Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit für sichere Nachbarschaften

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Inklusive Gewaltprävention (VCP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südafrika
Politischer Träger: Ministerium für kooperative Regierungsführung mit Vorsitz im nationalen Lenkungsausschuss
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2021

Südafrika. Junge Menschen in Johannesburg © GIZ

Ausgangssituation

Die Mobilität und Lebensqualität der Menschen sowie ihre Teilhabe am öffentlichen Leben und an der nachhaltigen Entwicklung des Landes sind eng mit den Themen Sicherheit und Freiheit von Gewalt und Kriminalität verknüpft. In Südafrika ist die hohe Gewaltrate eines der größten Hindernisse für die Entwicklung des Landes. Eine extreme Ungleichheit, die hohe Arbeitslosigkeit, der unzureichende Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen sowie fehlende Zukunftsperspektiven, insbesondere für junge Menschen, begünstigen die Gewalt in der südafrikanischen Gesellschaft. Hinzu kommen die Folgen einer sozial und räumlich segregierten Stadtentwicklung während der Zeit der Apartheid.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der nationalen Gewaltpräventionspolitik von Südafrika (die im Weißbuch zu den Themen Sicherheit und Gefahrenabwehr festgelegt wurden) sind verbessert.

Südafrika. Spielende Kinder vor einem Hochhaus. © GIZ

Vorgehensweise

Eine effektive Gewaltprävention erfordert die Mitwirkung von vielen verschiedenen Bereichen, beispielsweise soziale Entwicklung, Jugendsozialarbeit, Stadtentwicklung, Bildungs- und Polizeiarbeit sowie aller staatlichen Ebenen. Daher verfolgt das Projekt „Inklusive Gewaltprävention“ (Inclusive Violence and Crime Prevention, VCP) einen integrierten, ganzheitlichen und partnerorientierten Ansatz zur Unterstützung der Gewalt- und Kriminalitätsprävention in Südafrika. Das Vorhaben arbeitet auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene mit der südafrikanischen Regierung sowie mit relevanten Akteuren der Zivilgesellschaft zusammen, um die Umsetzung der südafrikanischen Sicherheitspolitik vor Ort zu verbessern. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Stärkung der Handlungsfähigkeit der Lokalregierungen und der Freiwilligenarbeit von Jugendlichen zur Förderung von lokalen Präventionsinitiativen. Das Projekt ist in zwei Handlungsfeldern tätig, die einander ergänzen:

  • Erfüllung der Anforderungen auf Systemebene für die wirksame Umsetzung des nationalen Weißbuchs zu den Themen Sicherheit und Gefahrenabwehr: Wie im Weißbuch dargelegt, umfassen diese Anforderungen die Ausarbeitung eines Szenarios für die Einrichtung einer Nationalen Stelle für Gewalt- und Kriminalprävention, das eine kohärente, staatliche Antwort auf Gewalt und Kriminalitätsprävention koordiniert. Ferner ist die Abstimmung des Weißbuchs mit anderen einschlägigen politischen Maßnahmen geplant, beispielsweise mit der nationalen Stadtentwicklungspolitik und dem nationalen Strategieplan zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt und Frauenmorden. Darüber hinaus sollen Modelle für eine nachhaltige öffentliche Finanzierung von Maßnahmen zur Gewaltprävention entwickelt, die Schaffung einer Datengrundlage für kostengünstige Maßnahmen zur Gewaltprävention unterstützt und die Institutionalisierung digitaler Instrumente für die Wissensverbreitung und Beratungsleistungen vorangetrieben werden.
  • Institutionalisierung und Weiterentwicklung ausgewählter Maßnahmen zur Gewaltprävention: Das Projekt zielt darauf ab, die langfristige Nachhaltigkeit und die landesweite Umsetzung von zwei Maßnahmen zur Gewaltprävention zu fördern, die im Mittelpunkt des Vorgängerprojekts standen. Diese sind: 1) die Entwicklung kommunaler Kapazitäten für die Vorbereitung und Umsetzung von evidenzbasierten Sicherheitsplänen für lokale Gemeinden durch partizipative Prozesse mit mehreren Stakeholdern; und 2) die Förderung junger Führungskräfte im Rahmen der Freiwilligenarbeit mit Jugendlichen innerhalb und außerhalb der Schule als Mittel, um das Potenzial von Jugendlichen als Träger von positiven Veränderungen für sicherere Gemeinden zu nutzen. Das Vorhaben arbeitet insbesondere mit den Anlaufstellen für jugendliche Freiwillige (Youth Crime Prevention Desks) und dem Nachwuchsförderungsprojekt (Junior Commissioners Project) der südafrikanischen Polizei zusammen.

Wirkungen

Das Vorhaben hat im Rahmen der Umsetzung des nationalen Weißbuchs zu den Themen Sicherheit und Gefahrenabwehr drei neue Unterstützungsmaßnahmen für die Lokalregierungen eingeführt: eine Einführungsschulung und einen Leitfaden für neu gewählte Gemeinderät*innen, die sie über ihre Funktionen und Aufgaben in Bezug auf die Sicherheit in der Gemeinde informiert. Hinzu kommt ein vom südafrikanischen Gemeindeverband angebotenes Online-Tutorial für Sicherheitsfachkräfte sowie ein Schulungsprogramm für Gemeindebeamt*innen und -rät*innen, anhand dessen die Teilnehmenden die Ausarbeitung und Umsetzung von lokalen, partizipativen Sicherheitsplänen für die Gemeinden erlernen können. Durch die Schulungen in mehr als 35 Gemeinden konnten bereits mehr als 340 Beamt*innen erreicht werden. Gleichzeitig werden 10 Gemeinden in den Provinzen Eastern Cape und Gauteng intensiv bei der Entwicklung von wirksamen Sicherheitsplänen unterstützt.
Im Weißbuch zu den Themen Sicherheit und Gefahrenabwehr wird ein integrierter Ansatz zur Gewalt- und Kriminalitätsprävention befürwortet, der auf einer fundierten Wissens- und Faktenbasis sowie auf zivilgesellschaftlichen Partnerschaften beruht. Eine in diesem Zusammenhang zentrale Maßnahme ist das Onlineportal Safer Spaces, das vom Polizeidienstlichen Zivilsekretariat gemeinsam mit einer Beratungsgruppe aus Vertreter*innen von Regierung und Zivilgesellschaft verwaltet wird. Die Website ist die landesweit wichtigste Plattform für den Wissensaustausch und die Verbreitung von bewährten Praktiken im Bereich Gewalt- und Kriminalitätsprävention. Die Website wird zunehmend von staatlichen Institutionen, NGOs und anderen Interessengruppen genutzt. Bis 2019 haben sich 285 Praktiker*innen bei der Website registrieren lassen, die ihre jeweilige Expertise zu relevanten Themen wie geschlechtsspezifische Gewalt, Drogenkonsum, Bandenkriminalität sowie Kriminalitätsprävention durch Gestaltung der Umgebung einbringen.
In Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Polizei werden von gemeindenahen Kriminalitätspräventionsstellen für jugendliche Freiwillige Schulungen zur Qualifizierung und Einbindung von Jugendlichen durchgeführt. Die Schulungen befähigen junge Menschen dazu, aktiv zum Wandel in ihren Wohnvierteln beizutragen. Bislang wurden an den Polizeiwachen 120 junge Freiwillige sowie über 60 Polizist*innen in ihrer Funktion als Mentor*innen geschult. Dies hat dazu geführt, dass 27 Anlaufstellen für jugendliche Freiwillige in den Provinzen Gauteng und Eastern Cape aktiv Präventions- und Sensibilisierungsinitiativen in den Gemeinden durchführen. Die Teilnehmenden werden so ausgewählt, dass ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis gewährleistet wird. Genderspezifische Aspekte werden bei allen im Rahmen des Projekts durchgeführten Schulungen für Jugendliche berücksichtigt.

Videos

Weitere Informationen