Soziale Dienstleistungen für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden verbessern, durch die Förderung von Gemeinschaftszentren und lokale Initiativen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung der sozialen Dienstleistungen für Flüchtlinge und aufnehmende Bevölkerung in der Türkei durch die Förderung von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (GD ECHO)
Kofinanziert von: Europäische Union (EU)
Land: Türkei
Politischer Träger: Vizepräsidialamt der Republik Türkei
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2021

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Ausgangssituation

In der Türkei leben fast vier Millionen Flüchtlinge, von denen die meisten aus Syrien kommen. Viele Flüchtlinge haben wirtschaftliche, psychosoziale und pädagogische Probleme. Aufgrund der Sprachbarriere fällt es ihnen oft schwer, soziale Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, eine Beschäftigung aufzunehmen und soziale Kontakte zu knüpfen. Auch die Bürger*innen der Aufnahmegemeinden sehen sich aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation mit Herausforderungen konfrontiert. Steigende Lebenshaltungskosten und zunehmende Arbeitslosigkeit führen zu Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Je länger der Bürgerkrieg in Syrien andauert, desto größer müssen die unternommenen Anstrengungen werden, damit niemand zurückbleibt. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, wurden in der ganzen Türkei Gemeinschaftszentren eingerichtet und lokale Initiativen gegründet, die die Bemühungen des Staates ergänzen und Dienstleistungen für schwer erreichbare Gruppen anbieten.

Ziel

Soziale Dienstleistungen, die von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen für Flüchtlinge und der aufnehmenden Bevölkerung angeboten werden, sind verbessert.

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Vorgehensweise

Das Community Centres and Local Initiatives Project (CLIP) bietet technische und finanzielle Unterstützung für bis zu zwölf Gemeinschaftszentren und 20 lokale Initiativen in der gesamten Türkei. Das Vorhaben ist in vier Handlungsfeldern tätig:

  • Unterstützung von Gemeinschaftszentren
  • Etablierung eines Fonds für lokale Initiativen in der Türkei (LIFT)
  • Harmonisierung des Dienstleistungsangebots unter Einhaltung der staatlichen Standards
  • Kompetenzentwicklung

Im Handlungsfeld 1 fördert das Projekt verschiedene Gemeinschaftszentren in der gesamten Türkei. In den Zentren können Flüchtlinge und vulnerable Bürger*innen der Aufnahmegemeinden an  and Sprachkursen sowie Kursen zur Förderung lebens- und beschäftigungsrelevanter Kompetenzen (life skills)teilnehmen. Weitere soziale Dienstleistungen umfassen  Rechtsberatung, psychosozialer Begleitung, Gesundheits- und Bildungsberatung sowie soziale und interkulturelle Aktivitäten. Die angebotenen Dienstleistungen verbinden humanitäre Hilfe, entwicklungsorientierte Ansätze und Friedensförderung, gemäß des Humanitarian-Development-Peace Nexus. 

Im Handlungsfeld 2 fördert ein Fonds für lokale Initiativen in der Türkei (LIFT) 20 kleine und mittlere lokale und gemeindebasierte Nichtregierungsorganisationen, die besonders gefährdete Personen unterstützen. Hierzu zählen Menschen mit Behinderungen, Angehörige der LGBTI+ Gemeinschaften, Überlebende von geschlechtsspezifischer Gewalt, Alleinerziehende, arbeitende Kinder (Jungen und Mädchen) oder Saisonarbeiter*innen. Die Menschen erhalten spezielle Schutzmaßnahmen wie Rechtsberatung, psychosoziale Unterstützung, soziale Beratung oder Fallmanagement. Zudem werden Kontakte mit Behörden hergestellt. 

Das Handlungsfeld 3 zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen den unterstützten Nichtregierungsorganisationen und den staatlichen Institutionen zu stärken. Hierfür baut das Vorhaben Austauschnetzwerke auf. Die Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen werden dabei unterstützt, ihre Angebote an die Standards und Anforderungen staatlicher Stellen anzugleichen. Dadurch will das Projekt eine effizientere und effektivere Leistungserbringung gewährleisten und den Durchführungspartnern eine nachhaltige und langfristige Perspektive bieten.

Im Handlungsfeld 4 können Mitarbeiter*innen von Gemeinschaftszentren, lokalen Initiativen und staatlichen Institutionen bedarfsgerechte Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung wahrnehmen. Diese umfassen sowohl fachliche Weiterbildungsangebote als auch Angebote in der Organisationsentwicklung. Dadurch tragen sie dazu bei, die Flüchtlingsarbeit in der Türkei zu professionalisieren.

Dank der erstmaligen Zusammenarbeit zwischen der Übergangshilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (ECHO) der Europäischen Union hat das Projekt seit 2019 die Möglichkeit, mit dem Konzept „Leave No One Behind“ den Fokus auf die Verbesserung von Schutzmaßnahmen zu Gunsten der am stärksten gefährdeten Personengruppen zu legen.

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  Wirkung

  • Seit 2017 haben mehr als 248.000* Personen Dienstleistungen von Gemeinschaftszentren und lokalen Initiativen in Anspruch genommen, darunter etwa 60.000* Personen mit besonderen Bedürfnissen und Risiken.
  • 71 Prozent der weiblichen und 77 Prozent der männlichen Begünstigten sind nach ihrer Teilnahme an einer der Maßnahmen eher bereit, Kontakt zu Angehörigen anderer Nationalitäten aufzunehmen. Dies besagt eine Umfrage, welche die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Zeitraum 2019/2020 durchführte.
  • 2019 nahmen 6.700 Kinder an angebotenen Bildungsmaßnahmen teil. 5.500 Personen (darunter mehr als 1.500 Kinder) erhielten psychosoziale Unterstützung.
  • Mehr als 180 Organisationen haben sich im Rahmen der Ausschreibungen von LIFT beworben. 20 davon wurden ausgewählt und erhielten ein Budget von mehr als sechs  Millionen Euro. Jeden Monat profitieren rund 2.000 Flüchtlinge von den angebotenen Dienstleistungen.
  • Seit 2017 wurden 29* maßgeschneiderte Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und 105* Austauschformate zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren umgesetzt, die mehr als 600* Personen erreichten. 

Stand: November 2020

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