Ziviler Friedensdienst: Vergangenheitsarbeit und Förderung der Menschenrechte

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Stärkung der Menschenrechte und Förderung gewaltfreier sozialer Beziehungen als Beitrag zur Friedensentwicklung in Guatemala
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Guatemala
Gesamtlaufzeit: seit 1999; aktuell: 2013 bis 2019

Guatemala. Künstlerische Aufarbeitung des Kriegstraumas im Rahmen eines psychosozialen Begleitprozesses (Partnerorganisation ECAP) © GIZ

Ausgangssituation

Auch nach Unterzeichnung der Friedensverträge zur Beendigung des Bürgerkriegs 1996 ist die guatemaltekische Gesellschaft weiterhin durch Gewalt, Armut und extrem ungleiche Ressourcenverteilung geprägt. Ethnische und kulturelle Diskriminierung gehen Hand in Hand mit sozialer, politischer und wirtschaftlicher Marginalisierung der vorwiegend indigenen Bevölkerungsmehrheit. Die politischen Strukturen lassen wenig Raum für aktive Bürgerbeteiligung und tatsächliche Mitbestimmung.

Die staatlichen Institutionen sind schwach und können die Grundbedürfnisse und Rechte der Bürgerinnen und Bürger nur unzureichend gewährleisten. Stark eingeschränkte öffentliche Sicherheit und Kriminalität sind verbunden mit einem hohen Maß an Straflosigkeit (70 Prozent). Die Gewalt beeinflusst die Gestaltung sozialer Beziehungen und schwächt den sozialen Zusammenhalt. Das Potenzial des Staates, aufkeimende soziale Konflikte friedlich zu lösen, ist gering.

Menschenrechtsverletzungen aus Vergangenheit und Gegenwart werden kaum verfolgt. Verteidiger von Menschenrechten sehen sich zunehmend in ihrer Arbeit bedroht.

Ziel

Staatliche und nichtstaatliche guatemaltekische Institutionen sind zunehmend in der Lage, die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten. Vergangene und gegenwärtige Menschenrechtsverletzungen werden aufgearbeitet. Dialogprozesse über die gewaltfreie Gestaltung individueller und sozialer Beziehungen unter Beteiligung der mehrheitlich indigenen Bevölkerung sind angestoßen.

Vorgehensweise

Das Programm entsendet Fachkräfte zur Beratung guatemaltekischer Institutionen und unterstützt deren Arbeit durch kleinere finanzielle Zuschüsse.

Das Programm berät staatliche und nichtstaatliche Akteure, die sich für Schutz, Achtung und Gewährleistung der Menschenrechte einsetzen. Dies wird als Grundlage und Voraussetzung für die gewaltfreie Konflikttransformation und die Gestaltung gewaltfreier sozialer Beziehungen verstanden.
Die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) stärkt deshalb die Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren auf lokaler Ebene in drei Bereichen:

  1. Die Gewährleistung der Menschenrechte, insbesondere von Frauen und indigener Bevölkerung.
  2. Die Förderung der Aufarbeitung von vergangenen und gegenwärtigen Menschenrechtsverletzungen.
  3. Die Analysen von Menschenrechtsverletzungen als Ursache und Folge sozialer Konflikte, mit dem Ziel, diese gewaltfrei zu bearbeiten.

Benachteiligte Gruppen werden darin gestärkt, ihre Rechte aktiv einzufordern. Staatliche Institutionen werden befähigt, ihre Rolle als Pflichtenträger besser wahrzunehmen. Der ZFD hat durch seine langjährige Arbeit in Guatemala vertrauensvolle Beziehungen zu verschiedenen staatlichen und nicht staatlichen Partnern aufgebaut und nutzt dies, um die Vertrauensbildung zwischen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren zu fördern und Netzwerke zu stärken. Zu den Arbeitsfeldern der Partner des ZFD in Guatemala gehören psychosoziale Begleitung, Archivarbeit, Erinnerungsarbeit und Menschenrechtsbeobachtung, Kunst und Kultur, Dialog sowie Neue Medien.

Der Einsatz von ZFD-Fachkräften in und durch Partnerorganisationen ermöglicht Partnernähe und einen intensiven Zugang zu den Zielgruppen. Durch den prozessorientierten Ansatz können Projekte längerfristig begleitet werden.

Partnerorganisationen des Vorhabens sind unter anderem die staatliche Ombudsbehörde (PDH), das Menschenrechtsbüro der Katholischen Kirche (ODHAG), die Nichtregierungsorganisationen Centro de Análisis Forense y Ciencias Aplicadas (CAFCA) und Equipo de Estudios Comunitarios y Acción Psicosocial (ECAP) sowie die indigene Organisation Ajkemab` Rech K`aslemal und der Verein Verdad & Vida.

Guatemala. Beisetzung von Opfern des Bürgerkriegs nach einer Exhumierung (Partnerorganisation CAFCA) © GIZ

Wirkungen

Einige Beispiele aus der Praxis

In Alta - und Baja Verapaz treten die Bewohner mit Hilfe von Theater, Malerei und Geschichtsforschung aktiv für die Ausübung ihrer kulturellen Rechte als Maya Achi und Maya Poc'omchi Völker ein. Insbesondere Lehrkräfte vermitteln die Lokalgeschichte im Unterricht und sorgen auf diese Weise für ein lokales Engagement des Bildungsministeriums.

Das Online-Portal “Memoria Virtual Guatemala“ ermöglicht den Zugang zu Informationen, Datenbanken, Dokumenten und Kartenmaterial zum internen bewaffneten Konflikt Guatemalas. Zahlreiche Organisationen arbeiten hier aktiv für die Erinnerungskultur und für eine Aufarbeitung der Vergangenheit im öffentlichen Raum zusammen.

Frauen, die während des Bürgerkrieges schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt waren, werden durch die Partnerorganisation ECAP, psychosozial begleitet. Dies umfasst unter anderem die Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen, Vernetzung der Betroffenen, Unterstützung bei Prozessen zur Wiedergutmachung, Aufklärung über Frauenrechte, Sensibilisierungsprozesse im sozialen Umfeld, Arbeit mit den nachfolgenden Generationen und die Vernetzung mit relevanten lokalen Institutionen. Darüber hinaus werden die Frauen und deren Familien vorbereitet und begleitet, um als Zeuginnen in Gerichtsprozessen auszusagen. So auch jene Frauen, die im Februar 2016 als Zeuginnen zu einem historischen Urteil beitrugen: Ein Gericht verurteilte zwei ehemalige hochrangige Militärs zu hohen Freiheitsstrafen. Die Richter bestätigten, dass das Militär sexuelle Gewalt massiv und systematisch als Mittel des Krieges und Völkermordes eingesetzt hatte. Guatemala ist damit richtungsweisend in der juristischen Aufarbeitung von Kriegsverbrechen.