Verbesserung sozialer Dienstleistungen von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden in der Türkei

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung der sozialen Dienstleistungen für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden in der Türkei durch die Förderung von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen – Community Centres and Local Initiatives Project (CLIP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (GD ECHO)
Land: Türkei
Politischer Träger: Vizepräsidialamt der Republik Türkei
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

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Ausgangssituation

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit 2011 an und zwingt Millionen von Syrern zur Flucht in die Türkei. Derzeit leben mehr als 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei sowie mehr als 400.000 Flüchtlinge aus anderen Ländern. 

Mehr als 95 Prozent dieser Menschen leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern haben Zuflucht in den Städten des Landes gefunden. Trotz der enormen Anstrengungen und Fortschritte der letzten Jahre steht die türkische Regierung weiterhin vor der Herausforderung, den Zugang zu qualitativ angemessenen Dienstleistungen für Flüchtlinge zu gewährleisten und ihren besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden. Viele Flüchtlinge erhalten noch keine Unterstützung und haben keinen Zugang zu sozialen Dienstleistungen. Nicht registrierte Flüchtlinge, saisonale Migranten, Menschen mit Behinderungen oder LGBTI-Flüchtlinge sind besonders stark gefährdet und drohen, zurückgelassen zu werden.

Die Sprachbarriere erschwert es vielen Flüchtlingen, Zugang zu sozialen Dienstleistungen zu erhalten oder in Kontakt zu ihren Nachbarn zu treten. Die Menschen in den türkischen Aufnahmegemeinden wiederum stehen vor wirtschaftlichen, psychosozialen und pädagogischen Herausforderungen. Die am stärksten benachteiligten Personen in beiden Gruppen, wie Behinderte, Jugendliche oder Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt, werden vielfach noch unzureichend unterstützt. Zwar nehmen die Angebote zu, doch es gibt nach wie vor zu wenige Möglichkeiten für Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Menschen der Aufnahmegemeinden, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Außerdem verschärft sich der Wettbewerb um Arbeitsplätze, da Unternehmen auf die billige Arbeitskraft von Flüchtlingen zurückgreifen. Dies kann zu Spannungen zwischen Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung führen. 

Zur Bewältigung jener Herausforderungen wurden in der gesamten Türkei Gemeinschaftszentren eingerichtet und lokale Initiativen auf den Weg gebracht. Die Gemeinschaftszentren und Initiativen werden oft von Nichtregierungsorganisationen sowie gemeindebasierten Organisationen betrieben, die die staatlichen Dienstleistungen für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden ergänzen und Lücken im Hinblick auf schwer erreichbare Gruppen schließen. Damit bieten die Zentren und Initiativen den Flüchtlingen einen sicheren Ort, an dem sie unter anderem psychosoziale Unterstützung erhalten und Zugang zu Leistungen im Bereich Schutz haben. Außerdem können sie dort Rechtsberatungsangebote in Anspruch nehmen und an Sprach- und Kompetenzentwicklungskursen sowie an Maßnahmen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts teilnehmen. Darüber hinaus erhalten sie hier Informationen über staatliche Dienstleistungen, die in ihrer näheren Umgebung angeboten werden. Die Mitglieder der Aufnahmegemeinden nehmen ebenfalls an Workshops zur Kompetenzentwicklung teil und engagieren sich in den Gemeinschaftszentren im Rahmen von interkulturellen und Freizeitaktivitäten.

In den letzten Jahren wurden große Fortschritte bei der Erweiterung des Dienstleistungsangebots für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden erzielt. Dennoch bestehen nach wie vor Lücken, wenn es darum geht, bedürftige Flüchtlinge zu erreichen und ihnen soziale Dienstleistungen anzubieten, die sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht ausreichend sind. Darüber hinaus gilt es, das Zusammenwirken zwischen den Dienstleistungen der Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen und denen des Staates zu stärken, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Ziel

Die von den Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden angebotenen sozialen Dienstleistungen, insbesondere die Maßnahmen zur Förderung von interkulturellen Begegnungen, sind verbessert.

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Vorgehensweise

CLIP bietet technische und finanzielle Unterstützung für bis zu 12 Gemeinschaftszentren und 20 lokale Initiativen. Das Projekt ist in vier Handlungsfeldern tätig:

  • Unterstützung von Gemeinschaftszentren
  • Fonds für lokale Initiativen in der Türkei (LIFT)
  • Harmonisierung des Leistungsangebots mit staatlichen Standards
  • Capacity Development 

Im Handlungsfeld 1 stellt das Projekt finanzielle Mittel und technische Unterstützung für Gemeinschaftszentren und soziale Dienstleistungen in der gesamten Türkei bereit. Die Gemeinschaftszentren stehen allen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter und Geschlecht offen. Dort erhalten Flüchtlinge und Mitglieder der Aufnahmegemeinden Zugang zu vielfältigen Leistungen und Aktivitäten in den Bereichen Schutz, Bildung und interkulturelle Begegnung. Alle Dienstleistungen beruhen auf Bedarfsanalysen und werden im Rahmen von partizipativen Vorgehensweisen erbracht. Die Maßnahmen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts schaffen einen Raum für den Austausch zwischen den Flüchtlingen untereinander sowie zwischen Flüchtlingen und Mitgliedern der Aufnahmegemeinden. Die Bildungsmaßnahmen umfassen Türkisch- und berufsbildende Kurse sowie Kurse zur Kompetenzentwicklung. Daneben werden Beratungsleistungen (insbesondere auf dem Gebiet der Rechtsberatung) angeboten, um die Flüchtlinge bei der Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu unterstützen und ihnen Wege zur Inanspruchnahme von staatlichen Dienstleistungen aufzuzeigen. Einige Gemeinschaftszentren erbringen auch psychosoziale Beratungsleistungen. Um die Hürden beim Zugang zu Dienstleistungen zu überwinden, bieten einige Gemeinschaftszentren Übersetzungs- und Dolmetschleistungen an, damit Hilfesuchende staatliche Dienstleistungen beantragen können; außerdem sorgen die Gemeinschaftszentren für die Beförderung der Flüchtlinge zu den Gemeinschaftszentren sowie den staatlichen Stellen, die Dienstleistungen für Flüchtlinge anbieten. Dank Sensibilisierungsmaßnahmen und Lobbyarbeit haben Flüchtlinge und Mitglieder von Aufnahmegemeinden inzwischen die Möglichkeit, sich über ihre Rechte zu informieren, und zwar insbesondere über für ihren Schutz relevante Themen wie kindgerechte Maßnahmen, Frauenrechte, Flüchtlingsrechte, Registrierungen und die Beantragung von Arbeitserlaubnissen.

Im Handlungsfeld 2 unterstützt die GIZ bis zu 20 kleine und mittlere nichtstaatliche und gemeindebasierte Organisationen, die spezifische Hilfs- und Schutzleistungen für besonders schutzbedürftige Personen erbringen, bei denen andernfalls die Gefahr bestünde, dass sie von der Flüchtlingshilfe „zurückgelassen“ werden. Dabei handelt es sich unter anderem um arbeitende Kinder, saisonale Migranten, nicht registrierte Flüchtlinge oder Personen mit Behinderungen. Die Unterstützung wird in Form von Projekten organisiert, die aus den Mitteln des Fonds für lokale Initiativen in der Türkei (LIFT) gefördert werden. LIFT wird von der GIZ verwaltet und geführt. Die LIFT-Projekte sollen vermehrt auf die Bedürfnisse dieser besonders schutzbedürftigen Personengruppen eingehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Schutzbedarfe, rechtliche Anliegen und Gesundheitsfragen sowie um die Erweiterung des Leistungsangebots in bislang unterversorgten Gebieten.

Im Handlungsfeld 3 unterstützt das Projekt die Entwicklung von Netzwerkstrukturen zwischen Durchführungspartnern und staatlichen Institutionen in ihrem Umfeld. Dabei wird durch Austauschformate, beispielsweise regelmäßige Treffen zwischen Durchführungspartnern und staatlichen Institutionen, für eine bessere Abstimmung im Hinblick auf die Anforderungen staatlicher Institutionen gesorgt (z. B. Normen und Richtlinien). Dies führt zu einer besseren, effizienteren und effektiveren Versorgung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden und schafft nachhaltige Strukturen, die den Durchführungspartnern längerfristige Perspektiven bieten.

Im Handlungsfeld 4 sieht das Projekt konkrete Capacity-Building-Maßnahmen für einzelne Zielgruppen sowie auf Organisationsebene vor. Dazu gehören Gemeinschaftszentren, lokale Initiativen sowie die entsprechenden öffentlichen Institutionen. Die Arbeit umfasst Maßnahmen in den Bereichen Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement, Schutz, Projektplanung und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Schulungen erwerben Kenntnisse, die sie dazu befähigen, ihre Aufgaben professioneller durchzuführen, wodurch eine höhere Qualität der angebotenen Leistungen erreicht wird. Die Capacity-Building-Maßnahmen stehen sowohl den Mitarbeitern von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen als auch den Mitarbeitern staatlicher Institutionen offen, die im Bereich der sozialen Dienstleistungen für benachteiligte Aufnahmegemeinden und Flüchtlinge tätig sind. Dabei bieten die Schulungen auch einen Ort für Begegnungen und Austausch zwischen öffentlichen und zivilen Akteuren.

Wirkungen

Zwischen Oktober 2017 und Dezember 2018 haben 63.000 Personen die Dienstleistungen und Aktivitäten der Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen in Anspruch genommen. Insgesamt wurden 134.000 Teilnahmen gezählt. Mehr als 7.800 Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Risiken wurden erreicht. In einer Stichprobenerhebung bewerteten 86,9 Prozent der befragten Begünstigten die Gesamtqualität der von den Gemeinschaftszentren angebotenen Dienstleistungen als sehr gut (63,5 Prozent) bzw. gut (23,4 Prozent). CLIP plant, bis Ende 2020 mehr als 130.000 Flüchtlinge und Mitglieder von Aufnahmegemeinden, darunter 61.000 gefährdete Personen, zu erreichen. Es wurden 25 Capacity-Building-Maßnahmen und 30 Austauschformate zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren realisiert. Im Rahmen des LIFT sind ferner 60 Aufklärungsmaßnahmen vorgesehen, um das Bewusstsein für die Situation und die Bedürfnisse von gefährdeten Personen und Gruppen zu schärfen. Durch die Unterstützung von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen trägt das Projekt dazu bei, die Bedarfe besonders schutzbedürftiger Menschen zu decken, die Resilienz von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden zu stärken, ihre Zukunftsperspektiven in der Türkei zu verbessern und den sozialen Zusammenhalt zwischen Flüchtlingen und Mitgliedern der Aufnahmegesellschaften langfristig zu stärken.

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