Förderung von Mikrofinanzdienstleistungen im ländlichen Raum

Projektbeschreibung

Titel: Mikrofinanzdienstleistungen im ländlichen Raum – Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für die arme Landbevölkerung IV
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Laos
Politischer Träger: Laotische Zentralbank (Bank of Lao PDR)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2018

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Ausgangssituation

Die Demokratische Volksrepublik Laos zählt gemäß Definition der Vereinten Nationen zu den weltweit am wenigsten entwickelten Ländern. Mehr als zwei Drittel der 6,5 Millionen Einwohner leben im ländlichen Raum mit begrenztem Zugang zu grundlegenden Infrastrukturleistungen, Bildung und formellen Märkten.

Zwar ist das Angebot an armutsorientierten Finanzdienstleistungen gestiegen, doch außerhalb der städtischen Zentren gibt es nur wenige Geschäftsbanken und Mikrofinanzinstitutionen. Der stark eingeschränkte Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen für die arme Landbevölkerung bleibt eine der größten Herausforderungen für die laotische Wirtschaft und die einzelnen Haushalte. Die Menschen haben kaum Rücklagen für Notsituationen. Sie können ihre Geschäftstätigkeit nicht ausweiten, weil sie keine Kredite erhalten, und sie können ihr Geld auch nicht auf Sparkonten einzahlen, da es in ihrer unmittelbaren Nähe keine Banken gibt. Die meisten Menschen im Projektgebiet verfügen nur über begrenzte finanzielle Mittel.

Ziel

Finanziell nachhaltige Dorfbanken und ihre Förderorganisationen bieten ihren Mitgliedern einen umfassenden Zugang zu Finanzdienstleistungen.

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Vorgehensweise

Das Projekt arbeitet mit der Zentralbank des Landes zusammen, um die Bedingungen für die Bereitstellung nachhaltiger Finanzdienstleistungen zu verbessern. Darüber hinaus unterstützt das Projekt die laotische Zentralbank bei der Entwicklung von Strategien und aufsichtsrechtlichen Dokumenten zur Verbreitung von Finanzkenntnissen und zum besseren Schutz der Verbraucher. Gemeinsam mit der Microfinance Association will sie auch die Kapazitäten der Akteure im laotischen Mikrofinanzsektor ausbauen.

Im ländlichen Raum unterstützt das Vorhaben sieben Mikrofinanzinstitutionen, die in ihrer Eigenschaft als Netzwerk-Förderorganisationen (NSOs) Netzwerke lokaler Dorfbanken beraten. Die NSOs bieten ihren Mitgliedern regelmäßig technische Unterstützung vor Ort an, zum Beispiel Coaching am Arbeitsplatz oder Seminare zu den Themen Buchhaltung und Kreditabwicklung.

Der Erwerb von Finanzwissen und betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen durch gezielte Kurse, die sowohl Finanz- als auch Wirtschaftskompetenz vermitteln, ergänzt die Arbeit des Projekts zur Verbesserung des Zugangs der ländlichen Bevölkerung zu Finanzierungsmöglichkeiten. Orientierung für alle Projektmaßnahmen sind die Grundprinzipien Gleichstellung der Geschlechter und Inklusion.

Das Projekt wird vom australischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel (DFAT) unterstützt.

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Wirkung

Die laotische Zentralbank (BoL) hat mit Unterstützung durch das Vorhaben eine Verordnung des Premierministers für Mikrofinanzinstitutionen und eine begleitende Umsetzungsrichtlinie erarbeitet, die jeweils im November 2012 bzw. im Mai 2016 in Kraft traten. Gleichzeitig unterstützt das Vorhaben die BoL bei der Formulierung einer Verbraucherschutzverordnung und der Ausarbeitung eines Plans zur Stärkung der finanziellen Allgemeinbildung in der Demokratischen Volksrepublik Laos.

AFC Consultants International hat das Projekt und die Zentralbank bereits 2011 durch die Installation einer Überwachungssoftware in der Abteilung für Bankenaufsicht unterstützt. Außerdem hat das Projekt eine wichtige Rolle bei der Gründung der Lao Microfinance Association gespielt. Diese Institution unterstützt im Mikrofinanzsektor tätige Organisationen und ermutigt sie, Anregungen für die Entwicklung neuer Vorschriften zu liefern. Ferner erbringt sie Capacity-Building-Leistungen für die Mitarbeiter des Sektors in Form von Kursen im Mikrofinanzmanagement, die mit einem Zertifikat abschließen.

Sieben Förderorganisationen (NSOs) leisten lokalen Dorfbanken in 24 Zieldistrikten Hilfestellung. Vier NSOs decken ihre Kosten bereits mit betrieblichen Erträgen – der Beweis, dass das Konzept finanziell tragfähig ist. Bis Mai 2018 hat das Vorhaben die Gründung von 610 Dorfbanken begleitet, die insgesamt mehr als 85.000 aktive Konten verwalten. Die meisten Konten sind Familienkonten; bei 57 Prozent der Einzelkonten sind Frauen die Kontoinhaberinnen.

Der Wert der kumulierten Spareinlagen übersteigt bereits 222 Milliarden laotische Kip (22,5 Millionen Euro). Es wurden mehr als 28.324 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von 209 Milliarden laotischen Kip (21,1 Millionen Euro) gewährt. Dieses Modell trägt der Nachfrage nach Spar- und Darlehensangeboten Rechnung, und sein Erfolg lässt sich an der wachsenden Zahl der Menschen ablesen, die die angebotenen Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen.

Mehr als 26.000 Menschen in den Zieldörfern wurden durch Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Bildung erreicht, wobei 54 Prozent der Teilnehmer Frauen waren. In Zusammenarbeit mit dem GIZ-Projekt Berufliche Bildung in Laos (Vocational Education in Laos, VELA) hat das Projekt die Lehrer von 17 ländlichen Berufsschulen geschult, damit sie dieses Wissen an ihre Schüler weitergeben können. Darüber hinaus wurde eine Schulung zur Optimierung der unternehmerischen Fähigkeiten von Kleinst- und Kleinunternehmern in den Zielgebieten entwickelt und durchgeführt.