Friedensentwicklung und Gewaltprävention durch Sport

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sektorvorhaben Sport für Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Ausgangssituation

Mehr als 50 Jahre lang herrschte in Kolumbien eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Guerillaorganisationen, paramilitärischen Gruppen und der kolumbianischen Armee. Über 14 Prozent der Bevölkerung sind dadurch zu Binnenflüchtlingen geworden. Fast 8 Millionen Menschen hat der Konflikt zu Opfern gemacht, darunter überproportional viele Kinder und Jugendliche. Sie üben im Vergleich zu anderen Altersgruppen in Kolumbien weit öfter Gewalt aus und sind ihr gleichzeitig auch viel häufiger ausgesetzt.

Das Friedensabkommen mit der Guerillagruppe der FARC Ende 2016 und seine Umsetzung ist eine zentrale Weichenstellung für die zukünftige Entwicklung des Landes. Ein deutlicher Schwerpunkt ist die Unterstützung der vom Konflikt gezeichneten Regionen.

Ziel

Die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen für ein friedliches Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft sind gestärkt. Die soziale (Re-)Integration von Binnenflüchtlingen, vor allem von Kindern und Jugendlichen sowie von ehemals am bewaffneten Konflikt Teilnehmenden, ist verbessert. Schwerpunkt sind Regionen, die von Konflikten, Gewalt und Vertreibung betroffen sind.

Vorgehensweise

Sport wurde von den Vereinten Nationen „als Mittel zur Förderung der Bildung, der Gesundheit, der Entwicklung des Friedens“ anerkannt. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nutzt „Sport für Entwicklung“. Durch Sport leben Kinder und Jugendliche nicht nur gesünder; sie lernen auch, Verantwortung zu übernehmen, sich fair zu verhalten und Konflikte friedlich zu lösen. Solche Schlüsselqualifikationen erleichtern ihnen später zum Beispiel den Einstieg in die Berufswelt. Das Vorhaben bildet Trainerinnen und Trainer aus. Sie sind Vorbilder und Vertrauenspersonen, vermitteln Kindern und Jugendlichen ein positiveres Selbstwertgefühl und helfen ihnen, Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Im Training sprechen sie Themen wie Gewalt, Gesundheit, Umweltschutz oder Geschlechtergerechtigkeit an.

Die kolumbianische Regierung setzt in der Friedens- und Versöhnungsarbeit Sport als entwicklungspolitisches Instrument bereits ein. Kolumbien wurde deshalb vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als ein Partnerland des Vorhabens „Sport für Entwicklung“ ausgewählt. Das Vorhaben knüpft an die Maßnahmen der kolumbianischen Regierung und von Nichtregierungsorganisationen an und kooperiert eng mit Partnern aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Die gemeinsam entwickelte Methode „Fútbol con Principios / Fußball mit Prinzipien“ vermittelt Kindern und Jugendlichen über den Sport Werte wie Respekt und Teamgeist sowie soziale Kompetenzen. Die Methodik greift kolumbianische Konzepte des Friedensfußballs auf sowie internationale Ansätze zu „Sport für Entwicklung“, moderne Methoden der Sportpädagogik und Erkenntnisse aus der Jugendpsychologie. Im Mittelpunkt steht die Weiterbildung von Trainerinnen und Trainern.

Das Vorhaben ist außerdem Partner des kolumbianischen Außenministeriums bei der Umsetzung des Programms „Paz en Movimiento“. Der Fokus liegt dabei auf den Grenzregionen Kolumbiens, oft gekennzeichnet von geringer staatlicher Institutionalität, wirtschaftlicher und politischer Vernachlässigung sowie breiter Präsenz illegaler Akteure. Mit dem Programm werden unter anderem ehemalige Kämpfende nach dem „Futbol con Principios“-Ansatz zu Trainern ausgebildet. Sie können so in die Gemeinden integriert werden und wichtige soziale Funktionen übernehmen.

Wirkungen

500 Lehrkräfte, Trainerinnen und Trainer, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter verschiedener Nichtregierungsorgansationen und staatlicher Organisationen sowie lokale Gemeindeführer haben an der Ausbildung „Sport für Entwicklung“ teilgenommen. Die Schulungen fanden jeweils in den Regionen, in Kooperation mit Partnerorganisationen statt. Die Multiplikatoren können ihre neuen Kompetenzen selbstständig anwenden und erreichen rund 35.000 Kinder und Jugendliche.

Nach Schätzungen der Partnerorganisationen des Vorhabens waren 2016 mindestens 3.500 der teilnehmenden Kinder und Jugendliche Binnenflüchtlinge. Darüber hinaus ist ein Großteil der Kinder und Jugendlichen von Gewalt betroffen, zum Teil auch als ehemalige Teilnehmende am bewaffneten Konflikt.

Um die Methode „Futból con Principios“ auch strukturell zu verankern, wurden aus allen Teilnehmenden 30 ausgewählt und in einer dreiwöchigen Schulung zu „Mastertrainerinnen und -trainern“ ausgebildet. Sie sind nun als Ausbilderinnen und Ausbilder landesweit tätig, geben ihr Wissen als Multiplikatoren weiter und sorgen so für die Verbreitung des „Sport für Entwicklung“-Ansatzes.