Aufbau eines nationalen Kompetenzzentrums Klimaschutz und -anpassung in Marokko (4C Maroc)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Aufbau eines nationalen Kompetenzzentrums Klimaschutz und -anpassung in Marokko (4C)
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Marokko
Politischer Träger: Ministère délégué auprès du Ministre de l’Energie, des Mines, de l’Eau et de l’Environnement, chargé de l’Environnement
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Ausgangssituation

Marokko ist aufgrund seiner geografischen Lage dem Klimawandel stark ausgesetzt und engagiert sich seit der Unterzeichnung der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (1992) aktiv gegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels.

Ein erstes nationales Treibhausgasinventar wurde im Jahr 1994 durchgeführt, 2009 wurde in Kopenhagen der nationale Plan gegen die globale Erwärmung (PNRC) präsentiert. Er spiegelt den Wunsch des Königreichs, trotz des hohen Wirtschaftswachstums ein „kleiner“ Treibhausgasproduzent zu bleiben.

Derzeit gibt es keine formale Struktur auf nationaler oder regionaler Ebene zum Klimaschutz. Das Klimakompetenzzentrum soll hier Abhilfe schaffen.

Ziel

Durch den Aufbau eines Klimakompetenzzentrums kann Marokko seine nationale Klimapolitik besser umsetzen und weiterentwickeln.

Vorgehensweise

Das Vorhaben definiert die Rolle und die Aufgaben des Klimakompetenzzentrums auf regionaler und nationaler Ebene im Rahmen von Konsultationen zwischen den Partnern in den relevanten Branchen. Der Schulungsbedarf der verschiedenen Akteure wird analysiert, die notwendigen Ausbildungen werden zur Verfügung gestellt.

Um bereits existierende erfolgreiche Maßnahmen systematisch zu bewerten, aufzuzeichnen und zu verbreiten, wird das Vorhaben den marokkanischen Institutionen gute Praxisbeispiele mit detaillierten Angaben zur Methodik, Kosten und Wirkungen zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus werden Instrumente für ein nachhaltiges Wissensmanagement im Themenbereich Treibhausgas und Anpassung an den Klimawandel entwickelt:

  • Gestaltung einer Klimadatenbank
  • Entwicklung von Vulnerabilitätsindikatoren
  • Erhebung, Verarbeitung und Bereitstellung von Daten und Tools, die für Ausbildungen zum Thema Klimawandel relevant sind (Climate-Proofing, NAMA)
  • Erstellung einer Liste von Kontakten, die für die Berücksichtigung von Klimarisiken in der territorialen und sektoralen Planung Sorge tragen
  • Entwicklung eines Informationssystems, das die systematische Entwicklung von Treibhausgasinventaren erlaubt und somit die Erstellung des nationalen Berichts gemäß der UN-Klimarahmenkonvention erleichtert
  • Begleitung der Entwicklung der national festgelegten Beiträge Marokkos zur Treibhausgasminderung (INDC)
  • Aufbau und ständige Aktualisierung einer Webseite des Klimakompetenzzentrums

Auf internationaler Ebene wird das Vorhaben den Klimadialog mit anderen Maghreb-Ländern, Deutschland und der Europäischen Union (EU) unterstützen, dabei werden der Privatsektor, Wissenschaftler und die Zivilgesellschaft eingeschlossen. Ein Partnerschaftsvertrag soll mit mindestens einem ähnlichen Zentrum in Europa unterzeichnet werden.

Wirkung

Das 4C-Projekt unterstützte die Entwicklung der marokkanischen Klimapolitik sowie des nationalen Grünen Investitionsplans. Die Struktur der nationalen Behörde für den UN-Klimafonds wurde im Projekt geplant; es begleitete auch die Akkreditierung der marokkanischen Agentur für landwirtschaftliche Entwicklung.

Das Projekt hat die Entwicklung der marokkanischen Klimaschutzbeiträge sowie deren Revision begleitet. Die national festgelegten Klimaschutzbeiträge wurden daraufhin im September 2016 beim Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention eingereicht. Das Vorhaben trug außerdem maßgeblich zur Einrichtung des nationalen Treibhausgasinventarsystems bei, das im Oktober 2016 institutionalisiert wurde.

Das Projekt hat erheblich in den Aufbau von Kompetenzen, Ressourcen und Leistungsfähigkeit investiert, Zielgruppen waren der öffentliche und private Sektor, Banken, Journalisten, Frauenkooperativen und afrikanische Partner. Schulungsinhalte wurden dem jeweiligen Publikum und dessen Bedarfen angepasst: Allgemeines zum Klimawandel, Klimafinanzierung, Entwicklung der nationalen Beiträge, Integration von Anpassungsmaßnahmen in die Planung. Module für das Selbststudium wurden zusätzlich auf der Webseite des Kompetenzzentrums eingestellt.

Die marokkanische Delegation der Klimaverhandler wurde seit der Warschauer Klimakonferenz (2013) durch kontinuierliche Beratung und Ausbildung methodisch auf weitere Klimagipfel vorbereitet. Der Weltklimagipfel 2016 (COP 22) findet in Marokko statt.

Das 4C-Projekt unterstützte den Lenkungsausschuss der COP 22 durch den Aufbau von Kompetenzen und durch Unterstützung für wichtige Veranstaltungen, wie die informellen Verhandlungen sowie Expertenforen zu Themen wie Anpassungsmetrik, nationale Klimaschutzbeiträge und andere.

Zwei Initiativen der marokkanischen Präsidentschaft von COP 22 werden darüber hinaus vom Projekt unterstützt:

  1. Initiative zum Aufbau eines internationalen Netzwerks von Klimazentren und Think Tanks für den Aufbau von Kapazitäten im Bereich Klimawandel (INCCCETT 4 CB), getragen vom wissenschaftlichen Komitee der COP 22
  2. Internationale Energieeffizienzinitiative (IIEE), befördert von der marokkanischen Agentur für Energieeffizienz (AMEE)

Das Projekt unterstützte mit Erfolg den Institutionalisierungsprozess des 4C Maroc, seit Oktober 2016 eine öffentliche Interessenvereinigung. Die innovative Struktur vereint den öffentlichen und privaten Sektor, die Zivilgesellschaft sowie Forschungsorganisationen in einer gemeinsamen Struktur.

Die Website des Projekts 4C Marokko ist online. Sie enthält Datenbanken von Projekten und Experten sowie die wichtigsten Dokumente der nationalen Klimaschutzpolitik.