Programm Migration für Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Migration für Entwicklung (PME)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Das Globalvorhaben „Programm Migration für Entwicklung“ arbeitet in zwei Modulen in aktuell 24 Partnerländern.

  • Modul 1: Albanien, Äthiopien, Ecuador, Georgien, Ghana, Indien, Indonesien, Jordanien, Kamerun, Kenia, Kolumbien, Kosovo, Marokko, Nepal, Nigeria, Palästinensische Gebiete, Peru, Senegal, Serbien, Tunesien, Ukraine und Vietnam; 
  • Modul 2: Afghanistan, Albanien, Ghana, Irak, Kosovo, Marokko, Nigeria, Senegal, Serbien, Tunesien.

Partner: Umsetzungspartner ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA), die unter dem Dach des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM) in einer Arbeitsgemeinschaft mit der GIZ zusammenarbeitet.
Politischer Träger: Arbeitsministerien in den Projektländern oder vor Ort zuständige Arbeitsagenturen, wie etwa das Ministerium für Arbeit, Soziales und Veteranen in Serbien, das Ministerium für soziale Wohlfahrt und Jugend in Albanien, das Ministerium für Arbeit und soziale Wohlfahrt in Kosovo, die marokkanische Arbeitsagentur ANAPEC sowie die tunesische Arbeitsagentur ANETI.
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Michael Sauer berät als arbeitspolitischer Migrationspolitiker das kosovarische Arbeitsministerium. Copyright: CIM/ GIZ

Ausgangssituation

Migration ist ein weltweites Phänomen: Insgesamt leben über 250 Millionen Menschen außerhalb ihres Herkunftslandes. Viele suchen im Ausland nach Arbeits- oder Weiterbildungsmöglichkeiten, andere müssen ihre Heimat aufgrund von Krieg oder Gewalt verlassen. Für die von Auswanderung betroffenen Länder stellen Migration und Flucht eine große Herausforderung dar, etwa durch den Verlust von Fachkräften und wichtigem Know-how (Brain-Drain). Gleichzeitig bietet Migration auch Potenziale für Entwicklung in Form von Wissenstransfer, Investitionen aus der Diaspora sowie entwicklungsorientierter Rückkehr. Allerdings fehlen bislang umfassende Angebote, die in unterschiedlichen Phasen des Migrationszyklus – d. h. vor, während und nach der Migration – die Bedarfe und Potenziale der Migranten behandeln. Die entwicklungsrelevanten Beiträge von Migranten werden bisher nicht optimal genutzt und die entsprechenden Rahmenbedingungen sind in den meisten Herkunftsländern ungenügend. Hier setzt das Globalvorhaben „Programm Migration für Entwicklung“ (PME) mit seinem Modul 1 – „Entwicklungsorientierte Migration“ – an.

Anfang 2017 wurde das Vorhaben im Rahmen des BMZ-Rückkehrerprogramms „Perspektive Heimat“ um ein zweites Modul – „Informierte Rückkehr und Reintegration“ – erweitert. In den vergangenen Jahren sind mehr als eine Million Menschen nach Deutschland gekommen, um Krieg, Gewalt oder wirtschaftlichen Notlagen zu entkommen. Nicht alle Geflüchteten werden langfristig in Deutschland bleiben können. Sie benötigen Orientierung über ihre Möglichkeiten und Perspektiven sowie Unterstützung bei der Reintegration in ihren Herkunftsländern. Die informierte Rückkehr und Reintegration von Migranten sowie Geflüchteten aus Deutschland in ihre Herkunftsländer wird bisher nicht ausreichend und bedarfsgerecht unterstützt.

Ziel                                                    

Das Programm Migration für Entwicklung (PME) verfolgt folgende Ziele:

  1. Modulziel 1: Der entwicklungsrelevante Beitrag von Migranten in ihren Herkunftsländern ist gestärkt und die Rahmenbedingungen für legale Migration sind in ausgewählten Herkunftsländern verbessert.
  2. Modulziel 2: Die informierte Rückkehr und bedarfsgerechte Unterstützung bei der Reintegration von Migranten sowie Geflüchteten aus Deutschland in ihre Herkunftsländer ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Programm Migration für Entwicklung (PME) arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und wird vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) umgesetzt, einer Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV/BA). Das PME ist in zwei Module unterteilt und aktuell in insgesamt 24 Ländern tätig, wobei nicht alle Handlungsfelder und Komponenten in allen Ländern zur Umsetzung kommen.

Die Rückkehrende Fachkraft Apekshya Dhungel beim Planen von Freiflächen in ihrer Heimat Nepal. Copyright: CIM/ GIZ

In Modul 1 („Entwicklungsorientierte Migration“) unterstützt das PME Menschen, die ihr in Deutschland gewonnenes Know-how in ihren Herkunftsländern einbringen wollen, zum Beispiel als Rückkehrende Fachkräfte, Diaspora-Fachkräfte, Existenzgründer oder durch ihr Engagement in Diaspora-Organisationen. Mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und Kontakten stoßen Migranten wichtige Veränderungen an und tragen dazu bei, dass ihre Herkunftsländer zukunftsfähig bleiben. Das Modul 1 besteht aus fünf Handlungsfeldern:

  • Wissenstransfer durch Rückkehrende Fachkräfte: Förderung von Rückkehrenden Fachkräften, die in Deutschland studiert oder gearbeitet haben und ihr Know-how im Rahmen einer Beschäftigung in ihrem Herkunftsland einbringen möchten.
  • Kooperation mit der Diaspora (Diaspora-Organisationen und Diaspora-Fachkräfte): Förderung von entwicklungsrelevanten Projekten von Diaspora-Organisationen, die sich für eine bessere Lebenssituation der Menschen in ihrem Herkunftsland einsetzen, sowie Förderung von ehrenamtlichen Kurzzeiteinsätzen von Diaspora-Fachkräften.
  • Geschäftsideen für Entwicklung: Unterstützung von Migranten, die in ihrem Herkunftsland ein Unternehmen gründen möchten.
  • Migrationsberatung: Beratung zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten im Herkunftsland sowie zu Wegen legaler Migration nach Deutschland.
  • Migrationspolitikberatung: Beratung von Regierungen und politischen Institutionen zum Thema Migrationspolitik und Unterstützung bei der Gestaltung und Umsetzung von Migrationsstrategien.

In Modul 2 („Informierte Rückkehr und Reintegration“) unterstützt das PME Migranten sowie Geflüchtete aus Deutschland bei der Reintegration in ihre Herkunftsländer.

Es verfolgt dabei verschiedene Ansätze:

Deutschland-Komponente 

  • Rückkehrinformation und Beratung zu Perspektiven in den Herkunftsländern, etwa durch die Webseite www.build-your-future.net
  • Stärkung der Angebote der Rückkehrberatungsstellen in Deutschland durch den Einsatz von Reintegrations-Scouts: Die Scouts unterstützen die Beratungsstellen, indem sie Kontakte zu Anlaufstellen in den jeweiligen Ländern und Informationen zu Beschäftigungsperspektiven und Angeboten vor Ort bereitstellen.
  • Angebot von reintegrationsvorbereitenden Maßnahmen für Rückkehrer
Im Deutsch-Tunesischen Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration können sich Tunesier zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten beraten lassen. Copyright: CIM/ GIZ

Herkunftsland-Komponente

Beratung von Rückkehrenden in Migrationsberatungszentren vor Ort zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten: In den Beratungszentren erhalten Menschen Informationen zu Startchancen wie Aus- und Weiterbildungsangeboten sowie Arbeitsmöglichkeiten und Unterstützung bei Bewerbungen. Derzeit gibt es Zentren in Albanien, Kosovo, Serbien, Tunesien, Marokko, Irak, Ghana und Senegal. Ein weiteres Zentrum in Nigeria ist geplant. In Afghanistan wird eine Beratung in Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) angeboten. 

Zivilgesellschaftliche Komponente

Im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Komponente fördert das Programm lokale und internationale zivilgesellschaftliche Organisationen in ausgewählten Herkunftsländern, die mit ihren Projekten weitere Startchancen für Rückkehrende schaffen. Nähere Informationen können über die Beratungszentren vor Ort oder bei der zuständigen Projektkoordination für die zivilgesellschaftliche Komponente in Eschborn eingeholt werden.

Wirkungen 

Das Programm schließt an die Erfahrungen und Wirkungen der Vorgängervorhaben an. Seit dem Start des Programms „Rückkehrende Fachkräfte“ haben zahlreiche Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vom Fachwissen von über 15.000 Rückkehrenden Fachkräften profitiert. Diaspora-Fachkräfte haben seit 2016 in über 60 ehrenamtlichen Kurzzeiteinsätzen ihr Know-how in Partnerorganisationen in Äthiopien, Kamerun, Serbien, Albanien und Kosovo eingebracht. Seit 2011 haben mehr als  110 Diaspora-Organisationen eine Förderung erhalten und mit ihren Projekten die Lebenssituation der Menschen in den Partnerländern nachhaltig verbessert. Das privatwirtschaftliche Engagement von Migranten wurde in Bezug auf ausgewählte Herkunftsländer gestärkt: Seit 2010 wurden über 50 Unternehmen gegründet, die wiederum zahlreiche Arbeitsplätze und Perspektiven vor Ort geschaffen haben. In ausgewählten Ländern wurde zudem die Migrationspolitik nachfrageorientiert mitgestaltet. Seit 2015 wurden in den Migrationsberatungszentren bereits mehr als 38.000 Beratungsgespräche geführt, rund 10.000 Personen haben an Bewerbungstrainings teilgenommen.