Ernährungssicherung in der Provinz Tanganjika

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ernährungssicherung in der Provinz Tanganjika
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Demokratische Republik Kongo
Politischer Träger: Ministère du Développement Rural (MDR)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Ausgangssituation

Die Demokratische Republik Kongo kann staatliche Organisations-, Planungs- und Managementaufgaben nur unzureichend wahrnehmen. Aus diesem Grund sowie wegen der endemisch verbreiteten Korruption kann der Staat weder Basisdienstleistungen für die Bevölkerung erbringen noch für deren Sicherheit sorgen. Die soziale und produktive Infrastruktur ist kriegsbedingt weitgehend zerstört oder wegen der jahrelang ausgebliebenen Instandsetzung nicht mehr funktional. Das staatliche Gesundheits- und Bildungssystem ist stark defizitär und auf dem Land hat kaum eine Familie Zugang zu sauberem Trinkwasser. Für Binnenflüchtlinge oder Rückkehrende gibt es keinerlei staatliche Unterstützung; auch humanitäre Organisationen leisten nur befristet Hilfe.

Günstige natürliche und klimatische Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion können die sogenannten vulnerablen, das heißt schutzbedürftigen, Haushalte in der Projektregion derzeit kaum oder nicht ausreichend nutzen. Wenig adäquate landwirtschaftliche Produktionsmittel, ausgelaugte Böden sowie mangelnde Kenntnisse verursachen eine unzureichende Produktion. Die Situation wird durch hohe Nachernteverluste sowie fehlende Weiterverarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten zusätzlich erschwert. Fehlende Erträge und akute Ernährungsunsicherheit zahlreicher Haushalte sind die Folgen.

Ziel

Die Ernährungssicherheit der Bevölkerung in ausgewählten Gebieten von Kalemie und Moba in der Provinz Tanganjika ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt Haushalte, damit sie das ganze Jahr ausreichende, vielfältige Nahrungsmittel haben und diese auch entsprechend nutzen. Die Maßnahmen verbessern die vier Dimensionen der Ernährungssicherheit:

  1. Verfügbarkeit. Die Maßnahmen sollen den Ertrag steigern und das Nahrungsangebot erweitern.
  2. Zugang. Einkommenschaffende Maßnahmen sowie die Bereitstellung von Marktinfrastruktur und -informationen zum Verkauf überschüssiger Produkte verbessern den Zugang zu Nahrungsmitteln.
  3. Verwendung. Um Nahrungsmittel für eine ausgewogene Ernährung besser zu nutzen, werden Haushalte für die Bedeutung gesunder Ernährung und deren Zubereitung sensibilisiert. Die Aktivitäten richten sich sowohl an Frauen als auch an Männer.
  4. Stabilität. In ausgewählten Gemeinden wird die Resilienz vulnerabler Haushalte und Gemeinschaften gegenüber externen Schocks, insbesondere durch Ernteausfälle, verbessert.

Um die Ernährungssicherheit auch langfristig zu verbessern, spielen Gendersensibilität sowie konfliktvermeidende und -entschärfende Maßnahmen von Beginn an eine entscheidende Rolle. Die Maßnahmen des Projekts bauen auf einer Analyse der lokalen Spannungen und ihrer zugrundeliegenden Ursachen auf. Sie werden so geplant, dass konfliktverschärfende Wirkungen vermieden und gleichzeitig vorhandene Ansätze für einen stärkeren sozialen Zusammenhalt ausgebaut werden.

Zentraler Ansatz zur Vermeidung und Entschärfung von Konflikten in dieser instabilen, krisenanfälligen Region ist eine ausgewogene, Gruppengrenzen überschreitende Zusammensetzung der Projektpartner. Auch Fragen des Zugangs, der Verteilung und der Qualität von Trinkwasser spielen bei Konfliktbearbeitung und Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle.

Besondere Bedarfe von Frauen werden berücksichtigt und der Benachteiligung von Frauen entgegengewirkt. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zur funktionalen Alphabetisierung, zur Weiterverarbeitung und Kommerzialisierung von Lebensmitteln, aber auch die Sensibilisierung für Verhaltensänderungen, etwa bei kulturellen Normen und Tabus in der häuslichen Nahrungsmittelverwendung und -verteilung. Ein Beispiel dafür ist die verbreitete Gewohnheit, dass die Männer immer zuerst essen und die Frauen dadurch tendenziell weniger zu essen bekommen.