Tunesien beteiligt sich am globalen Kohlenstoffmarkt

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Globaler Kohlenstoffmarkt – Tunesien
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Land: Tunisien
Politischer Träger: Nationale Agentur für Energiekonservierung (ANME)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Ausgangssituation

Ein globaler Kohlenstoffmarkt ist für die Bundesregierung ein wichtiges Instrument zum internationalen Klimaschutz. Der Emissionshandel ermöglicht, dass der Ausstoß von Treibhausgasen zunächst dort reduziert wird, wo es am wenigsten kostet. Dieser Vorteil macht Klimaschutz kostengünstiger. Daher tragen Kohlenstoffmärkte dazu bei, dass Staaten sich ehrgeizigere Ziele für Emissionsverminderung setzen und die Privatwirtschaft ihre Investitionen klimafreundlicher gestaltet.

2008 initiierte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) eine Initiative, um die Partnerländer bei der Nutzung der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls – wie der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism) und Gemeinsame Umsetzung (Joint Implementation) – zu unterstützen. Im Kyoto-Protokoll haben sich die unterzeichnenden Industrieländer auf eine Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen geeinigt. Das Vorhaben „Globaler Kohlenstoffmarkt“ ist Teil der Initiative des BMU und unterstützt Uganda, Chile, Tunesien und Indien dabei, die Ziele der Initiative umzusetzen.

Marktmechanismen und weitere Kooperationsformen werden auch in Artikel 6 des Pariser Abkommens¸ dem Nachfolger des Kyoto-Protokolls, erwähnt. Die Vertragsstaaten bekunden damit ihren Willen, diese zu festen Bestandteilen des neuen Klimaregimes zu machen. Das Projekt trägt zur praktischen Ausgestaltung von Artikel 6 bei.

Auch wenn in Tunesien die Treibhausgasemissionen derzeit weiter ansteigen, ist in dem Land ein Bewusstsein für die Verwundbarkeit durch den Klimawandel und seine ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen vorhanden. Anlässlich des Pariser Abkommens hat sich das Land ehrgeizige Ziele gesteckt. Der tunesische Beitrag sieht eine Reduzierung der CO2-Intensität um 41 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2010 vor. 

Die Regierung plant umfangreiche Minderungen in den Bereichen Energie, Transport, Industrie, Landwirtschaft, Abfall und Abwasser. Die Nutzung nationaler und internationaler Marktmechanismen könnte ein Hebel sein, um Treibhausgasemissionen einzudämmen. Tunesien beabsichtigt, die damit verbundenen Kosten durch nationale und internationale Finanzquellen und -instrumente zu finanzieren.

Ziel

Öffentliche und private Entscheidungsträger*innen nehmen an den internationalen Verhandlungen zu neuen Kohlenstoffmärkten teil. Sie schaffen die notwendigen Strukturen und Prozesse, um Artikel 6 des Pariser Abkommens umzusetzen. Tunesische Interessenvertreter*innen sind mit den Mechanismen des Kohlenstoffmarktes vertraut und setzen das Klimaschutzziel auf effektive Weise um.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die Nationale Agentur für Energiekonservierung, das Umweltministerium und andere Akteure aus der Verwaltung und der Privatwirtschaft. Es fördert die Entwicklung von Kompetenzen im Rahmen der Marktmechanismen unter Artikel 6 des Pariser Abkommens. Vertreter*innen dieser Organisationen nehmen an den internationalen Verhandlungen teil und tragen das dabei gewonnene Fachwissen in ihre Organisationen zurück. 

Auf diese Weise bauen sie die notwendigen Strukturen und Prozesse für eine frühe Teilnahme an den neuen Kohlenstoffmarktinstrumenten auf. Zudem schaffen sie günstige Rahmenbedingungen für das Entstehen eines Kohlenstoffmarktes als zusätzliche Finanzierungsquelle und Anreizinstrument für Investitionen in kohlenstoffarme Technologien. Darüber hinaus unterstützt das Projekt Interessengruppen durch Studien, Workshops und Schulungen, die auf die Ausweitung eines Vorzeigeprojekts abzielen. 

Die Zementindustrie konnte als Schlüsselbranche gewonnen werden, um an Pilotprojekten von internationalen Initiativen teilzunehmen. Das Engagement des Landes wurde an den entsprechenden Stellen in der tunesischen Klimalangzeitstrategie 2050 und der Umsetzung des Klimaschutzbeitrags politisch verankert.

Wirkungen

Das Projekt hat die Kompetenzen für die Mechanismen des Kohlenstoffmarktes im öffentlichen und privaten Bereich durch Schulungen verbessert. 

Es hat die Regierung dabei unterstützt, Artikel 6 zu einer Priorität zu machen und sich durch regionalen Dialog aktiv an den Verhandlungen auf internationaler Ebene zu beteiligen. 

In allen Zementwerken des Landes wurde ein Monitoring-System für Treibhausgasemissionen eingerichtet. Dadurch soll die Zementwirtschaft auf eine mögliche Integration in die Kohlenstoffmarktmechanismen nach 2020 vorbereitet werden.

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