© GIZ/Michael Joos

08.06.2022

Stabilisieren, Stützen, Stärken: Wie die GIZ auf die Ernährungskrise antwortet

Der Ukrainekrieg hat eine Nahrungsmittelkrise ausgelöst. Agrarexpertin Heike Höffler erläutert im Interview, wen das besonders trifft – und was Projekte gegen den Mangel unternehmen.

Der Krieg in der Ukraine löst eine weltweite Ernährungskrise aus. Die Nahrungsmittelpreise haben sich verdoppelt. Das trifft Menschen besonders hart, die bereits einen Großteil ihres Einkommens für Essen ausgeben. Was die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tut, um dem Mangel zu begegnen, erläutert Agrarexpertin Dr. Heike Höffler im Interview.

Die Folgen des Ukrainekriegs treiben zusätzliche 100 Millionen Menschen in den Hunger - paradoxerweise auch Kleinbäuerinnen und -bauern. Wie kommt das?

In den so genannten Hungermonaten, wenn die selbst produzierten Lebensmittel der Kleinbauernfamilien zuneige gehen, müssen sie Nahrungsmittel zukaufen. In dieser Zeit treffen sie die derzeitigen Preissteigerungen besonders hart. Gleichzeitig stehen auch Anbau und Erträge der nächsten Saison auf dem Spiel: Die Düngerpreise haben sich verdreifacht. Die Lieferketten von den Hauptdüngerproduzenten Russland und Belarus sind unterbrochen, und China hat im September 2021 einen Exportstopp auf Dünger verhängt. Das ist verheerend – zum Beispiel für die afrikanische Landwirtschaft.

Wir rechnen in den kommenden Jahren mit massiven Versorgungsproblemen und Einkommenseinbußen gerade bei ländlichen Haushalten.

Was kann aktuell getan werden und wie unterstützt die GIZ dabei?

Global betrachtet ist mehr Geld für Ernährungssicherung nötig. Das gilt vor allem für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, damit es in der Lage ist, die gestiegenen Preise auf dem Weltmarkt auszugleichen.

Wir als GIZ arbeiten für unsere Auftraggeber an verschiedenen Maßnahmen mit, um kurzfristig die Situation zu stabilisieren. Länder wie Äthiopien, Südsudan, Libanon und andere sind akut von Weizenlieferungen abgeschnitten.  Entsprechend laufen dort derzeit weitere Projekte an, die die Lage stabilisieren und versuchen, etwa durch Suppenküchen Hungersnöten entgegenzusteuern.

In bestehenden Projektstrukturen vor Ort geben wir derzeit Saatgut und Dünger an Bauernfamilien aus. Auch bestärken wir unsere Partner darin, mehr als bisher auf Obst und Gemüse zu setzen. Außerdem versuchen wir darauf einzuwirken, dass der globale Handel mit landwirtschaftlichen Produkten offengehalten wird - Exportbeschränkungen dürfen jetzt nicht die Falschen treffen. Und wir unterstützen die Bemühungen der deutschen Bundesregierung, dass wertvolle Agrarrohstoffe wie Getreide und Ölsaaten weltweit statt für Biokraftstoffe oder intensive Tierhaltung lieber direkt als Nahrungsmittel genutzt werden.

Warum eine Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme jetzt notwendig ist und wie sie gelingen kann, erfahren Sie demnächst hier auf www.giz.de.