Ziviler Friedensdienst: Vergangenheitsarbeit und Förderung der Menschenrechte

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Stärkung der Menschenrechte und Förderung gewaltfreier sozialer Beziehungen als Beitrag zur Friedensentwicklung in Guatemala
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Guatemala
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Guatemala. Künstlerische Aufarbeitung des Kriegstraumas im Rahmen eines psychosozialen Begleitprozesses (Partnerorganisation ECAP) © GIZ

Ausgangssituation

Auch nach Unterzeichnung der Friedensverträge zur Beendigung des Bürgerkriegs 1996 ist die guatemaltekische Gesellschaft weiterhin durch Gewalt, Armut und extrem ungleiche Ressourcenverteilung geprägt. Ethnische und kulturelle Diskriminierung gehen Hand in Hand mit sozialer, politischer und wirtschaftlicher Verdrängung der vorwiegend indigenen Bevölkerungsmehrheit. Die politischen Strukturen lassen wenig Raum für aktive Bürgerbeteiligung und tatsächliche Mitbestimmung.

Die staatlichen Institutionen sind schwach und können die Grundbedürfnisse und Rechte der Bürger*innen nur unzureichend gewährleisten. Stark eingeschränkte öffentliche Sicherheit und Kriminalität sind verbunden mit einem hohen Maß an Straflosigkeit. Die Gewalt beeinflusst die Gestaltung sozialer Beziehungen und schwächt den sozialen Zusammenhalt. Das Potenzial des Staates, aufkeimende soziale Konflikte friedlich zu lösen, ist gering.

Menschenrechtsverletzungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden kaum verfolgt. Verteidiger*innen von Menschenrechten sehen sich zunehmend in ihrer Arbeit bedroht.

Ziel

Staatliche und nichtstaatliche guatemaltekische Institutionen sind zunehmend in der Lage, die Einhaltung der Menschenrechte sowie die Umsetzung der Rechte von Frauen und indigenen Gruppen zu gewährleisten. Vergangene und gegenwärtige Menschenrechtsverletzungen sind aufgearbeitet

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Vorgehensweise

Das Programm entsendet Fachkräfte, die guatemaltekische Institutionen beraten, und unterstützt deren Arbeit durch kleinere finanzielle Zuschüsse.
Das Programm berät staatliche und nichtstaatliche Akteure, die sich für Schutz, Achtung und Gewährleistung der Menschenrechte einsetzen. Dies wird als Voraussetzung für das gewaltfreie Bearbeiten von Konflikten und das Gestalten gewaltfreier sozialer Beziehungen verstanden.

Die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) stärkt deshalb die Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren in Regionen und Gemeinden in drei Bereichen: Sie unterstützt die Akteure darin, die Menschenrechte zu gewährleisten, vor allem von Frauen und indigener Bevölkerung. Sie fördert das Aufarbeiten von vergangenen und gegenwärtigen Menschenrechtsverletzungen. Sie analysiert Menschenrechtsverletzungen als Ursache und Folge sozialer Konflikte, mit dem Ziel, diese gewaltfrei zu bearbeiten.

Das Vorhaben stärkt benachteiligte Gruppen darin, ihre Rechte aktiv einzufordern und befähigt staatliche Institutionen, ihre Verantwortung besser wahrzunehmen. Der ZFD hat durch seine langjährige Arbeit in Guatemala vertrauensvolle Beziehungen zu verschiedenen Partnern aufgebaut und nutzt diese, um das Vertrauen zwischen den unterschiedlichen Parteien zu fördern und Netzwerke zu unterstützen. Zu den Arbeitsfeldern der Partner des ZFD in Guatemala gehören psychosoziale Begleitung, Archivarbeit, Erinnerungsarbeit und Menschenrechtsbeobachtung, Kunst und Kultur, Dialog sowie Neue Medien.

Der Einsatz von ZFD-Fachkräften in und durch Partnerorganisationen ermöglicht Partnernähe und einen intensiven Zugang zu den Zielgruppen. Durch den am Arbeitsablauf orientierten Ansatz können Projekte längerfristig begleitet werden.

Partnerorganisationen des Vorhabens sind unter anderem die staatliche Ombudsbehörde (PDH), das Menschenrechtsbüro der Katholischen Kirche (ODHAG), die Nichtregierungsorganisationen Equipo de Estudios Comunitarios y Acción Psicosocial (ECAP) und Memorial para la Concordia sowie die indigene Organisation Ajkemab‘ Rech K‘aslemal und der Verein Verdad y Vida.

Guatemala. Beisetzung von Opfern des Bürgerkriegs nach einer Exhumierung (Partnerorganisation CAFCA) © GIZ

Wirkungen

In Alta Verapaz und Baja Verapaz tritt die Bevölkerung der Maya Achi und Maya Poc'omchi mit Hilfe von Theater, Kunst und Geschichtsforschung dafür ein, ihre kulturellen Rechten auszuüben. Vor allem Lehrkräfte vermitteln die Lokalgeschichte im Unterricht und sorgen auf diese Weise für ein Engagement des Bildungsministeriums vor Ort.

Die Website „Memoria Virtual Guatemala“ ermöglicht den Zugang zu multimedialen Informationen, unter anderem zu Datenbanken, Dokumenten und Videos zum internen bewaffneten Konflikt Guatemalas. Zahlreiche Organisationen vernetzen sich hier miteinander und arbeiten aktiv zusammen, etwa durch die Nutzung sozialer Medien für eine Erinnerungskultur und für eine Aufarbeitung der Vergangenheit.

Frauen, die während des Bürgerkrieges schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt waren, werden psychosozial begleitet. Dies umfasst unter anderem ein Bearbeiten der traumatischen Erfahrungen und das Aufklären über Frauenrechte. Hinzu kommt eine Sensibilisierung im sozialen Umfeld, von nachfolgenden Generationen und männlichen Familienangehörigen. Darüber hinaus werden die Frauen und deren Familien vorbereitet und begleitet, um als Zeuginnen in Gerichtsprozessen auszusagen. So auch jene Frauen, die 2016 als Zeuginnen zu einem historischen Urteil beitrugen: Ein Gericht verurteilte zwei ehemalige hochrangige Militärs zu hohen Freiheitsstrafen. Die Richter bestätigten, dass das Militär sexuelle Gewalt massiv und systematisch als Mittel des Krieges und Völkermordes eingesetzt hatte. Guatemala ist damit richtungsweisend in der juristischen Aufarbeitung von Kriegsverbrechen.