Trilaterale Resilienzverbesserung im äthiopischen Tiefland (TREE)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: TREE-Projekt: Trilaterale Steigerung der Resilienz im äthiopischen Tiefland (Afar-Region)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Landwirtschaftsministerium (Ministry of Agriculture – MoA)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2021

5) Women Treating Citrus at Nursery (Afambo - Afar Region 2019)

Ausgangssituation

Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung des äthiopischen Bundesstaates Afar sind aufgrund der Dürreperioden in den letzten Jahren auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Die Vegetation der Region, die den Menschen bislang als Brennmaterial sowie als Ernährungs- und Lebensgrundlage diente und gleichzeitig den Boden stabilisierte, befindet sich in einem kritischen Zustand und ist durch das Bevölkerungswachstum um jährlich 2,6 Prozent einer erheblichen Belastung ausgesetzt. Die Afar-Region ist heiß und trocken, mit Tagestemperaturen bis zu 48 °C und Jahresniederschlägen zwischen 0 und 700 mm. Daher eignen sich nur 7 Prozent der Fläche für die Landwirtschaft. Diese wird mithilfe kleiner Bewässerungssysteme dort betrieben, wo das Wasserangebot es zulässt, typischerweise in den Trockentälern oder am Ufer der Flüsse. Die Menschen leben von der Haltung gemischter Herden aus Kamelen, Rindern, Schafen und Ziegen. Gescheiterte Experimente mit neuen Pflanzenarten und die Überweidung haben zu einer unerwünschten Entwicklung geführt: Invasive Pflanzenarten, die bei den auftretenden Sturzfluten hervorragend gedeihen, drängen die heimischen Arten zurück und breiten sich über weite Teile des Weidelandes aus. Die gemeinschaftlichen Ressourcen und die agropastoralen Bewässerungssysteme werden traditionell über hierarchische Clanstrukturen verwaltet. Diese geraten zunehmend unter Druck, da die Produktivität der degradierten Böden sinkt, während gleichzeitig die Zuwanderung aus anderen Weidegemeinschaften zunimmt. Die Dezimierung der Baumbestände konnte auch durch Wiederaufforstungsmaßnahmen nicht aufgehalten werden, denn die lokalen Baumschulen haben nicht das Expertenwissen, um Pflanzmaterial zu produzieren, das von vornherein an die ökologischen Bedingungen angepasst ist. Darüber hinaus haben die Menschen in den Gemeinschaften nur sehr eingeschränkte oder gar keine Kenntnisse über den Anbau und das produktive Management von Obstbäumen. Bis vor wenigen Jahren konnten sie sich auf die natürliche Regeneration verlassen und brauchten nicht zu wissen, wie Bäume und Büsche gepflanzt und gepflegt werden.

Ziel

Die Quantität und die Qualität der Mehrzweck- und Obstbäume, die von den Pastoralist*innen und Agropastoralist*innen in der Region gepflanzt und gepflegt werden, haben zugenommen.

Vorgehensweise

Das TREE-Projekt unterstützt das Bundeslandwirtschaftsministerium von Äthiopien bei der Ausweitung der Baum- und Buschproduktion, an der großes Interesse besteht. Das Projekt ist eine trilaterale Partnerschaft zwischen der äthiopischen, der israelischen und der deutschen Regierung und ein fester Bestandteil des Programms „Stärkung der Dürreresilienz im ariden und semi-ariden Tiefland“ (SDR-ASAL). Es richtet sich an ca. 350.000 Menschen, darunter 400 direkt begünstigte Frauen und Männer, und es gliedert sich in drei Handlungsfelder:

Ausstattung und Erweiterung zweier bestehender Baumschulen für die Produktion von Mehrzweck- und Obstbäumen (Verwaltungsbezirke Afambo und Dubti). Ausbau der Baumschule des Agricultural Technical and Vocational Education and Training College (ATVET) in Gewane und deren Umwandlung in ein Wissenszentrum.

Bewusstseinsbildung und Schulung der Gemeinschaftsmitglieder in der Pflanzung und Pflege von Mehrzweck- und Obstbäumen. Dies erfolgt in Kombination mit den Gewässer- und Bodenschutzmaßnahmen der anderen Projekte des SDR-ASAL-Programms. Langfristig ist die Schaffung von Obst-Wertschöpfungsketten geplant, von denen insbesondere Frauen profitieren dürften.

Schulung der Baumschulenmitarbeiter und landwirtschaftliche Beratung bei der Pflanzung von Mehrzweck- und Obstbäumen; Maßnahmen zur Institutionalisierung und Weitergabe der neu erworbenen Kenntnisse.

Wirkungen

Seit März 2019 wurden mehr als 42.000 Setzlinge von Mehrzweckbäumen gepflanzt und 16.000 Elefantengras-Rhizome produziert. Der Großteil dieses Materials wird in Trockentälern gepflanzt, die sich nach dem Bau von Talschwellen im Rehabilitierungsprozess befinden. In mehreren praktischen Schulungseinheiten, die vorwiegend von israelischen Fachkräften durchgeführt wurden, haben 47 Regierungs- und Baumschulenmitarbeiter aktuelle Techniken wie das Beschneiden von Bäumen und die Vermehrung von Dattelpalmen gelernt. Im Rahmen einer weiteren Schulung hat sich eine erste Gruppe aus 40 Agropastoralist*innen mit der Pflanzung und Pflege von Bäumen vertraut gemacht.

6) Joint Date Palm Training in Collaboration with MASHAV (2018)