Biodiversitäts- und Klimaschutz Hand in Hand

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Biodiversität und Klimawandel in der Mata Atlântica, Brasilien
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Ministério do Meio Ambiente (MMA)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Brasilien. Die Beteilgung der Gemeinden ist entscheidend für die Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung des Atlantischen Regenwaldes.  (Bild: Wigold Schaffer) © GIZ

Ausgangssituation

Der atlantische Küstenwald, die „Mata Atlântica“, ist die Heimat von mehr als 120 Millionen Brasilianern und das Herz der brasilianischen Wirtschaft – mehr als 70 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung werden hier erbracht. Die Mata Atlântica zählt zu den fünf wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots weltweit – und das trotz Megastädten wie São Paulo oder Rio de Janeiro. Der atlantische Küstenwald speichert das Treibhausgas CO2 und ist weltweit als Kohlenstoffsenke wichtig. Außerdem erbringt die „Mata Atlântica“ lebenswichtige Ökosystemleistungen für die brasilianische Gesellschaft, zum Beispiel die Trinkwasserversorgung der wichtigsten Metropolen des Landes.

Die Entwaldungsraten sind in den vergangenen Jahren schrittweise zurückgegangen. Dennoch bedroht die starke Zersplitterung der verbliebenen Waldflächen weiterhin den Erhalt der Biodiversität. Der Klimawandel ist eine zusätzliche Herausforderung für die Region. Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen oder lange Trockenperioden führten in den vergangenen Jahren zu erheblichen Schäden für die Menschen und die Wirtschaft. Zudem ist noch wenig über die Verwundbarkeit des atlantischen Küstenwaldes durch den Klimawandel bekannt. Der Schutz und die Wiederherstellung der Mata Atlântica, die Klima- und Ökosystemfaktoren berücksichtigt, ist eine zentrale Herausforderung für die Region.

Die brasilianische Regierung hat sich ehrgeizige Ziele im Biodiversitäts- und Klimaschutz gesetzt, beispielsweise im Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) oder in der Nationalen Klimawandelpolitik (Política Nacional sobre a Mudança do Clima, PNMC).

Ziel

Verbesserter Biodiversitätsschutz und die Wiederherstellung ursprünglicher Waldgebiete in drei Schutzgebietsverbünden reduzieren Auswirkungen des Klimawandels. Die Mata Atlântica ist besser an die Folgen des Klimawandels angepasst.

Vorgehensweise

Das Projekt arbeitet in drei ausgewählten Schutzgebietsverbünden. Im Fokus stehen Maßnahmen zur ökosystembasierten Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Ecosystem-based Adaptation, EbA) und zur Minderung von Treibhausgasemissionen (Ecosystem-based Mitigation, EbM).

Als Teil einer umfassenden Anpassungsstrategie Brasiliens und seiner Bevölkerung an den Klimawandel, hat das Projekt mit dem brasilianischen Umweltministerium MMA folgende Schwerpunkte vereinbart:

  • Klimasensible Entwicklungsszenarien und Analysen der Klimarisken und -folgen (Vulnerabilitätsanalysen) in politischen Planungsprozessen,
  • Ökonomische Instrumente und Anreizstrukturen für ökosystembasierte Anpassung an den Klimawandel,
  • Ökosystembasierte Anpassungs- und Minderungsstrategien,
  • Politische Strategien für Biodiversitätsschutz, Wiederherstellung von Wäldern und Klimaschutz.

In die Umsetzung der Maßnahmen sind das Chico Mendes Institut für Biodiversitätsschutz (ICMBio), Umweltbehörden der Länder und der nationale Pakt für die Wiederherstellung der Mata Atlântica (Pacto) sowie Nichtregierungsorganisationen eingebunden.

Bei der Umsetzung des Vorhabens durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt das Consultingunternehmen GFA Consulting Group (GFA). Weiterhin werden Finanzierungsleistungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erbracht.

Wirkung

  • Klimarisiken für die gesamte Fläche der Mata Atlântica sind identifiziert. Mithilfe von partizipativen Prozessen wurden ökosystembasierte Klimaanpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel Schutz von Uferwäldern oder Wiederherstellung von Naturwald in Quellgebieten auf einer Fläche von mehr als 210.000 Hektar entwickelt.
  • Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen haben ihre Expertise zur ökosystembasierten Anpassung an den Klimawandel institutionalisiert. Dazu gehören insbesondere Fähigkeiten zur Ausbildung von Multiplikatoren die ihre Kenntnisse in der Praxis anwenden.
  • Mehr als 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Universitäten haben sich in Kursen und Veranstaltungen über den Klimawandel und EbA weitergebildet.
  • Zwölf Pilotprojekte zur Berücksichtigung von Klimawandel und EbA in Planungsprozessen von Gemeinden, Schutzgebieten und Wassereinzugsgebieten sind umgesetzt. Weitere 28 Pilotprojekte sind in Planung.
  • Brasilianische Schlüsselakteure zur Wiederherstellung von Naturwald haben ihr Wissen und ihre Fähigkeiten ausgebaut (Capacity Development) und der Pakt zur Wiederherstellung der Mata Atlântica (PACTO) wurde gestärkt.
  • Brasilien nutzte bei der Ausarbeitung der 2017 verabschiedeten nationalen Politik und Agenda zur Wiederherstellung der natürlichen Vegetation (Proveg und Planaveg) innovative Methoden zur Auswahl der für jede Region am besten geeigneten Techniken. Die Kosten für Wiederherstellungsmaßnahmen sanken.
  • Studien zu Kosten und Finanzierungsquellen erhöhten die Verfügbarkeit von Fördergeldern für EbA-Maßnahmen in den Projektgebieten. Das Projekt berät die brasilianische Umweltagentur Ibama dabei, Strafzahlungen in Mittel für Umweltprojekte umzuwandeln. Dieses Vorgehen hat ein hohes Potenzial, auf nationaler Ebene weitere Gelder zur Verfügung zu stellen.
  • Die brasilianische Regierung integriert Kenntnisse und Erfahrungen mit EbA auch in weitere nationale Politiken, wie beispielsweise in den Nationalen Plan zur Anpassung an den Klimawandel (PNA).
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