Qualifizierte Arbeitskräfte für die äthiopische Wirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Kapazitätsaufbau im Bildungswesen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Partner: Ministry of Education (MoE)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

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Ausgangssituation

Im Nationalen Entwicklungsplan der äthiopischen Regierung nimmt der Bildungssektor eine Schlüsselrolle ein, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben und Perspektiven für eine rasant wachsende Bevölkerung zu schaffen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden umfangreiche Strukturmaßnahmen finanziert; landesweit wurden Hoch- und Berufsschulen gebaut. Heute gibt es 39 Universitäten in Äthiopien, zu Beginn der 1990er-Jahre waren es nur 2. Die Zahl der Berufsschulen wurde zwischen 2011 und 2015 auf über 900 fast verdoppelt.

Die Expansion des Bildungssystems eröffnet der jungen Bevölkerung viele Chancen, bedeutet aber auch eine Herausforderung: Bislang ist Lehrpersonal oft nicht angemessen qualifiziert, Qualitätsstandards fehlen oder sind nur unzureichend vorhanden, Ausbildungs- und Studiengängen fehlt Praxisbezug. Absolventen der Berufs- und Hochschulen erfüllen so häufig nicht die Ansprüche der schnell wachsenden äthiopischen Wirtschaft. Die Nationale Berufsbildungsagentur, die regionalen Berufsbildungsagenturen, die Hochschulqualitätsagentur, das Zentrum für Strategieentwicklung im Bildungswesen und das Bildungsministerium sind institutionell gefordert, die Reformen des Bildungswesens für Qualitätssicherung und Arbeitsmarktrelevanz koordiniert und effektiv zu gestalten.

Ziel

Die Qualität der Berufs- und Hochschulbildung ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet auf institutioneller und personeller Ebene und umfasst je eine Komponente zur Berufs- und Hochschulbildung.

Berufliche Bildung

  1. Einführung der kooperativen Berufsausbildung
    Äthiopien will langfristig ein kooperatives Berufsbildungssystem einführen und Unternehmen eng in die Ausbildung einbinden. Perspektivisch sollen 70 Prozent der Lehrinhalte in Unternehmen und 30 Prozent in Berufsschulen vermittelt werden. Das Vorhaben unterstützt den Partner dabei, die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Ferner werden ausgewählte Berufsschulen darin gefördert, Unternehmen stärker in die Berufsausbildung einzubinden.
  2. Verbesserung der Ausbildungsprofile und Prüfverfahren
    Ausbildungsprofile und Prüfverfahren werden überarbeitet, um den Anforderungen der Wirtschaft an Fachkräfte zu entsprechen. Praxisnähe ist Grundlage einer hochwertigen, den Bedarfen der Unternehmen entsprechenden Berufsausbildung.
  3. Stärkung der Berufsbildungsinstitutionen
    Das Vorhaben unterstützt die hochwertige Ausbildung von Berufsschullehrkräften, beispielsweise am Nationalen Berufsschullehrerinstitut.
  4. Stärkung von Kleinst- und Kleinunternehmen
    Berufsschulen haben in Äthiopien den Auftrag, Kleinst- und Kleinunternehmen bei ihrer Geschäftstätigkeit zu fördern. Das Vorhaben unterstützt Berufsschulen dabei, diesen Auftrag bedarfsgerecht zu erfüllen. So werden der Erfolg von Kleinst- und Kleinunternehmen am Markt sichergestellt und Beschäftigungsperspektiven geschaffen.

Hochschulbildung

  1. Entwicklung einer Hochschulstrategie und Aufbau eines Managementinformationssystems
    Um langfristig zur arbeitsmarktorientierten, effizienten Ausrichtung des äthiopischen Hochschulwesens beizutragen, unterstützt das Vorhaben das Bildungsministerium bei der Entwicklung einer Hochschulstrategie. Sie wird die Gestaltung des Hochschulsektors in den nächsten Jahrzehnten regeln und Standards für eine qualitätsgesicherte Hochschulbildung setzen. Ein neues Informationssystem wird künftig verlässliche Daten über Immatrikulation, Graduierung, Fächerwahl oder den Verbleib von Absolventen auf dem Arbeitsmarkt liefern. Die Daten sind Voraussetzung für die politische Steuerung des Hochschulsektors.
  2. Qualifizierung von Hochschulführungskräften
    Das Vorhaben unterstützt die Qualifizierung von Entscheidungsträgern und Führungskräften aller Universitäten Äthiopiens. Für die Berufung von Führungspersonal werden transparente Standards erarbeitet.
  3. Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems
    Zusammen mit dem äthiopischen Partner werden Qualitätsstandards überarbeitet und Qualitätsbeauftragte in der Umsetzung weitergebildet.
  4. Stärkung von Technologietransfer und Existenzgründung
    Es ist Aufgabe der äthiopischen Universitäten, Problemlösungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. Das Vorhaben unterstützt sie dabei, Theorien und Ideen zur Marktreife zu führen und Produkte für den lokalen Markt zu entwerfen. Systematisch werden dazu Verbindungen zwischen Unternehmen und Universitäten aufgebaut und gestärkt.

Um die zahlreichen Aktivitäten umzusetzen, werden Consultingunternehmen beauftragt, beispielsweise CHE Centrum für Hochschulentwicklung, A.R.S. Progetti, SEQUA und GOPA.

Wirkung

Durch die grundlegenden Verbesserungen im Berufs- und Hochschulsystem werden mehr als 350.000 Berufsschüler und über 750.000 Studierende (2015) erreicht. Bis Ende 2016 konnten landesweit mehr als 6.100 Berufsschullehrer an über 900 Berufsschulen qualifiziert werden.

Über 2.500 Fachkräfte aus der Berufs- und Hochschulbildung sowie Kleinunternehmer wurden bis Anfang 2017 in Unternehmensführung, Technologietransfer, Didaktik und anderen Themen fortgebildet. Sie vermitteln ihre Kenntnisse als Multiplikatoren für bessere Unterrichtsqualität oder zur marktorientierten Produktenwicklung.

121 Unternehmen wurden bisher in die praxisnahe Berufsausbildung eingebunden. Ihre Beteiligung ist ein erster Beitrag zur Umsetzung der kooperativen Berufsausbildung.

Einschreibung neuer Berufsschüler in Addis Ababa © GIZ

Führungskräfte äthiopischer Hochschulen haben am Austausch mit Leitungspersonal deutscher Hochschulen teilgenommen. Sie tauschten sich über Verwaltungsstandards und die Steuerung von Hochschulen aus, um das Management äthiopischer Hochschulen langfristig zu verbessern.

Durch die gezielte Förderung von Technologietransfer und Innovationen an Berufs- und Hochschulen können Produkte entwickelt werden, die den Bedarfen des äthiopischen Marktes entsprechen und deren Herstellung Beschäftigungsperspektiven schafft. Erste Ergebnisse sind ein an die lokalen Bedingungen angepasster Brutkasten für Frühgeburten oder ein Gerät zur Herstellung von destilliertem Wasser für den Krankenhausbetrieb.