Ziviler Friedensdienst: Krisenprävention und Konflikttransformation bei der grenzüberschreitenden Wanderweidewirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Konflikttransformation und Krisenprävention im Bereich der grenzüberschreitenden Transhumanz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Niger, Burkina Faso, Benin
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2020

© ZFD/GIZ

Ausgangssituation

Westafrika ist durch extensive und mobile Viehhaltung geprägt: Auf der Suche nach Wasser und Weide treiben Viehzüchter ihre Herden im jahreszeitlichen Verlauf zu unterschiedlichen Weidezonen, auch über internationale Grenzen hinweg. Diese Art der Viehhaltung wird Transhumanz genannt und gehört zu den wirtschaftlich wichtigsten Aktivitäten in der Region. Insbesondere die sich normalerweise in ihren Wirtschaftsformen ergänzenden Ackerbauern und Viehzüchter stehen sich zunehmend im Kampf um dieselben natürlichen Ressourcen, wie Wasser und Weideflächen, gegenüber. Während der jährlichen Wanderungsbewegungen kommt es oft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Die Konkurrenz um die gemeinsam genutzten Ressourcen wird durch schlechte Regierungsführung, kommunales Missmanagement, die Ausdehnung ackerbaulicher Flächen, Umweltzerstörung, die Auswirkungen des Klimawandels und das enorme Bevölkerungswachstum in der Region verstärkt. Es besteht die Gefahr, dass lokale Konflikte politisiert werden und zu gewaltsamen ethnischen Auseinandersetzungen führen. Die Konflikte zwischen den Nutzergruppen, vor allem zwischen mobilen Viehzüchtern und sesshaften Ackerbauern, sowie innerhalb dieser und anderer Nutzergruppen, werden sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch verschärfen.

Insbesondere Niger und Burkina Faso sind von politischer Instabilität und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region betroffen. Diese Situation kann bereits bestehende Konflikte um den Zugang zu natürlichen Ressourcen verstärken. 

Ziel

Die Nutzung natürlicher Ressourcen in Verbindung mit grenzüberschreitender mobiler Viehzucht verläuft zunehmend sozial gerecht, friedlich und nachhaltig.

© ZFD/GIZ

Vorgehensweise

Das Programm des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) in Niger, Burkina Faso und Benin unterstützt die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten im Bereich der grenzüberschreitenden Transhumanz. Dazu stärkt es die zuständigen Institutionen und bestehende Mechanismen zur Krisenprävention, zum Beispiel die dezentralen Strukturen der staatlichen Behörde für Bodenrecht (Code Rural) in Niger und die Transhumanzkomitees in Benin.

Außerdem unterstützt der ZFD die aktive Lobbyarbeit kompetenter zivilgesellschaftlicher Organisationen. Die Anliegen mobiler Viehzüchter sollen so nachhaltig in kommunale, regionale und nationale Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Der ZFD fördert die lokale Rechtssicherheit durch die wirksame, nutzerorientierte und konfliktsensible Anwendung und Weiterentwicklung der im Bereich Transhumanz relevanten Regelwerke und Regelungsmechanismen durch staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure.

Der Aufbau und die Stärkung von Kooperations- und Dialogstrukturen vernetzen die Konfliktparteien und bringen diese miteinander ins Gespräch, auch über internationale Grenzen hinweg. Ziel sind nachhaltige Lösungen für die Konflikte und Probleme in Verbindung mit nationaler und transnationaler Transhumanz.

© ZFD/GIZ

Wirkung

Staatliche und nichtstaatliche Akteure haben Instrumente zur Kommunikations- und Dialogförderung erarbeitet oder bestehende Mechanismen verbessert. Im Bereich Krisenprävention und Konfliktbearbeitung entstanden beispielsweise Weiterbildungsmodule, Ratgeber, Poster, Kassetten und Radiobeiträge.

In Niger haben der Code Rural und Viehzüchterorganisationen kommunale und länderübergreifende Dialogplattformen entwickelt und neue Gesetzestexte ausgearbeitet.

In Benin und Burkina Faso wurde ein Lobbying-Prozess zur Aktualisierung der Gesetzeslage im Bereich Naturweidewirtschaft angestoßen. Mit den Gemeinden gab es auf kommunaler Ebene Dialogveranstaltungen.

Als Folge einigen sich Ackerbauern und Viehhalter bereits im Vorfeld der Wanderungen auf Durchzugswege und -zeiten.

Sofern Anbauflächen beschädigt werden, kommen bestehende Regelungen für die Entschädigung von Ackerbauern zur Anwendung.

Der örtlichen Polizei zufolge nimmt die Zahl der Konflikte ab.