Anpassung an den Klimawandel im grenzüberschreitenden Hochwasserrisikomanagement der westlichen Balkanstaaten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Anpassung an den Klimawandel im grenzüberschreitenden Hochwasserrisikomanagement der westlichen Balkanstaaten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südosteuropa (Albanien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien)
Politischer Träger: Albanien: Ministerium für Tourismus und Umwelt; Kosovo: Ministerium für Umwelt und Raumplanung; Mazedonien: Ministerium für Umwelt und Raumplanung; Montenegro: Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Tourismus 
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2018

Floods 2010 in Shkodra region

Ausgangssituation

Das Drin-Flussgebiet in den westlichen Balkanländern beheimatet 1,6 Millionen Menschen. Ihr Leben ist eng mit dem Flusssystem verbunden, das ihnen die Ressourcen liefern, die sie für Stromerzeugung, Bewässerung, Fischerei und Freizeitaktivitäten benötigen. Die Zunahme von Hochwasser- und Dürreperioden in der Mittelmeerregion und insbesondere in den Ländern des westlichen Balkans führt zu immer größeren Risiken für Wirtschaft, Flora, Fauna und die menschliche Gesundheit.

In den vergangenen Jahren hat die Häufigkeit und Schwere von Naturkatastrophen (hauptsächlich Hochwasser- und Dürreperioden) in der westlichen Balkanregion erheblich zugenommen. Der Klimawandel führt dazu, dass intensive Hochwasser die Lebensbedingungen der Bevölkerung des Drin-Flussgebiets zunehmend beeinträchtigen. Simulationsmodelle für den Klimawandel zeigen, dass die Zahl der Hochwasserereignisse in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die Folgen sind unter anderem Sachschäden sowie der Verlust von Ernten und Vieh mit erheblichen Auswirkungen für die Gemeinden. Alle Flussanliegerstaaten (Albanien, Montenegro, Kosovo und Mazedonien) sind sich einig darin, dass im Hinblick auf Hochwasservorsorge und -abwehr sowie die Folgenbewältigung ein gemeinsames Vorgehen notwendig ist. Nur so wird es gelingen, die Folgen von Hochwasserereignissen beherrschbar zu machen und sich an die zu erwartenden Veränderungen anzupassen.

Die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel im Drin-Flussgebiet kann durch eine verstärkte grenzübergreifende Zusammenarbeit, effizientere Informationskanäle und eine verbesserte Vorsorge und Klimaanpassung gesteigert werden.

Ziel

Verbessertes Management des Hochwasserrisikos im Einzugsgebiet des Drin.

Measurements of water level

Vorgehensweise

Das Projekt konzentriert sich auf das Drin-Flussgebiet und unterstützt staatliche Einrichtungen in Albanien, Montenegro, Kosovo und Mazedonien. Ferner unterstützt das Projekt die Drin Core Group (DCG), die als regionale Struktur ein Vorläufer einer zukünftigen Flussgebietskommission für den Drin sein könnte. Die Unterstützung durch das Projekt umfasst Beratungsleistungen durch internationale, regionale und lokale Fachkräfte, Fortbildungen sowie die Beschaffung von Ausrüstung, Geräten und Materialien.

Das Projekt ist in drei Hauptbereichen tätig:

  • Hochwasservorhersage und -warnungen: Zusätzlich zum Ausbau des Netzes aus hydro-meteorologischen Messstationen unterstützt das Projekt die Einrichtung eines regionalen Hochwasservorhersagesystems.
  • Grenzübergreifende Zusammenarbeit: Das Projekt unterstützt gemäß der EU-Hochwasserrichtlinie die systematische Identifizierung und Kartierung der Bereiche des Drin-Flussgebietes mit dem höchsten Hochwasserrisiko. Auf dieser Grundlage werden Vorsorgemaßnahmen zum Hochwasserschutz geplant. Die Zusammenarbeit im Hochwasserrisikomanagement wird im Rahmen der DCG ausgebaut.
  • Widerstandsfähigkeit und Verringerung von Hochwasserrisken auf lokaler Ebene: Das Projekt unterstützt lokale Behörden in Albanien und Montenegro dabei, Anpassungsmaßnahmen als Teil ihrer Hochwasserrisikomanagementpläne (deren Entwicklung in der vorangegangenen Projektphase gefördert wurde) umzusetzen. Zu den Zielen des Projekts zählen die Sensibilisierung der betroffenen Bevölkerung sowie die Stärkung der Katastrophenvorsorge und der Kapazitäten der lokalen Akteure im Hinblick auf besseres Hochwasserrisikomanagement.

Wirkung

Das Projekt stärkt die Kapazitäten für die Anpassung an den Klimawandel und verbessert das grenzübergreifende Hochwasserrisikomanagement im Drin-Flussgebiet.

Die staatlichen hydro-meteorologischen Dienste der vier Flussanliegerstaaten verfügen nun über ein regionales Hochwasservorhersagesystem. So können rund 30.000 Menschen, die potenziell von Hochwasserereignissen betroffen sind, vorgewarnt werden. Den Flussanliegerstaaten stehen nun in größerem Umfang bessere hydrologische und meteorologische Echtzeit-Daten zu Verfügung; diese werden unter den Staaten ausgetauscht, was noch vor wenigen Jahren undenkbar war.

Ein langfristiges Ziel der grenzübergreifenden Zusammenarbeit unter den Drin-Anliegerstaaten besteht in der Umsetzung eines gemeinsamen Hochwasserrisikomanagements. Die Flussanliegerstaaten erhalten technisches Fachwissen, mit dem sie die Bereiche des Drin-Flussgebietes mit hohem Hochwasserrisiko systematisch identifizieren und kartieren können. Dies ist Teil der vorausschauenden Bewertung des Hochwasserrisikos gemäß der EU-Hochwasserrichtlinie. Der Entwicklung eines Katalogs mit gemeinsamen Maßnahmen für die gesamte Region kommt eine Schlüsselbedeutung für die Verbesserung der grenzübergreifenden Bekämpfung von Hochwasserereignissen zu.

Verschiedene lokale Behörden in besonders gefährdeten Gebieten in Albanien und Montenegro haben im Rahmen ihrer Hochwasserrisikomanagementpläne Anpassungsmaßnahmen umgesetzt.

Die jüngsten Hochwasserereignisse Anfang 2018 haben gezeigt, dass die vom Vorhaben unterstützten Maßnahmen bereits wirken und das Risiko von Schäden gemindert werden kann.