaft sowieso, aber auch bei der Energieversorgung, der Stahlproduktion, der Papierherstellung, in der chemischen Industrie und in der Bauwirtschaft. Und natürlich im IT-Bereich – ohne Wasser funktionieren weder die Halbleiterproduktion noch Rechenzentren.

Über globale Lieferketten betrifft uns inzwischen auch die Wassernot anderswo. So gingen die höheren Kaffeepreise der letzten Zeit auf Dürren in zentralen Anbaugebieten etwa in Brasilien oder Vietnam zurück. Ähnliches gilt für Olivenöl, vor allem in den Mittelmeerländern Spanien und Griechenland. Auch die Lithiumgewinnung für Batterien in Computern und Elektroautos verbraucht viel Wasser in häufig trockenen Gegenden, beispielsweise in Chile oder Argentinien.

Deshalb sind Wasserkrisen, früher weit weg und gedanklich auf Wüstenregionen in Afrika begrenzt, mittlerweile zu einem globalen Problem geworden, das uns alle angeht. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung nicht einfach laufen zu lassen, sondern dagegen anzuarbeiten.

 

Wie die GIZ Wassersysteme stärkt – für Menschen und Wirtschaft

Für vieles gibt es Lösungen, die wir bei der GIZ mit anschieben. Die Investitionen in nachhaltige Wassersysteme, in Speicher, Kläranlagen, effiziente Bewässerungslösungen und eine höhere Wasserproduktivität lohnen sich. Sie helfen, Wasser bewusster und besser zu nutzen. So bleiben mehr Ressourcen für diejenigen übrig, die bisher keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das ist etwa jeder vierte Mensch. Immer noch viel zu viele, denn Wasser ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht. Es geht dabei auch um Würde, Gesundheit und Teilhabe.

Entsprechend decken unsere Maßnahmen ein breites Spektrum ab. Wir unterstützen Versorgungsunternehmen, ihr Wassermanagement zu optimieren – etwa in Jordanien, wo wir helfen, Leckagen aufzuspüren und Netze zu modernisieren. Oder in Marokko, wo wir den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft fördern, durch die Abwasser gereinigt und wieder genutzt werden kann.

 

Illustration Wasser
Illustration Wasser

Sichereres Wasser für alle

Wir helfen Bäuer*innen dabei, ihre Felder wassersparender zu bewässern. In Äthiopien unterstützen wir sie dabei, sich durch Wasserspeicher längeren Trockenperioden anzupassen. In Mexiko arbeiten wir mit Getränkeherstellern und Bauernfamilien daran, durch einen schonenderen Umgang mit der Natur die Grundwasserspeicher wieder aufzufüllen.

An Schulen in Asien und Afrika wirken wir daran mit, dass mehr Schüler*innen von besserer Hygiene und sauberem Wasser profitieren. Heute versorgt die Wasserwirtschaft vielerorts Menschen mit Wasser, wo das vorher nicht der Fall war – dank digitaler Lösungen, die wir eingebracht, und Fachkräfte-Trainings, die wir angestoßen haben.

Und mit der Urban Water Catalyst Initiative (UWCI) haben wir 2023 ein Instrument geschaffen, das städtische Wasserversorger stärkt. Die UWCI entwickelt Versorgungsunternehmen so weiter, dass sie leistungsfähiger sind. Denn am Ende hängt es an ihnen, vor Ort sicheres Wasser für alle bereitzustellen.

Wasserdiplomatie als Schlüssel zur Lösung internationaler Konflikte

Schließlich vermitteln wir, wenn sich Staaten eine Wasserquelle teilen, etwa den Nil. Über die Nile Basin Initiative bringt die GIZ die elf Anrainerstaaten zusammen und unterstützt sie dabei, Wasser gemeinsam friedlich zu nutzen. Wir bauen dabei ein System mit auf, mit dem die Länder ihre Wassernutzung erfassen und Daten austauschen können. Außerdem entwickeln wir gemeinsam mit unseren Partnern ein Investitionsprogramm für das gesamte Nilbecken. Diese enge fachliche Zusammenarbeit schafft Vertrauen und erleichtert auch politische Verhandlungen. So haben inzwischen die meisten Anrainerstaaten, darunter auch Äthiopien, ein gemeinsames Rahmenabkommen unterzeichnet und damit den Weg für eine Nilbecken-Kommission geebnet – vergleichbar mit der Rheinkommission in Europa. Ähnliches leisten wir am Mekongdelta oder im Nigerbecken.

Das alles, damit Wasser in einer ohnehin unruhigen Welt nicht zum Auslöser weiterer Krisen wird. Unser Ziel lautet: die globale Wasserkrise vorausschauend entschärfen. Dafür wollen wir Wasser weltweit als Ressource für wirtschaftliche Entwicklung, Zusammenarbeit und Stabilität sichern. Davon profitieren alle.

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