Klimawandelanpassung im westlichen Balkan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Klimawandelanpassung im westlichen Balkan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südosteuropa
Politischer Träger: Albanien: Ministerium für Umwelt; Kosovo: Ministerium für Umwelt und Raumplanung; Mazedonien: Ministerium für Umwelt und physische Plannung; Montenegro: Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Tourismus; Serbien: Ministerium für Landwirtschaft und Umweltschutz
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2018

Ausgangssituation

Im westlichen Balkan leben im Einzugsgebiet des Drins 1,6 Millionen Menschen, die den Fluss für Stromerzeugung, Bewässerung, Fischerei und Freizeitaktivitäten nutzen. Für die Region ist das Flusseinzugsgebiet lebensnotwendig. Zunehmende Hochwasser- und Dürreereignisse im Mittelmeerraum und besonders im westlichen Balkan werden zu erhöhten Risiken für die Wirtschaft, Flora, Fauna und die Gesundheit der Menschen führen.

Prognosen zufolge sind die Anrainerstaaten Albanien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien besonders anfällig für negative Auswirkungen des Klimawandels. In den betroffenen Ländern rechnet man generell mit einem Anstieg der Jahresdurchschnittstemperaturen, wie zum Beispiel in Albanien bis zu 5,6 Grad Celsius, und sinkenden Niederschlägen im Jahresmittel, beispielsweise 5 Prozent bis 2050 in Mazedonien. Dies wird einerseits zu milderen und feuchteren Wintern in der Region führen. Andererseits steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zunahme extremer Wetterereignisse, die das Risiko für Überschwemmungen, Bodenerosion und Gewässerverschmutzung erhöhen. Wärmere und trockene Frühjahre werden zu längeren Trockenzeiten mit hohen Temperaturen über 35 Grad Celsius besonders in den Sommermonaten führen. Berücksichtigt man, dass die Temperaturen in den städtischen Gebieten um einige Grad Celsius steigen werden, könnten Städte wie Tirana und Podgorica Hitzewellen über 45 Grad Celsius verzeichnen.

Das Hochwasser im albanischen Shkodra 2010 und die extreme Dürreperiode im Kosovo 2013 haben gezeigt, dass die Menschen in der Region auf die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Viele nationale Institutionen sind sich dessen zwar teilweise bewusst, neben der notwendigen Expertise fehlen jedoch vor allem verlässliche Daten. Darüber hinaus mangelt es an der notwendigen regionalen Kooperation über nationale Grenzen hinweg. Anpassungstrategien sind zudem weder auf regionaler noch auf nationaler Ebene bisher fester Bestandteil der politischen Rahmenbedingungen.

Ziel

Die Anpassung an den Klimawandel im westlichen Balkan, besonders hinsichtlich der Hochwasser- und Dürrerisiken, ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben stützt sich in Albanien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien auf eine diversifizierte regionale, nationale und lokale Partnerstruktur. Die Unterstützung der GIZ umfasst Beratung durch internationale, regionale und lokale Fachkräfte, Fortbildungsmaßnahmen und Sachgüterbeschaffung.

Das Vorhaben hat fünf Handlungsschwerpunkte:

  1. Aufbau eines regionalen Hochwassermeldesystems für das Drin-Einzugsgebiet
  2. Unterstützung nationaler Institutionen bei die Erarbeitung von Strategien zur Klimawandelanpassung
  3. Beratung bei der Erstellung lokaler Hochwasserrisiko- und Dürremanagementpläne sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Verringerung von Risiken
  4. Beratung bei der Erarbeitung grenzüberschreitender Konzepte zum Wasserressourcenmanagement
  5. Integration von Empfehlungen zur Klimawandelanpassung in die Stadtplanung und -entwicklung der Großstädte Tirana, Podgorica und Belgrad

Wirkung

Das Vorhaben leistet einen Beitrag zur Minderung gesundheitlicher, sozialer, wirtschaftlicher und umweltbezogener Auswirkungen des Klimawandels im westlichen Balkan mit besonderem Fokus auf Hochwasser- und Dürrerisikomanagement im Drin-Einzugsgebiet. Alle Massnahmen unterstützen die Kooperationsländer bei der Erfüllung der hochgesteckten Ziele und kritischen Standards des EU-Umweltacquis.

In Albanien und Montenegro wurden für 31 Kommunen in einem partizipativem Prozess Hochwasserrisikomanagementpläne erstellt und lokale Kompetenzen für die effektive Umsetzung entwickelt. Somit konnte die Vulnerabilität der Bevölkerung von circa 200.000 Menschen gegenüber Hochwasserrisiken signifikant reduziert werden. Darüber hinaus wurden in den vier Anrainerstaaten des Drin die Niederschlags- und Pegelnetze zur Messung von Echtzeitdaten für die grenzüberschreitende Hochwasservorhersage ausgebaut. Dadurch können nun Hochwasserereignisse vorhergesagt und die betroffene Bevölkerung gewarnt werden.

Im Kosovo konnte durch das Engagement der GIZ im Bereich Klimawandelanpassung ein standardisiertes Planungsinstrument für das vorrausschauende Dürrerisikomanagement der sieben regionalen Wasserversorger entwickelt und eingeführt werden. Die Unternehmen, welche die gesamte kosovarische Bevölkerung mit Wasserdienstleistungen versorgen, sind nun in der Lage, durch tägliche Erhebung und Analyse von Niederschlagsdaten, saisonale Abweichungen zu identifizieren und Dürreperioden vorherzusagen. Somit können frühzeitig Massnahmen zum Wassersparen für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung initiiert werden.