Gemeinschaftszentren für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung sozialer Dienstleistungen von Gemeinschaftszentren für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden in der Türkei
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Türkei
Politischer Träger: Prime Minister's Office
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

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Ausgangssituation

Derzeit leben mehr als 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei. Mehr als 93 Prozent haben Zuflucht außerhalb von Camps in den Städten gefunden. Die türkische Regierung unternimmt große Anstrengungen, für die Flüchtlinge den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen sicherzustellen. Obwohl hierbei Fortschritte erzielt werden konnten, bleibt die Aufgabe eine Herausforderung. Da Unternehmen Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte nutzen, wächst außerdem die Konkurrenz um Arbeitsplätze. Die Möglichkeiten für Türken und Flüchtlinge, sich zu treffen und einander kennenzulernen, bleiben gering. 

Um auf diese Bedarfe zu reagieren, wurden in den vergangenen drei Jahren in der Türkei Gemeinschaftszentren eingerichtet, vielfach betrieben von lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs). In diesen Gemeinschaftszentren erhalten Flüchtlinge Zugang zu sozialen Dienstleistungen wie Rechtsberatung und psychosozialer Unterstützung. Sie können an Sprachkursen teilnehmen sowie Informationen über öffentliche Leistungen in ihrer näheren Umgebung erhalten. Die Gemeinschaftszentren richten sich dabei auch an Menschen mit besonderen Bedürfnissen, beispielsweise arbeitende Kinder, Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt oder Menschen mit Behinderungen. Der Umfang und die Qualität dieser Dienstleistungen sind jedoch häufig noch unzureichend. Zudem ist für eine nachhaltige Gestaltung eine stärkere Verknüpfung mit anderen öffentlichen Leistungen notwendig. Die Gemeinschaftszentren sprechen auch die Bewohnerinnen und Bewohner der aufnehmenden Gemeinden an, jedoch ist aktuell die Nutzung von Angeboten durch diese Gruppe noch gering und Aktivitäten zur Stärkung von sozialer Interaktion sind ausbaufähig.

Ziel

Soziale Dienstleistungen, einschließlich interkultureller Begegnung, die von den Gemeinschaftszentren für Flüchtlinge und aufnehmende Bevölkerung angeboten werden, sind verbessert.

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Vorgehensweise

Seit 2015 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Errichtung und Verbesserung von Gemeinschaftszentren. In den letzten Jahren konnte dadurch das Angebot an Dienstleistungen der Gemeinschaftszentren für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden erheblich erweitert werden.

Das Vorhaben arbeitet in drei Handlungsfeldern:

  1. Unterstützung der Arbeit von Gemeinschaftszentren und Gemeindeinitiativen
  2. Harmonisierung der Angebote mit staatlichen Standards
  3. Weiterbildung und Professionalisierung

Für die Unterstützung der Arbeit von bis zu zwölf Gemeinschaftszentren stellt das Vorhaben finanzielle Mittel und technische Unterstützung bereit. Alle in den Zentren angebotenen Leistungen basieren auf lokalen Bedarfsanalysen und nutzen partizipative Methoden in der Umsetzung. Beratungsleistungen, etwa in Bildungs- und Rechtsfragen, helfen den Flüchtlingen, öffentliche Dienstleistungsangebote zu nutzen. Türkischkurse oder Bewerbungstrainings unterstützen die Integration in die lokale Gemeinschaft. Alle Zentren bieten interkulturelle und Freizeitaktivitäten wie Museumsbesuche und Musik- oder Theaterworkshops an. Diese Aktivitäten helfen Flüchtlingen und türkischen Nutzerinnen und Nutzern, einander kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.

Derzeit unterstützt die GIZ in der Türkei neun Gemeinschaftszentren in Partnerschaften mit der Deutschen Welthungerhilfe (WHH), Association for Solidarity with Asylum Seekers and Migrants (ASAM), International Blue Crescent (IBC), YUVA Association, Sosyal Suriye Gruplari (SSG), Support to Life (STL) und der Human Resource Development Foundation (HRDF).

Neben Gemeinschaftszentren unterstützt das Vorhaben im Rahmen eines „Community Initiative Fund“ (CIF) klein-volumige Projekte und Gemeindeinitiativen im Bereich der interkulturellen Begegnung und zur Förderung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie z. B. Menschen mit Behinderung, Opfer von Gewalt oder arbeitende Kinder.

Für die Harmonisierung der Angebote mit staatlichen Standards unterstützt das Vorhaben den Aufbau von Netzwerkstrukturen zwischen den Gemeinschaftszentren und anderen öffentlichen Institutionen in ihrem Umfeld. Formate wie regelmäßige Treffen oder digitale Plattformen für den Austausch zwischen Gemeindezentren und öffentlichen Einrichtungen sollen die Zusammenarbeit verbessern und sicherstellen, dass staatliche Standards eingehalten werden.

Für die Weiterbildung und Professionalisierung der Beschäftigten der Gemeinschaftszentren werden Maßnahmen zur Kapazitätsentwicklung erarbeitet und angeboten. Dazu zählen u. a. Trainingsmaßnahmen im Bereich des Qualitätsmanagements, psychosoziale Unterstützung oder Projektdesign. Die Trainingsmaßnahmen tragen zur Professionalisierung der durchführenden Organisationen und ihrer Mitarbeitenden bei. Die angebotenen Maßnahmen stehen auch den Beschäftigten von öffentlichen Institutionen in der Umgebung der Gemeinschaftszentren offen. Dadurch schaffen sie außerdem eine Plattform für Begegnung und Dialog.

Wirkungen

Das jetzige Vorhaben baut auf den Ergebnissen des Vorgängervorhabens auf. In den letzten zwei Jahren wurden mehr als 175.000 Flüchtlinge in elf Gemeinschaftszentren erreicht. Über 1.000 Bildungsmaßnahmen, wie Sprachkurse oder andere berufsvorbereitende Kurse, und über 400 interkulturelle und soziale Aktivitäten wurden durchgeführt. Mehr als 4.700 Menschen haben ein offiziell anerkanntes Zertifikat eines Sprachkurses erworben.