Wirtschaft und Beschäftigung

Startchancen und berufliche Perspektiven in der Heimat

Beratung und Qualifizierung, um in der Heimat (wieder) Fuß zu fassen.

Startchancen und berufliche Perspektiven in der Heimat

Es gibt unterschiedliche Wege, wie Menschen in ihren Herkunftsländern wieder eine berufliche Perspektive entwickeln können. Beratungszentren informieren zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort. Weiterbildungen und Trainings unterstützen die Menschen dabei, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Bislang konnten mehr als 100.000 dieser „Startchancen“ geschaffen werden. Außerdem haben bereits über 4.000 Menschen einen Job gefunden, darunter mehr als 1.000 Rückkehrer. 

„Eine tolle Chance“, freut sich Mame Ndiaga Sarr. Das Deutsch-Senegalesische Beratungszentrum, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gemeinsam mit der senegalesischen Arbeitsagentur betreibt, hat ihm eine Weiterbildung zum Solartechniker vermittelt. Die Qualifikation ist gefragt im Senegal, wo nur etwa 40 Prozent des Landes an das Stromnetz angeschlossen sind.

Im Bayerischen Haus in Thiès, 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Dakar, kann sich der gelernte Elektriker nun im vom Freistaat Bayern geförderten und von der GIZ realisierten Kompetenzzentrum fortbilden. Gleichzeitig hat er dort auch einen Job bekommen – Sarr kümmert sich unter anderem um das Gebäudemanagement im Bayerischen Haus.

Mame Ndiaga Sarr weiß, wie es sich anfühlt, keine Perspektive zu haben. Und wie verlockend die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist. 2015 verließ er sein Heimatland, denn im Senegal ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Also machte er sich in der Hoffnung auf Arbeit auf den Weg nach Deutschland. Hier wurde sein Antrag auf Asyl abgelehnt, der heute 33-Jährige musste zurückkehren.

Individuelle Beratung, Infos zu Aus- und Weiterbildungen, Jobmessen: Das Angebot der Beratungszentren ist breit gefächert.

Mit der richtigen Beratung einen Job finden

So wie im Senegal herrscht in vielen Ländern eine hohe Arbeitslosigkeit. Vor allem junge Menschen aus strukturschwachen Regionen sehen deshalb oft den einzigen Ausweg darin, auszuwandern. Dabei gibt es durchaus Chancen vor Ort, aber es fehlen Informationen zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten. Beratungszentren wie das in Dakar schließen diese Lücke.

Sie informieren über Aus- und Weiterbildungsangebote, Jobchancen in der Region und die Voraussetzungen für eine legale Migration nach Deutschland. Außerdem unterstützen die Zentren Menschen, die aus dem Ausland zurückkehren, beim Einstieg in den lokalen Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiter beraten individuell und können zum Beispiel gezielt Qualifizierungsmaßnahmen und Unterstützung zur Gründung eines eigenen Unternehmens vor Ort vermitteln.

Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) betreibt die GIZ aktuell insgesamt acht solcher Zentren – jeweils in Kooperation mit den nationalen Arbeitsverwaltungen: in Albanien, Serbien, Kosovo, Tunesien, Marokko, Ghana, Senegal und Irak. Das Interesse am Angebot der seit 2015 nach und nach aufgebauten Zentren ist groß: Insgesamt wurden bisher rund 38.000 Beratungsgespräche geführt, darunter knapp 2.000 mit Menschen, die in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind.

Beratung mit Weitblick: Das Deutsch-Senegalesische Beratungszentrum hat Mame Ndiaga Sarr eine Weiterbildung zum Solartechniker vermittelt. Die Qualifikation ist gefragt im Senegal, wo nur etwa 40 Prozent des Landes an das Stromnetz angeschlossen sind.

Hand in Hand: Bessere Startchancen durch individuelle Weiterbildungen vor Ort

Die Beratungszentren sind aber nur einer der Bestandteile des BMZ-Programms „Perspektive Heimat“. Sie arbeiten eng mit Beschäftigungsförderungsprojekten vor Ort zusammen, die von der GIZ umgesetzt und durch das Programm zusätzlich gefördert werden. Diese Projekte bieten in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungen an, durch die Bewerber sich in ihrer beruflichen Ausrichtung weiter qualifizieren und somit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können. Denn oft suchen bestimmte Branchen wie der IT- oder Finanzbereich Arbeitskräfte, finden aber keine qualifizierten Bewerber.  Darüber hinaus unterstützen Gründertrainings Interessierte auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Seit Mitte 2017 konnten mit Unterstützung dieser Projekte mehr als 100.000 dieser „Startchancen“ geschaffen werden. Außerdem konnten bereits über 4.000 Personen einen Job finden, darunter mehr als 1.000 Menschen, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Rückkehrberatung in Deutschland

Menschen, die sich für eine Rückkehr interessieren, können sich bereits in Deutschland zu einem Neustart in der Heimat beraten lassen. Dazu arbeitet die GIZ eng mit Kommunen zusammen und unterstützt Angebote von Wohlfahrtsverbänden oder Sozialträgern.

In ausgewählten Kommunen und bei kirchlichen und sozialen Trägern wie Caritas oder AWO schlagen Reintegrations-Scouts eine Brücke zwischen der Rückkehrberatung in Deutschland und Angeboten in den Herkunftsländern. Diese Scouts unterstützen die Beratungsstellen, indem sie Kontakte zu Anlaufstellen in den jeweiligen Ländern herstellen. Außerdem informieren sie zu Beschäftigungsperspektiven und Angeboten in den Herkunftsländern – etwa Existenzgründerberatungen oder Aus- und Weiterbildungen.

So wie „Erfolgreich im Senegal“. Jenes Programm, das Mama Ndiaga Saar die Qualifizierung im Bereich Erneuerbare Energien ermöglicht – für eine langfristige Perspektive in seiner Heimat. „So muss ich nun nicht mehr meine Heimat verlassen und nach Bayern auswandern. Bayern kommt stattdessen zu mir.“

Stand: August 2018