Kommunal- und Stadtentwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sektorvorhaben Urbanisierung, Kommunal- und Stadtentwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global 
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Panorama_Marrakesch_Eisenbeiß

Ausgangssituation

Die Welt von morgen wird städtisch sein. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten nur 10 Prozent der Menschen in Städten, heute sind es 55 Prozent und bis 2050 werden es mehr als drei Viertel, rund 7 Milliarden Menschen, sein. Schnelligkeit und Ausmaß der Urbanisierung schaffen große globale Herausforderungen: Aktuell leben etwa 880 Millionen Menschen in Slums. Zwei Drittel der weltweit mehr als 65 Millionen Flüchtlinge ziehen in urbane Gebiete, Städte verursachen drei Viertel der globalen Treibhausgasemissionen.

Städte bieten aber auch Lösungen und Chancen für eine nachhaltige Welt. Ob Klimaschutz, Armutsbekämpfung, Sicherheit oder Gleichberechtigung: Schon kleine Veränderungen können hier große Wirkungen erzielen und viele Menschen erreichen. Die Gestaltung von Urbanisierung ist deshalb entscheidend, um die globalen Entwicklungsziele zu erreichen, vor allem die der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, des Pariser Klimaabkommens und der Neuen Urbanen Agenda. Nur mit Städten, durch sie und in ihnen sind diese Ziele erreichbar. Den Städten fehlen jedoch häufig Ressourcen und Fähigkeiten, um den damit verbundenen Anforderungen angemessen zu begegnen.

Ziel

Die deutsche Entwicklungspolitik zur Kommunal- und Stadtentwicklung setzt die international vereinbarte Neue Urbane Agenda, im Rahmen der Agenda 2030, mit ihren Partnern erfolgreich um und befördert wirkungsvoll den internationalen Dialog zur Umsetzung globaler Agenden in und mit Städten.

Vorgehensweise

Das Sektorvorhaben berät das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dabei, nachhaltige Urbanisierung sowie Stadt- und Kommunalentwicklung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu verankern. Es unterstützt dazu die Ausarbeitung und Umsetzung einer neuen BMZ-Strategie und orientiert sich an deren drei übergeordneten Zielen:

  1. Städte sind handlungsfähig und gestalten nachhaltige Entwicklung.
  2. Städte sind für alle Bewohner lebenswert.
  3. Städtische Entwicklung vollzieht sich innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten.

Das Vorhaben erarbeitet methodische Orientierungen, Handreichungen und praxisorientierte Themenpapiere für die Handlungsfelder der BMZ-Strategie. Um den Wissensaustausch über gute Praktiken, Herausforderungen und Chancen nachhaltiger Stadtentwicklung und lokaler Governance zu fördern, betreibt das Vorhaben im Auftrag des Ministeriums unter anderem den multimedialen Weblog URBANET.

Das Vorhaben unterstützt das Ministerium bei der Positionierung eines zeitgemäßen Verständnisses von Stadtentwicklung in maßgeblichen internationalen entwicklungspolitischen Prozessen, beispielsweise bei Klimaverhandlungen und bei der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele. Dazu arbeitet es seit vielen Jahren eng mit strategischen Partnern zusammen, vor allem der Cities Alliance, UN-Habitat, der Cities Development Initiative for Asia und ICLEI – Local Governments for Sustainability.

Zusammen mit der C40 Cities Climate Leadership Group betreibt das Vorhaben die C40 Cities Finance Facility (CFF). Mit dieser Partnerschaft unterstützt es Städte bei der Projektvorbereitung und Anbahnung von Finanzierungen für klimafreundliche Projekte, vor allem auch durch den Einsatz lokaler Fachkräfte und Consultants. So fördert die CFF unter anderem die Suche nach Finanzierungsoptionen für einen Fahrradschnellweg in Bogotá und für den Aufbau einer Elektrobusflotte in Mexiko-Stadt. Mit der United States Agency for International Development (USAID) und dem britischen Ministerium für Unternehmen, Energie und Industrie wurden, neben dem BMZ, weitere zentrale Geber gewonnen.

Wirkungen

Die umfassende Beratung zur Ausarbeitung und Umsetzung der neuen BMZ-Strategie verbessert die Fähigkeit der deutschen Entwicklungspolitik, ressort- und sektorübergreifende Themen im städtischen Raum systematisch und ganzheitlich zu bearbeiten. Durch die konzeptionelle Arbeit und den Dialog mit deutschen wie internationalen Partnern und Experten werden wirkungsvolle Ansätze zur nachhaltigen Stadtentwicklung verbreitet.

Die kontinuierliche, enge Einbindung maßgeblicher Interessenvertreter und der und Zivilgesellschaft in zentrale entwicklungspolitische Prozesse festigt bedeutende Kooperationsnetzwerke. Auch die Anerkennung und Beteiligung subnationaler und zivilgesellschaftlicher Akteure in internationale Politikprozesse wird so intensiviert. Die regelmäßige Zusammenarbeit beim alle zwei Jahre stattfindenden World Urban Forum, der weltweit bedeutendsten Konferenz zu Urbanisierung und Stadtentwicklung, ist dafür zentral. Der im Auftrag der deutschen Bundesregierung durch das Vorhaben organisierte Gemeinschaftsstand beim 9. World Urban Forum 2018 war, wie in den Jahren zuvor, eine beliebte Anlaufstelle für fachlichen und institutionellen Austausch.

Durch die Kooperation mit der Cities Alliance fördert das Vorhaben die Verankerung einer armutsorientierten Stadtentwicklungspolitik, um Beteiligungs- und Zugangsrechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen an städtischer Entwicklung und Politikprozessen zu stärken.

Durch den verbesserten Zugang zu Finanzierungsinstrumenten für die Partnerstädte der C40 Cities Finance Facility wird das erhebliche Potenzial von Städten zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgasemissionen und zur Stärkung der städtischen Resilienz genutzt. Dies dient auch als Vorbild für andere Städte.