Ziviler Friedensdienst: Vergangenheitsarbeit und Förderung der Menschenrechte

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Vergangenheitsarbeit und Förderung der Menschenrechte
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Guatemala
Politischer Träger: Zivilgesellschaftliche und staatliche Partnerorganisationen
Gesamtlaufzeit: seit 1999; aktuell: 2013 bis 2016

Guatemala. Künstlerische Aufarbeitung des Kriegstraumas im Rahmen eines psychosozialen Begleitprozesses (Partnerorganisation ECAP) © GIZ

Ausgangssituation

Auch nach Unterzeichnung der Friedensverträge zur Beendigung des Bürgerkriegs 1996 ist die guatemaltekische Gesellschaft weiterhin durch Gewalt, Armut und extrem ungleiche Ressourcenverteilung geprägt. Ethnische und kulturelle Diskriminierung gehen Hand in Hand mit sozialer, politischer und wirtschaftlicher Marginalisierung der vorwiegend indigenen Bevölkerungsmehrheit. Die politischen Strukturen lassen wenig Raum für aktive Bürgerbeteiligung und tatsächliche Mitbestimmung.

Die staatlichen Institutionen sind schwach und können die Grundbedürfnisse und Rechte der Bürgerinnen und Bürger nur unzureichend gewährleisten. Stark eingeschränkte öffentliche Sicherheit und Kriminalität sind verbunden mit einem hohen Maß an Straflosigkeit (70 Prozent). Die Gewalt beeinflusst die Gestaltung sozialer Beziehungen und schwächt die soziale Kohäsion. Das Potenzial des Staates, aufkeimende soziale Konflikte friedlich zu lösen, ist gering.

Menschenrechtsverletzungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden kaum verfolgt. Verteidiger von Menschenrechten sehen sich zunehmend in ihrer Arbeit bedroht.

Ziel

Staatliche und nichtstaatliche guatemaltekische Institutionen sind zunehmend in der Lage, die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten. Vergangene und gegenwärtige Menschenrechtsverletzungen werden aufgearbeitet. Dialogprozesse über die gewaltfreie Gestaltung individueller und sozialer Beziehungen unter Beteiligung der mehrheitlich indigenen Bevölkerung sind angestoßen. 

Guatemala. Workshop mit Vertreterinnen staatlicher Institutionen und der Zivilgesellschaft zum Thema Gewaltprävention (Stiftung ProPaz) © GIZ

Vorgehensweise

Das Programm entsendet Friedensfachkräfte zur Beratung guatemaltekischer Institutionen und unterstützt deren Arbeit durch kleinere finanzielle Zuschüsse. Die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) der GIZ konzentriert sich auf zwei Bereiche.

  1. Das Programm berät staatliche und nichtstaatliche Akteure, die sich für Schutz, Achtung und Gewährleistung der Menschenrechte sowie für die Aufarbeitung von vergangenen und gegenwärtigen Menschenrechtsverletzungen einsetzen.
    Unter anderem werden Personen, die schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten haben, psychosozial begleitet. Fähigkeiten relevanter Akteure werden gestärkt, um zur Registrierung und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen beizutragen sowie zur Archivierung, qualitativen Aufbereitung und Nutzung von diesbezüglichem Datenmaterial im Rahmen gesetzlicher Bestimmungen.
  2. Das Programm fördert Projekte, die die Auswirkungen der Gewaltkultur auf Individuen und soziale Beziehungen bearbeiten, Angst abbauen, Vertrauensbildung fördern und Potenziale für gesellschaftliche Dialog- und Versöhnungsprozesse aktivieren.
    Beispielsweise werden Dialogprozesse zwischen verschiedenen Akteuren über Gewaltkultur, deren Auswirkungen und mögliche Interventionen gefördert. Sie erlauben im geschützten Raum eine Reflektion über die gewaltfreie Gestaltung sozialer Beziehungen und dienen als Laboratorium für innovative Maßnahmen zur Gewaltprävention.
    Dialogprozesse zu Gewalterfahrungen während des Bürgerkrieges werden ebenfalls angestoßen, die neue Sichtweisen auf geschichtliche Prozesse erlauben und gesellschaftliche Versöhnungspotenziale fördern. Mitglieder indigener Gemeinden werden dabei unterstützt, soziale Prozesse zur Aufarbeitung vergangener Gewalterfahrungen und zur (Wieder-)Entdeckung traditioneller Werte und Umgangsformen zu initiieren. Außerdem werden neue Formen der Gemeindeorganisation angeregt, die friedliches Zusammenleben und gewaltfreie Konfliktbearbeitung in den Mittelpunkt stellen.

Der Einsatz von Friedensfachkräften in und durch Partnerorganisationen ermöglicht Partnernähe und einen intensiven Zugang zu den Zielgruppen. Durch den prozessorientierten Ansatz können Projekte längerfristig begleitet werden.

Partnerorganisationen des Vorhabens sind unter anderem die Stiftung ProPAZ, die staatliche Ombudsbehörde (PDH), das Historische Archiv der Nationalen Polizei (AHPN), das Menschenrechtsbüro der Katholischen Kirche (ODHAG), die Nichtregierungsorganisationen Centro de Análisis Forense y Ciencias Aplicadas (CAFCA) und Equipo de Estudios Comunitarios y Acción Psicosocial (ECAP) sowie Ajkemab` Rech K`aslemal.

Das ZFD-Programm stimmt seine Aktivitäten eng mit anderen Vorhaben der GIZ ab.

Wirkungen

Guatemala. Beisetzung von Opfern des Bürgerkriegs nach einer Exhumierung (Partnerorganisation CAFCA) © GIZ

Ein Beispiel aus der Praxis
Die Partnerorganisation ECAP wird seit 2008 unterstützt. Das Projekt „Das Schweigen brechen“ begleitet Frauen, die während des Bürgerkrieges schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt waren. Die psychosoziale Arbeit umfasst die Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen, Vernetzung der Betroffenen, Unterstützung bei Prozessen zur Wiedergutmachung, Aufklärung über Frauenrechte, Sensibilisierungsprozesse im sozialen Umfeld, Arbeit mit den nachfolgenden Generationen und die Vernetzung mit relevanten lokalen Institutionen. Das Projekt erreichte 2012 im Rahmen des GIZ-weiten Genderwettbewerbs den 3. Platz.