Interview

„Wasserkooperationen können Konflikte deutlich entschärfen“

Susanne Schmeier ist Professorin für Wasserkooperationen, Recht und Diplomatie in den Niederlanden. Ihre Forschung zeigt: Konflikte um Wasser lassen sich vorausschauend managen – am besten mit internationaler Unterstützung. 

Interview: Friederike Bauer
Susanne Schmeier
Susanne Schmeier

Viele reden heute von einer globalen Wasserkrise. Können Sie das als Wissenschaftlerin bestätigen?

Tatsächlich sehe ich weltweit Probleme rund um Wasser. Nicht immer geht es um Wasserknappheit. In der Wissenschaft sprechen wir vom Dreiklang: zu viel, zu wenig, zu dreckig. Unter mindestens einem dieser Faktoren leiden fast alle Weltregionen. Auch Gegenden, in denen genug Wasser verfügbar ist, haben häufig ein Qualitätsproblem – manchmal ist das Wasser verschmutzt oder es ist nicht ausreichend aufbereitet. Das sehen wir zum Beispiel in Bangladesch oder rund um das Kongobecken.

Was sind die Haupttreiber dieser Krise?

Ganz klar der Klimawandel. Er führt zu mehr Extremen bei Wasser, mit denen wir noch nicht gut genug umgehen. Eine wachsende Weltbevölkerung, verbunden mit einem steigenden Lebensstandard, wirkt als zusätzlicher Verstärker. Das hängt auch mit den Bemühungen zusammen, nachhaltige Entwicklungsziele wie Energie und Nahrung für alle zu erreichen, aber dies erhöht zugleich den Druck auf die verfügbaren Wasserressourcen.

 

Müssen wir uns auf Kriege um Wasser einstellen?

Kriege um Wasser sind bisher selten und werden nach heutiger Sicht auch künftig die Ausnahme bleiben. Nachbarländer, die sich eine Wasserquelle teilen, leben meist in einem Geflecht aus wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen. Wasser ist dann einer unter mehreren Faktoren. Deshalb haben Staaten häufig ein Interesse daran, Konflikte um Wasser beizulegen. Wasser ist mehr ein „Multiplikator“: Wenn es ohnehin schon Spannungen gibt, kann Wasser wortwörtlich das Fass zum Überlaufen bringen. Aber dort, wo nachbarschaftliche Beziehungen gut und vielfältig sind, entwickeln sich Meinungsverschiedenheiten über Wasser seltener zu Konflikten.

Gibt es Beispiele dafür?

Ja, sogar eine ganze Reihe. Am Mekong-Fluss etwa regelt eine gleichnamige Kommission die Nutzung des Mekong zwischen den vier Anrainerstaaten Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam. Die Kommission bietet einen festen Rahmen, um aufkommende Konflikte diplomatisch zu besprechen. Die Mitglieder tauschen wertvolle Informationen aus, etwa über Wasserstände, Hochwassergefahren oder die Folgen von Infrastrukturprojekten. Eine ähnliche Institution existiert auch am Nil mit elf Anrainerstaaten, die Nile Basin Initiative. Hier sind die Verteilungskonflikte etwas härter, aber die internationale Wasserkooperation ist hier ebenfalls ein wichtiges Forum, um Spannungen abzubauen. An beiden war und ist auch die GIZ entscheidend beteiligt. Und es gibt weltweit noch zahlreiche andere.

Wäre es ohne grenzüberschreitende Wasserinstitutionen zu stärkeren Konflikten gekommen?

Die Frage, was ohne diese Institutionen gewesen wäre, lässt sich wissenschaftlich nicht mit letzter Sicherheit beantworten. Aber ich bin absolut überzeugt davon, dass es vor allem am Nil ohne die Nile Basin Initiative und ohne die Unterstützung der GIZ zu weitaus härteren Diskussionen und Auseinandersetzungen gekommen wäre. Klar ist: Internationale Wasserkooperationen funktionieren und können Konflikte deutlich entschärfen. Voraussetzung ist, dass sich alle Beteiligten an Beschlüsse und Übereinkünfte halten.

Braucht es dafür immer internationale Unterstützung?

Oft ja, aber nicht immer; das hängt vom Entwicklungsgrad der Länder und ihrer Kooperation ab. Ein interessantes Beispiel ist das südliche Afrika rund um den Orange-Senqu-Fluss. Beteiligte Länder sind Botsuana, Lesotho, Namibia und Südafrika. Um das Wasser besser zu managen, wurde im Jahr 2000 die Orange-Senqu River Commission gegründet. Auch hier war die GIZ maßgeblich beteiligt, hat am Anfang sogar das Sekretariat unterhalten. Inzwischen managen das die Länder erfolgreich und weitgehend allein. Andere Gegenden, etwa am Niger, brauchen länger internationale Unterstützung.

Welche Rolle spielen die weltweit sinkenden Entwicklungsbudgets hier?

Was geschieht, wenn sich Geber zurückziehen, haben wir am Beispiel der US-Entwicklungsbehörde USAID gesehen. Die USA waren nicht so sehr im Wassersektor engagiert, deshalb sind die Auswirkungen bei Gesundheitsthemen stärker. Aber wenn alle diesem Beispiel folgen, wird das ernste Konsequenzen haben. Dann werden wir sicherlich häufiger vielleicht nicht Kriege, aber doch handfeste Konflikte um die knapper werdende Ressource Wasser erleben. Mir bereiten die insgesamt nationalistischen Tendenzen Sorge, weil sie den Nutzen von internationalen Wasserkooperationen vollkommen unterschätzen. Deshalb sollte Deutschland als einer der größten Geber im Wassersektor sein Engagement auf keinen Fall zurückfahren, sondern gegenüber Partnern weltweit den Nutzen von Wasserkooperationen betonen. Und das nicht nur für nachhaltiges Wassermanagement, sondern auch für wirtschaftliche Entwicklung sowie Frieden und Sicherheit.

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