Anpassung an den Klimawandel durch grenzüberschreitendes Hochwasserrisikomanagement im westlichen Balkan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Anpassung an den Klimawandel durch grenzüberschreitendes Hochwasserrisikomanagement im westlichen Balkan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Südosteuropa (Albanien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien)
Politischer Träger: Albanien: Ministerium für Tourismus und Umwelt; Kosovo: Ministerium für Umwelt und Raumplanung; Montenegro: Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Tourismus; Nordmazedonien: Ministerium für Umwelt und Raumplanung
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2021

Floods 2010 in Shkodra region

Ausgangssituation

Das Einzugsgebiet des Flusses Drin im westlichen Balkan behaimatet 1,6 Millionen Menschen. Das Flusssystem bietet der Bevölkerung wichtige Lebensgrundlagen, denn es stellt die für Stromerzeugung, Bewässerung, Fischerei und Freizeitaktivitäten benötigten Ressourcen bereit. Durch die Zunahme von Flusshochwassern und Dürren im Mittelmeerraum, insbesondere auf dem westlichen Balkan, sind jedoch die Risiken für die Wirtschaft, die Tier- und Pflanzenwelt und die menschliche Gesundheit gestiegen.

In den letzten Jahren traten auf dem Westbalkan immer öfter schwere Naturkatastrophen auf, hauptsächlich Überschwemmungen und Dürren. So hat der Klimawandel dazu geführt, dass der Drin häufiger weit über seine Ufer tritt, wodurch die Lebensbedingungen der Bevölkerung, die in seinem Einzugsgebiet lebt, beeinträchtigt werden. Diese Entwicklung kann dramatische wirtschaftliche Folgen haben, denn die Überschwemmungen führen zu hohen Sachschäden an Gebäuden sowie zum Verlust von Nutzpflanzen und Vieh. In den Anrainerstaaten des Drin (Albanien, Kosovo, Montenegro und Nordmazedonien) ist man sich der Tatsache bewusst, dass die Länder in Sachen Katstrophenvorsorge, Notfallmaßnahmen und Wiederaufbau gemeinsam handeln müssen, um die Folgen von Naturkatastrophen erfolgreich zu bewältigen und sich an die erwarteten Veränderungen anzupassen.

Ziel

Das grenzüberschreitende Hochwasserrisikomanagement ist im Hinblick auf den Klimawandel im westlichen Balkan gestärkt.

Measurements of water level

Vorgehensweise

Das Projekt konzentriert sich auf das Einzugsgebiet des Drins und unterstützt nationale und lokale Institutionen in Albanien, Kosovo, Montenegro und Nordmazedonien.

 


Zurzeit ist das Projekt im Wesentlichen in drei Handlungsfeldern tätig:

  • Kartierung von Hochwassergefahren und -risiken: Das Projekt unterstützt seine Partnerinstitutionen mit technischem und methodischem Fachwissen bei der partizipativen Entwicklung von Karten zu Hochwassergefahren und -risiken gemäß der EU-Hochwasserrichtlinie.
  • Frühwarnung: Das Projekt arbeitet in ausgewählten Pilotgebieten mit nationalen und lokalen Behörden zusammen, um effektive Frühwarnsysteme (einschließlich der entsprechenden Kapazitäten) aufzubauen, mit denen die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden kann. Das Projekt berät die Wetterdienste der Partnerländer, damit diese ihre Kapazitäten für die Vorhersage von Hochwassern verbessern können.
  • Institutionelle Entwicklung: Das Projekt unterstützt die nationalen und lokalen Akteure bei der Stärkung ihrer strategischen Kapazitäten im Hinblick auf eine bessere Koordination des Hochwasserrisikomanagements. 

Wirkungen

Das aktuelle Projekt baut auf den Ergebnissen früherer Projektphasen auf. So wurde zuvor ein Hochwasservorhersagesystem für die Wetterdienste der einzelnen Länder aufgebaut, das inzwischen im Einsatz ist. Dadurch können rund 30.000 Menschen, die im Hochwasserfall von Überschwemmungen betroffen sein können, frühzeitig gewarnt werden. Umfang und Qualität des Austauschs von hydrologischen und meteorologischen Echtzeitdaten zwischen den Anrainerstaaten haben zugenommen, was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Langfristig streben die Drin-Anrainerstaaten im Rahmen ihrer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ein gemeinsames regionales Hochwasserrisikomanagement an. Zu diesem Zweck wurde eine grenzüberschreitende technische Arbeitsgruppe als Austauschplattform eingerichtet. Innerhalb dieser Arbeitsgruppe erhielten die Anrainerstaaten technisches Fachwissen zur Ermittlung von Gebieten mit hohem Hochwasserrisiko; der erste Schritt des Hochwasserrisikomanagements gemäß der EU-Hochwasserrichtlinie.

Im Rahmen eines partizipativen Konzepts wurden in Albanien acht und in Montenegro 22 kommunale bzw. lokale Hochwasserrisikomanagementpläne entwickelt, die die Anforderungen der EU-Hochwasserrichtlinie erfüllen.

Verschiedene lokale Behörden in den besonders hochwassergefährdeten Gebieten Albaniens und Montenegros haben im Rahmen ihrer Pläne bereits Anpassungsmaßnahmen umgesetzt. So wurden Aufklärungskampagnen durchgeführt, um das Bewusstsein der örtlichen Bevölkerung und der Behörden für das Hochwasserrisiko zu schärfen. Ferner wurden in Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden Entwässerungsgräben wieder instand gesetzt, um das Überschwemmungsrisiko zu mindern.

Im Kosovo wurden sowohl ein Dürrerisikomanagementplan für die Stadt Gjilan als auch ein technischer Leitfaden zur Erstellung von Dürremanagementplänen erarbeitet. Darüber hinaus wurde für die regionalen Wasserversorger ein Dürrefrühwarnsystem entwickelt, das auf einem Standardisierten Niederschlagsindex (SPI) beruht und nach wie vor im Einsatz ist.

In der ersten Projektphase wurden in den drei Hauptstädten Tirana, Podgorica und Belgrad Analysen der Anfälligkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels durchgeführt. Auf dieser Grundlage wurden Klimaanpassungspläne entwickelt und erste Maßnahmen umgesetzt.
Darüber hinaus hat Albanien als erstes Land auf dem Balkan einen partizipativ gestalteten nationalen Anpassungsprozess auf den Weg gebracht, der in einem Nationalen Anpassungsplan (NAP) mündete. Durch den NAP wurden die Kapazitäten der Mitglieder der interministeriellen Arbeitsgruppe gestärkt. Gleichzeitig bildet der Anpassungsplan die Grundlage für die kürzlich verabschiedete albanische Klimaschutzstrategie.

Bei den jüngsten Überschwemmungen Anfang 2018 wurde bereits deutlich, dass die durch das Projekt unterstützten Maßnahmen zur Minderung von Hochwasserschäden beitragen.

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