Epidemieprävention durch Stärkung des Gesundheitswesens in Sierra Leone

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung des Gesundheitswesens und Epidemieprävention in Sierra Leone
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Sierra Leone
Politischer Träger: Ministerium für Gesundheit und Hygiene (MoHS) von Sierra Leone
Gesamtlaufzeit: 2016 to 2019

GIZ team together with key MoHS partners, 2017

Ausgangssituation

Zwischen 2014 und 2016 wurden Sierra Leone und seine Nachbarländer Liberia und Guinea schwer vom Ausbruch der Ebola-Epidemie getroffen. Die Epidemie führte zur Überlastung des fragilen Gesundheitswesens der Länder. Aktuell arbeitet das Ministerium für Gesundheit und Hygiene (MoHS) von Sierra Leone daran, dass Gesundheitswesen des Landes zu stärken.. Die Gesundheitsdienste sind unterfinanziert, leiden unter Personalmangel und werden in vielen Fällen den Anforderungen nicht gerecht. Besonders prekär ist die Situation im Bereich Mutter- und Kindgesundheit. Darüber hinaus ist das System zur Erhebung und Verarbeitung gesundheitsbezogener Daten nicht ausgereift und kann nicht effizient verwaltet werden. Für eine angemessene Reaktion im Falle eines Epidemieausbruchs reichen die Kapazitäten daher nicht aus.

Participants at the MoHS-GIZ Strategic and Operational Planning Workshop, 2017

Ziel

Sierra Leone verfügt über ein robustes Gesundheitswesen, das den Anforderungen gerecht wird.

Vorgehensweise

Im Rahmen des Projekts „Stärkung des Gesundheitswesens und Epidemieprävention in Sierra Leone“ wird das Ministerium für Gesundheit und Hygiene (MoHS) des Landes fachlich unterstützt. Die Durchführungsbereiche sind mit dem Health Sector Recovery Plan 2015–2020 des MoHS abgestimmt, den die Regierung eingeführt hat, um das Gesundheitswesen zu stärken und die Ernährung, Gesundheit und Hygiene im Land zu verbessern.

Das Projekt weist drei Handlungsbereiche auf:

Personalmanagement im Gesundheitswesen (HRH)  

Durch die Ebola-Krise hat sich noch verstärkt, was bereits zuvor ein Problem war: Mangel an Gesundheitspersonal, hohe Fluktuation und ungleiche Verteilung des Personals sowie schlechte Arbeitsbedingungen. Wichtige Bereiche wie das Personalmanagement unterstehen der Verwaltung der nationalen Regierung.

 Das Projekt unterstützt das MoHS durch die folgenden Maßnahmen bei der Dezentralisierung des Personalmanagements: Kapazitätsentwicklung auf Bezirksebene, Einführung einer Gesundheitspersonal-Datenbank sowie Ausarbeitung von Strategien zur Bekämpfung der Landflucht, eines langfristigen Plans zur Ausbildung von Gesundheitspersonal und einer Fortbildungsrichtlinie.

Außerdem wurden zwei Entwicklungshelfer an die National School of Midwifery in der Hauptstadt von Sierra Leone, Freetown, bzw. an die School of Midwifery in Makeni, Hauptstadt der Provinz Northern entsandt, um die Hebammenschulen fachlich bei der Verwaltung zu unterstützen, die Lehrmethoden zu verbessern und Lehrpläne auszuarbeiten.

Personalfinanzierung im Gesundheitswesen 

Sowohl die externen Ressourcen als auch die staatlichen Mittel, die für das Gesundheitswesen bereitgestellt wurden, nahmen während der Ebola-Epidemie erheblich zu. Die staatlichen Gesundheitsausgaben fließen jedoch überwiegend in die Gehälter des Gesundheitspersonals. Die unzureichende Finanzierung des Sektors führt zu einem Fachkräftemangel: Es arbeiten zu wenige Menschen im Gesundheitswesen und die vorhandenen Fachkräfte sind ungleich im Land verteilt. Darüber hinaus ist das Gesundheitspersonal in vielen Fällen nicht ausreichend qualifiziert, um eine angemessene Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die Regierung von Sierra Leone muss ihre Ausgaben für das Gesundheitspersonal steigern, und die Effizienz der Verwaltung und Nutzung von Ressourcen im Gesundheitswesen muss verbessert werden.

Im Rahmen des Projekts wird eine Pilotstudie zu nachhaltiger Personalfinanzierung durchgeführt. Außerdem werden dem MoHS auf verschiedenen Ebenen Kapazitätsentwicklungsmaßnahmen sowie politische und strategische Beratung für ein nachhaltiges Gesundheitspersonal-Finanzierungssystem des Landes bereitgestellt.

Grenzüberschreitende Epidemieprävention und -reaktion

In den Grenzregionen von Sierra Leone ist es eine Herausforderung, Ausbrüche von Krankheiten, die zu Epidemien führen könnten, frühzeitig zu erkennen, zu melden und zu bewältigen. Dass dies so schwierig ist, liegt an dem kritischen Mangel an Personal, das eine effektive und effiziente Erhebung, Zusammenführung und Verarbeitung gesundheitsbezogener Daten sicherstellen könnte.

 Um die ernsten Folgen eines zukünftigen bzw. potenziellen Epidemieausbruchs zu mindern, wird eng mit der Alarmzentrale des MoHS und anderen wichtigen Partnern zusammengearbeitet. Darüber hinaus wird in den Grenzbezirken Kailahun und Kambia, die vom Ebola-Ausbruch schwer getroffen wurden, das System für integrierte Krankheitsüberwachung und -reaktion (Integrated Disease Surveillance and Response – IDSR) gestärkt: Dazu wurden die folgenden Projektmaßnahmen ergriffen: Unterstützung der landesweiten Einführung eines digitalen IDSR-Überwachungssystems für die Praxis, Kapazitätsaufbau im Bereich Bereitschaft und Reaktion für wichtige Akteure auf Bezirks- und Gemeindeebene und monatliche grenzüberschreitende Besprechungen mit den Partnern aus Guinea und Liberia.

Students at the National School of Midwifery in Freetown, 2017

Wirkungen

  • Personalführungskräfte und Assistenten wurden ausgebildet und allen Bezirken zugewiesen; die Gründung von Facharbeitsgruppen im Bereich HRH und Landfluchtbekämpfung hat zur Realisierung des Plans zur Ausbildung von Gesundheitspersonal (Health Workforce Production Plan), eines umfassenden Plans zur Landfluchtbekämpfung (Rural Retention Plan) und einer Fortbildungsrichtlinie beigetragen.
  • Es wurde eine Bewertung der Finanzierungssituation im Gesundheitswesen durchgeführt, um Lücken in der Gesundheitsfinanzierung und mögliche Handlungsbereiche zu identifizieren. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Ausarbeitung geeigneter Strategien zur Finanzierung des Gesundheitspersonals und einer gesetzlichen Krankenversicherung.
  • In den zwei Grenzbezirken Kambia und Kailahun wurden die Kapazitäten der Bezirke in Bezug auf Prävention und Erkennung von sowie Reaktion auf meldepflichtige(n) Krankheiten und Epidemien bewertet. Dies wird helfen, die notwendigen Schritte festzulegen, damit in Zukunft im Falle eines Krankheitsausbruchs schnell reagiert werden kann.
  • Soforthilfemaßnahme: Zur Verhinderung eines Cholera-Ausbruchs nach dem verheerenden Erdrutsch in Freetown im August 2017 wurden 400 Gemeinde-Gesundheitshelfer in Cholera-Prävention ausgebildet und unterstützt.