Interview

„Eine europäische Antwort auf die Rohstofffrage“

Lithium, Seltene Erden und stabile Lieferketten sind wichtige Pfeiler für die grüne und digitale Transformation der europäischen Wirtschaft. Kristian Lempa, Leiter Global Policy, Governance and Cities bei der GIZ, erklärt unsere Rolle in der Rohstoffversorgung und warum nachhaltige Partnerschaften ein Vorteil sind.

Zwei Hände halten einen dunklen, unbearbeiteten Gesteinsbrocken in einer schwach beleuchteten Umgebung.
Kostbares Gestein aus dem Inneren der Erde: Kobalt ist ein Schlüsselelement für die Energiewende.
Porträtfoto von Kristian Lempa in weißem Hemd vor hellgrauem Hintergrund, kreisförmig zugeschnitten.
Kristian Lempa leitet die Abteilung Global Policy, Governance and Cities der GIZ.

Herr Lempa, wie kann die GIZ dazu beitragen, dass die deutsche Wirtschaft in diesen geoökonomisch herausfordernden Zeiten mit ausreichend Rohstoffen versorgt ist?

Grundsätzlich geht es darum, eine europäische Antwort auf die Herausforderungen zu finden. Bei der Beschaffung von Rohstoffen steht Europa vor zwei Aufgaben, bei denen die GIZ unterstützt.

Die erste Aufgabe lautet: Wie gelingt es uns, deutsche und europäische Unternehmen zu Investitionen in Partnerländern zu bewegen, damit diese weiterverarbeitende Industrien aufbauen können. Hier kann die GIZ helfen, öffentlich-private Partnerschaften zu etablieren und die Finanzierung abzusichern.

Die zweite Aufgabe besteht darin, dass wir uns dafür einsetzen, dass unsere Partnerländer den wachsenden Rohstoffsektor nutzen, um ihre eigene Entwicklung voranzutreiben. Das gehört zum Kerngeschäft der GIZ. Außerdem bleiben Rohstoffpartnerschaften nur so dauerhaft stabil.

„Wir behalten auch die Interessen unserer Partnerländer im Blick.“

Kristian Lempa

Was bedeutet das genau und was unterscheidet die GIZ von anderen Playern in diesem Bereich?

Wir sorgen nicht nur dafür, dass unsere Wirtschaft Zugriff auf wichtige Rohstoffe wie Lithium oder Seltene Erden erhält. Wir behalten auch die Interessen der Partnerländer im Blick und wir fühlen uns den globalen Entwicklungszielen, den SDGs, verpflichtet.

Fakt ist: Viele Länder profitieren kaum von den Einnahmen aus dem Rohstoffsektor. Öffentliche Investitionen in Bildung oder Gesundheit sind in rohstoffreichen Staaten oft sogar schlechter als in anderen Ländern, die politischen Systeme sind instabiler, die Korruption ist hoch. Unter solchen Bedingungen können die SDGs nur schwer erreicht werden. Abgesehen davon sind solche Länder keine verlässlichen Partner für europäische Unternehmen. Deshalb wirken wir darauf hin, dass Geldflüsse aus dem Rohstoffsektor transparent gemacht und nachhaltig investiert werden.

Ein wichtiger Aspekt sind Investitionen in das Ausbildungssystem. Das stärkt die lokale und regionale Wirtschaft und schafft Perspektiven für junge Menschen vor Ort. Davon profitieren dann auch wieder ausländische Investoren.

Zwei Arbeiter sieben mit großen Schalen Rohstoffe in schlammigem, orangefarbenem Wasser im handwerklichen Bergbau.
Jenseits des schnellen Schürfens: Damit junge Menschen nachhaltige Perspektiven erhalten, sind Investitionen in Ausbildungssysteme wichtig. Die GIZ unterstützt rohstoffreichen Staaten dabei, die eigene Entwicklung voranzutreiben.

Wie ist die Resonanz von Ländern mit gefragten Rohstoffen auf solche europäischen Initiativen?

Es gibt ein großes Interesse an einer dritten Option für Kooperationen jenseits von bestehenden Handelsbeziehungen mit China und den USA. Viele Länder möchten rauskommen aus der Rolle, reine Lieferanten von unverarbeiteten Rohstoffen zu sein. Sie möchten an der Wertschöpfungskette teilhaben.

Für europäische Unternehmen, insbesondere für deutsche, ist das eine sehr gute Passung. Denn Deutschland importiert im Wesentlichen nicht reine Rohstoffe, sondern weiterverarbeitete Produkte und Vorprodukte. Beispielsweise importiert Deutschland 99 Prozent des benötigten Lithiums in Form von Batterien. Für die deutsche Industrie ist es strategisch wichtig, diese Vorprodukte aus verschiedenen Quellen zu beziehen, um sich aus einseitigen Abhängigkeiten zu befreien.

Wie arbeitet die GIZ in der Rohstoffwirtschaft?

Wir sind sehr gut aufgestellt, staatliche und private Akteure für öffentlich-private Partnerschaften zusammenzubringen. Wir kennen die Akteure und Interessen auf beiden Seiten und sind sowohl in den Partnerländern als auch in Europa und Deutschland hervorragend vernetzt.

Die GIZ engagiert sich außerdem in internationalen Initiativen für mehr Transparenz, Umwelt- und Gesundheitsschutz in der Rohstoffwirtschaft weltweit. Ein Beispiel ist die Global Battery Alliance. Sie entwickelt einen Batterieproduktpass, der Rohstoffe für Batterien bis hin zur Quelle nachverfolgbar macht. Deutsche E-Auto-Hersteller etwa können so nachweisen, dass die von ihnen verwendeten Batterien unter Einhaltung internationaler sozialer und ökologischer Standards produziert wurden. Gleichzeitig unterstützen wir die Lieferländer, diese Standards einzuhalten.

Und wie sehen die Projekte der Zukunft aus?

Die regionale Zusammenarbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung, um gemeinsame Wertschöpfungsketten aufzubauen. In der Andenregion arbeiten bereits mehrere Länder bei der nachhaltigen Gestaltung des Bergbausektors zusammen. Mit Unterstützung der GIZ entwickeln sie regionale Standards für die Gewinnung und Verarbeitung von Lithium, einem Schlüsselrohstoff für Autobatterien und Energiespeicher. Solche Kooperationen könnten auch in Afrika wichtige Impulse setzen: bei der Entwicklung gemeinsamer Standards, dem Ausbau der Infrastruktur oder beim Abbau von Handelshemmnissen. Die Demokratische Republik Kongo, Sambia und weitere Länder der Region haben alle Rohstoffe, die man für Batterien braucht. Gemeinsam könnten sie ein wichtiger Pfeiler für die Elektrifizierung der europäischen Wirtschaft werden.

Luftaufnahme einer industriellen Bergbauanlage mit mehreren großen, türkisfarbenen Absetzbecken in einer trockenen Wüstenlandschaft.
Wasseranlage bei einer Kupfermine in Peru
Zwei lächelnde Bergarbeiter in orangefarbener Schutzkleidung mit grünen Helmen und Stirnlampen stehen vor einem Stolleneingang.
Bergarbeiter in Peru. In der Andenregion arbeiten bereits mehrere Länder bei der nachhaltigen Gestaltung des Bergbausektors zusammen.
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