Duale Berufsbildung

Projektkurzbeschreibung

Projektbezeichnung: Förderung der Berufsausbildung im Bereich Green Economy
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Land: Republik Moldau
Politischer Träger: Ministerium für Bildung, Kultur und Forschung der Republik Moldau
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Moldau. Informationsbesuch bei ARTTEHMET in Orhei, Wirtschaftsakteur in der dualen Ausbildung (Mai 2017). © GIZ

Ausgangssituation 

Die Republik Moldau verzeichnete in den letzten zehn Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent. Die Armut im Land hat sich deutlich reduziert, von 68 Prozent im Jahr 2000 auf 27 Prozent 2004 und 11,4 Prozent 2014. Ungeachtet dieser Entwicklungen ist Moldau weiterhin eines der ärmsten Länder Europas. Nur rund 40 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung haben eine Beschäftigung. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Altersgruppe von 15 bis 34 Jahren stieg 2017 auf über 52 Prozent. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Daher suchen viele Moldauer eine Beschäftigung im Ausland. Gleichzeitig ist es für Unternehmen oft schwer, freie Stellen mit qualifizierten moldauischen Arbeitskräften zu besetzen.
Trotz niedriger Löhne und steuerlicher Anreize wollen nur wenige internationale Produktionsunternehmen in der Republik Moldau investieren. Ein wesentliches Investitionshemmnis ist die niedrige Produktivität, die auf einen Mangel an dem Arbeitsmarktbedarf entsprechend qualifizierten Arbeitskräften zurückzuführen ist. Vor allem fehlen qualifizierte Fachkräfte für eine nachhaltige Wirtschaft. Genau diese werden aber gebraucht, um die nationalen strategischen Verpflichtungen der Regierung Moldaus auf dem Weg zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft, im Einklang mit der nationalen Umweltstrategie 2014–2023 und dem Programm zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens 2018–2020, umzusetzen.
Die Regierung Moldaus hat eine Reform des beruflichen Bildungswesens eingeleitet, um es unter Einbeziehung privatwirtschaftlicher Akteure besser auf den Arbeitsmarktbedarf auszurichten. Die Reform sieht eine breitere Mitwirkung von Gremien, die die Wirtschaft vertreten, und Einzelunternehmen an der Gestaltung und Umsetzung der dualen Berufsbildung vor.
Im Januar 2018 fasste die Regierung einen Beschluss über die Organisation der beruflichen Erstausbildung in der Republik Moldau. Damit ist eine verbindliche normative Grundlage für die duale Berufsbildung mit klar definierten Ausbildungsbeziehungen sowie Mandaten von Staat, Unternehmen und Wirtschaftsgremien geschaffen. Jedoch sind die institutionellen Strukturen für die öffentlich-private Zusammenarbeit in der dualen Berufsbildung noch nicht ausreichend gefestigt. Die an der dualen Berufsbildung beteiligten Hauptakteure sind personell und institutionell nicht angemessen ausgestattet. Und die Ausrichtung auf Ökologie- und Nachhaltigkeitsaspekte spielt in der dualen Berufsbildung derzeit eine nachrangige Rolle.
Staatliche wie private Akteure haben Interesse an einer weiteren Konsolidierung der dualen Berufsbildung in Moldau geäußert. Der Erlass der Verordnung über die duale Berufsbildung sowie die anhaltende Zunahme der Ausbildungsplätze bestätigen dieses Interesse.

Ziel

Das System der bedarfsorientierten dualen Berufsbildung zur Förderung der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Moldau ist gestärkt.

VET2_DRAXELMAR01 Moldau. Informationsbesuch zur Organisation und Durchführung von dualen Kooperationsprogrammen bei der DRÄXLMAIER Group in Balti (Dezember 2017). © GIZ / Veaceslav Sutchevici

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt das Ministerium für Bildung, Kultur und Forschung sowie privatwirtschaftliche Akteure, Sozialpartner und Bildungseinrichtungen dabei, gemeinsame Ansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die duale Berufsbildung zu finden. Beratung und Unterstützung werden in Form von Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung bereitgestellt.
Zu den wichtigsten Tätigkeitsfeldern gehören:

  • Stärkung der Fähigkeit staatlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Akteure, ihre Rolle im dualen Berufsbildungssystem in Moldau im Einklang mit dem verbesserten und konsolidierten institutionellen und normativen Rahmen zu erkennen und auszuüben.
  • Unterstützung der dualen Partner bei der Erarbeitung von Entscheidungsvorlagen für die zuständigen Stellen; bedarfsorientierte Konsolidierung der Dialog- und Kooperationsmechanismen.
  • Maßnahmen zur personellen und institutionellen Stärkung der Industrie- und Handelskammer Moldaus als der zuständigen Stelle für duale Berufsbildung und als Dienstleisterin für Unternehmen, die an der dualen Berufsbildung beteiligt oder an einer entsprechenden Kooperation interessiert sind.
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots an dualer Erstausbildung entsprechend den quantitativen und qualitativen Anforderungen des Arbeitsmarkts. Staatliche und private Akteure werden durch Kompetenzentwicklungsmaßnahmen gestärkt, damit sie sich auf einen gemeinsamen Qualitätsansatz einigen und diesen anhand gewonnener Erfahrungen verbessern können.
  • Schaffung der Voraussetzungen für eine umweltorientierte duale berufliche Erstausbildung mit der Perspektive, ökologische und nachhaltige Unternehmen zu fördern. Am Anfang des Prozesses steht ein gemeinsamer strategischer Ansatz für Kompetenzentwicklung und Beratung mit dem Ziel, staatliche wie private Akteure in den Themenkomplex „Green Economy“ einzuführen. Dazu gehören die weitere Klärung des Begriffs „grüne Arbeitsplätze“, die Voraussetzungen für deren Schaffung sowie die Entwicklung maßgeschneiderter Ansätze der dualen Berufsbildung im Rahmen eines landesweiten Gesamtkonzepts.
  • Umsetzung eines ganzheitlichen Konzepts, das geeignet ist, die Beteiligung der Zielgruppen an Programmen der dualen Berufsbildung zu erhöhen und ihren Übergang in ein Beschäftigungsverhältnis nach Abschluss der Ausbildung zu erleichtern.
  • Die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zur umweltorientierten dualen Berufsbildung erfolgt über Image- und Medienkampagnen. Mit dem Aufbau regionaler Unterstützungsstrukturen wird sichergestellt, dass Zielgruppen in entlegenen Gebieten einschließlich benachteiligter Bevölkerungsgruppen erreicht werden.

Das Vorhaben wird von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) kofinanziert.

Wirkungen

Das aktuelle Vorhaben baut auf dem Projekt „Strukturreform in der Berufsbildung“ auf, das von 2015 bis 2018 durchgeführt wurde. Dieses Vorläuferprojekt bewirkte eine Übertragung von Zuständigkeiten im Bereich Berufsbildung von den staatlichen Behörden auf die Privatwirtschaft, vertreten durch Partnerunternehmen wie auch die Industrie- und Handelskammer. Darüber hinaus wurde die duale Berufsbildung als praktikable Alternative zur traditionellen schulischen Berufsbildung in das bestehende Berufsbildungssystem integriert.
Partnerministerien und Sozialpartner wurden dabei unterstützt, ihre Mandate bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine bedarfsorientierte duale Berufsbildung nach dem Vorbild bewährter Praxis in traditionellen dualen Systemen in Europa und angepasst an die lokalen Bedingungen festzulegen und zu erfüllen. Mehr als 20 Formate für den sozialpartnerschaftlichen Dialog über duale Berufsbildung, darunter eines im Rahmen des Wirtschaftsrats des Ministerpräsidenten Moldaus, wurden mit Projektunterstützung initiiert. Die Dialogpartner haben einen umfassenden normativen und institutionellen Rahmen für die duale Berufsbildung auf den Weg gebracht und gefördert.
Die Rolle der Unternehmen als Motor der dualen Berufsbildung ist gestärkt. Mit Unterstützung des Projekts boten knapp 70 Unternehmen im Schuljahr 2018–2019 über 1.500 Ausbildungsplätze – fast doppelt so viele wie im Schuljahr zuvor.
Die Beschäftigungschancen junger Männer und Frauen sind gestiegen. Laut einer Umfrage unter den an dualer Berufsbildung beteiligten Unternehmen liegt die Einstellungsquote der Absolventen konstant bei fast 60 Prozent und somit wesentlich höher als im klassischen Ausbildungssystem.
Das Folgeprojekt versetzt die an der dualen Berufsbildung beteiligten politischen, privaten und sozialen Partner in die Lage, ihre Rolle im Einklang mit den geänderten institutionellen, rechtlichen und normativen Rahmenbedingungen klarer zu erkennen und weiter zu festigen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Vorhabens ist die Förderung von Berufen und Fachgebieten im Bereich Green Economy. Deshalb werden die Hauptakteure bei der Entwicklung eines Konzepts zur Förderung „grüner“ Arbeitsplätze und Fachgebiete durch duale Berufsbildung unterstützt und beraten.

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