Wirtschaft und Beschäftigung

Berufliche Perspektiven in der Heimat

Beratung und Qualifizierung, um in der Heimat (wieder) Fuß zu fassen.

Es gibt unterschiedliche Wege, wie Menschen in ihren Herkunftsländern wieder eine berufliche Perspektive entwickeln können. Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration informieren zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort. Weiterbildungen und Trainings unterstützen die Menschen dabei, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Bislang konnten mehr als 951.700 solcher individuellen Fördermaßnahmen bereitgestellt werden. Seit Beginn des Programms konnten so bereits mehr als 184.500 Menschen in Jobs vermittelt werden oder sich selbständig machen, knapp 11.300 davon Rückkehrerinnen und Rückkehrer. Zur Existenzgründung konnten knapp 97.600 Maßnahmen angeboten werden. 

„Mir war nicht bewusst, welche Möglichkeiten es in meinem Heimatland gibt“, freut sich Wissem. Das Deutsch-Tunesische Beratungszentrum, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gemeinsam mit der tunesischen Arbeitsagentur betreibt, hat ihn zu seinen beruflichen Möglichkeiten beraten und in ein Gründer-Programm vermittelt. Mithilfe der neu erworbenen Kenntnisse konnte Wissem seinen Traum erfüllen und einen eigenen Lebensmittelladen eröffnen – ein Erfolg, mit dem er in den 15 Jahren, die er in Europa verbrachte, nie gerechnet hätte. Wissem weiß, wie es sich anfühlt, keine Perspektive zu haben. Und wie verlockend die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist. 2002 verließ er sein Heimatland, denn in Tunesien ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Also machte er sich in der Hoffnung auf Arbeit auf den Weg nach Europa. Nach Aufenthalten in Italien, Frankreich und Deutschland wurde sein Antrag auf Asyl abgelehnt, der heute 35-Jährige musste zurückkehren. Heute kann er sagen: „Es geht mir viel besser als in meiner Zeit in Europa. Ich habe endlich meine Aufgabe gefunden. In Tunesien ist mein Kopf frei, ich habe ein geordnetes Leben und einen Plan für die Zukunft.“

Individuelle Beratung, Infos zu Aus- und Weiterbildungen, Jobmessen: Das Angebot der Beratungszentren ist breit gefächert.

Individuelle Beratung, Infos zu Aus- und Weiterbildungen, Jobmessen: Das Angebot der Beratungszentren ist breit gefächert.

Mit der richtigen Beratung einen Job finden

So wie in Tunesien herrscht in vielen Ländern eine hohe Arbeitslosigkeit. Vor allem junge Menschen aus strukturschwachen Regionen sehen deshalb oft den einzigen Ausweg darin, auszuwandern. Dabei gibt es durchaus Chancen vor Ort, aber es fehlen Informationen zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten. Beratungszentren wie das in Tunis schließen diese Lücke.

Sie informieren über Aus- und Weiterbildungsangebote, Jobchancen in der Region und die Voraussetzungen für eine reguläre Migration nach Deutschland. Außerdem unterstützen die Zentren Menschen, die aus dem Ausland zurückkehren, beim Einstieg in den lokalen Arbeitsmarkt und bei der sozialen Reintegration. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten individuell und können zum Beispiel gezielt Qualifizierungsmaßnahmen und Unterstützung zur Gründung eines eigenen Unternehmens vor Ort vermitteln.

Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) betreibt die GIZ aktuell Zentren in elf Partnerländern –Albanien, Serbien, Kosovo, Ägypthen, Tunesien, Marokko, Ghana, Nigeria, Senegal, Pakistan und Irak – jeweils in Kooperation mit den nationalen Arbeitsverwaltungen. Das Interesse am Angebot der seit 2015 nach und nach aufgebauten Zentren ist groß: Insgesamt wurden bisher rund 118.900 Beratungsgespräche geführt, darunter fast 30.700 mit Menschen, die in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind.

Beratung mit Weitblick:  Das Deutsch-Tunesische Beratungszentrum hat Wissem dabei unterstützt, einen eigenen Lebensmittelladen in seinem Heimatviertel zu eröffnen.

Hand in Hand: Bessere Fördermaßnahmen durch individuelle Weiterbildungen vor Ort

Die Beratungszentren sind aber nur einer der Bestandteile von „Perspektive Heimat“. Gemeinsam mit verschiedenen anderen Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit kooperieren sie eng mit der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft, internationalen Organisationen und Institutionen der Partnerländer vor Ort. So werden in Tunesien beispielsweise Maßnahmen umgesetzt, die langfristig die Beratungstrukturen der tunesischen Arbeitsagentur ANETI stärken sollen. Gemeinsam bieten die Beratungszentren und Kooperationspartner eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungen an, durch die sich Bewerberinnen und Bewerber in ihrer beruflichen Ausrichtung weiter qualifizieren und somit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können. Denn oft suchen bestimmte Branchen wie der IT- oder Finanzbereich Arbeitskräfte, finden aber keine qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber. Darüber hinaus unterstützen Gründertrainings Interessierte auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Seit Mitte 2017 konnten mit Unterstützung dieser Projekte mehr als 951.700 individuelle Fördermaßnahmen bereitgestellt werden. Durch sie konnten bereits mehr als 184.500 Menschen in Jobs vermittelt werden oder sich selbständig machen, knapp 11.300 davon Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Deutschland. Zur Existenzgründung konnten knapp 97.600 Maßnahmen angeboten werden.  

Rückkehrberatung in Deutschland

Menschen, die sich für eine Rückkehr interessieren, können sich bereits in Deutschland zu einem Neustart in der Heimat beraten lassen. Dazu arbeitet die GIZ eng mit Kommunen zusammen und unterstützt Angebote von Wohlfahrtsverbänden oder Sozialträgern.

In ausgewählten Kommunen und bei kirchlichen und sozialen Trägern schlagen Reintegrations-Scouts eine Brücke zwischen der Rückkehrberatung in Deutschland und Angeboten in den Herkunftsländern. Diese Scouts unterstützen die Beratungsstellen, indem sie Kontakte zu Anlaufstellen in den jeweiligen Ländern herstellen. Sie informieren zu Beschäftigungsperspektiven und Angeboten in den Herkunftsländern – etwa Beratung zu Existenzgründung oder Aus- und Weiterbildungen. Und sie vermitteln Menschen, die zurückkehren möchten, an die Beratungszentren vor Ort.

Wissem ist froh, dass er nach Tunesien zurückgekehrt ist und durch die Unterstützung des Beratungszentrums in seiner Heimat wieder Fuß fassen konnte. 


Stand: Juli 2021